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Seide «made in Worb»

In der Schweiz soll wieder Seide produziert und kommerziell genutzt werden. Das ehrgeizige Projekt Swiss Silk von Initiant Ueli Ramseier in Worb ist auf dem Weg dazu, ein Stück Schweizer Geschichte neu zu schreiben.

Lange ist es her: Vor knapp hundert Jahren kam die Schweizer Seidenproduktion zu einem Halt. Es war in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als die letzte Seidenraupenzucht im Tessin ihren Betrieb einstellte. Von da an mussten sich Schweizerinnen und Schweizer damit begnügen, in historischen Museen wie jenem auf dem Brienzer Ballenberg den kleinen Seidenraupen beim Einspinnen in ihren Kokon – wodurch die Seide entsteht – zuzuschauen. «Substanzieller Nebenerwerb»Ueli Ramseier aus Hinterkappelen, von Beruf Textilingenieur und Landwirt, möchte dies ändern: Aus diesem Grund hat er vor vier Jahren das Projekt Swiss Silk ins Leben gerufen. Sein erklärtes Ziel ist es, die Seidenproduktion in der Schweiz wiederzubeleben. Wie der 46-jährige Ramseier betont, gehe es vor allem darum, Schweizer Bauern einen substanziellen Nebenerwerb zu ermöglichen. «Es handelt sich um ein wirtschaftliches Projekt, das sich rechnen muss», fügt er hinzu. Des Weiteren könnten auch der Tourismus und die Textilindustrie davon profitieren: Dem Tourismus komme zugute, dass für die Seidenraupenzucht weisse Maulbeerbäume gepflanzt werden müssen: Diese verschönerten das Landschaftsbild. Die Textilindustrie könne das mit Seide in Verbindung gebrachte Prestige nutzen. In einem ersten Schritt sollen vorwiegend Krawatten produziert werden. Um das Projekt möglichst breit abzustützen, hat Ramseier den Trägerverein mit dem offiziellen Namen «Vereinigung Schweizer Seidenproduzenten» aufgebaut: Ihm angehören werden sowohl beteiligte Bauern aus der Region Bern als auch zukünftige Verarbeiter und Vermarkter der Seide. Am 13. Juni ist Gründerversammlung. Pilotphase läuftBereits im vergangenen Sommer wurde damit begonnen, an vier Standorten im Kanton Bern die Maulbeerbäume anzupflanzen. So auch in Worb, wo Familie Bernhard auf ihrem Bauernhof ab Ende Mai den ersten Testversuch zur Aufzucht der Seidenraupen starten wird. Für die Raupen ist ein speziell präparierter Raum in einem alten Rossstall vorgesehen. «Wenn dieser Testversuch gut verläuft, werden wir die Raupenzucht auch an den anderen Standorten in Rosshäusern, Büren an der Aare und Hünibach aufnehmen», erklärt Ramseier. In Sommer 2010 werde der Trägerverein dann evaluieren, ob sich eine Fortsetzung des Projekts aus wirtschaftlichen Gründen lohne. «Kollektives Wissen aufbauen»Gemäss Ramseier besteht die Aufgabe des Trägervereins unter anderem auch darin, das grosse Wissen, welches die Schweiz einst im Bereich der Seidenproduktion besessen hat, wieder neu aufzubauen. Es sei schade, dass die Schweiz ihren geschichtlichen Bezug zur Seidenindustrie verloren habe, sagt er.Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sei Zürich weltberühmt für seine Seidenwebereien gewesen, und um das Jahr 1900 hätte die Seidenindustrie einen der wichtigsten Schweizer Wirtschaftszweige dargestellt. So rühre ein grosser Teil seiner Motivation für das «Swiss Silk»-Projekt auch daher, die «Faszination Seide» in der Schweiz neu zu entfachen. Ihm selbst sei diese Begeisterung von seinem Vater überliefert worden, sagt Ramseier. 10 bis 30 Tonnen Seide«Schreitet das Projekt gut voran, sollte es möglich sein, jährlich 10 bis 30 Tonnen Seide zu produzieren», erklärt Ramseier. Dies sollte gemäss seiner Schätzung etwa 300 Bauern zur Erwirtschaftung des substanziellen Nebeneinkommens ausreichen. Die wirtschaftliche Wertschöpfung wäre so garantiert.

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