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Schutzmauer oder Stollen?

Die Stadt Bern steht vor einer schwierigen Entscheidung betreffend Hochwasserschutz: Soll sie einen Stollen für 80 oder neue Uferverbauungen für 45 Millionen Franken bauen? Eine Ausstellung zeigt die Entscheidgrundlagen.

Rein theoretisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Marzili, Matte, Felsenau und Altenberg vor Hochwasser zu schützen. Nach Beurteilung der technischen Machbarkeit liegen nun zwei Varianten auf dem Tisch: der Bau eines Entlastungsstollens zwischen Dalmazi und Seftau sowie Objektschutzmassnahmen – eine Kombination von Ufererhöhungen, Abdichtungen und Drainagen. Eine Ausstellung zeigt bis Ende Januar 2009 die Grundlagen zu den beiden Varianten. Berns Gemeinderat wird im Februar darüber entscheiden.

Die Variante Objektschutz ist mit Kosten von netto rund 45 Millionen Franken für die Stadt Bern klar die günstigere Lösung. Problematisch sind allerdings die Auswirkungen aufs Stadtbild: Auf einer Länge von sechs Kilometern, teils beidseitig, müsste die Aare eingemauert werden. Neue, begehbare Quaianlagen bieten zwar einen Zusatznutzen für die Bevölkerung, machen aber erhebliche bauliche Eingriffe nötig.

Der Stollen wiederum ist mit Nettokosten von 80 Millionen Franken veranschlagt und birgt bautechnische und funktionale Risiken. Die Hoffnung, der Stollen könnte für die Stromproduktion genutzt werden, zerschlug sich im Laufe der Planung. Der Stollen hat eine Länge von 2,65 Kilometer, führt unter Bundeshaus und Altstadt hindurch, ist für eine maximale Abflusskapazität von 200 Kubikmetern pro Sekunde konzipiert und würde von unten nach oben mit einer Tunnelbohrmaschine erstellt. An beiden Enden verläuft der Tunnel durch schwieriges Lockergestein. Insgesamt wird mit Kosten von 128 Millionen Franken gerechnet, allein 30 Millionen würden städtebauliche und ökologische Aufwertung kosten. Bei einem Aaredurchfluss von 400 Kubikmetern pro Sekunde würde im Einlaufbereich im Marzili eine Schleuse geöffnet; eine Tauchwand vor dem Einlauf schützt den sogenannten Freispiegelstollen vor Schwemmholz. Beim Ausfluss schiesst das Wasser in Flussrichtung heraus; ein Tosbecken schützt die Uferpartie auf der Seite Bremgartens vor dem Wellenwurf.

Die Objektschutzmassnahmen werden auf insgesamt 93 Millionen Franken geschätzt. Für beide Varianten stehen Subventionsbeiträge von Bund und Kanton in Aussicht. Mit weiteren Beteiligten, Versicherungen, Grundeigentümern und Energie Wasser Bern (EWB), wird noch um eine Kostenbeteiligung verhandelt.

So oder so obliegt der Stadt die Pflicht, Massnahmen zu ergreifen. Einiges wurde denn auch schon umgesetzt oder in die Wege geleitet: Kiesentnahmen, verbesserte Alarmierung und Schwemmholzentnahme, mobile Absperrungen, Notentlastung der Matteschwelle, Ufererhöhungen beim Tych und in der Felsenau.

Zwei Volksabstimmungen

Der Projektierungskredit soll im Herbst 2009 dem Volk vorgelegt werden. Dann erfolgt die Mitwirkung zum Wasserbauplan. Mit dem Baukredit wird das Volk 2010 abermals über die Massnahmen befinden. Frühestmöglicher Baubeginn ist 2011.

Gemeinderätin Regula Rytz unterstrich gestern vor den Medien die grosse städtebauliche und finanzielle Bedeutung der Massnahmen. Die Quaianlagen seien mit der Denkmalpflege abgesprochen und mit dem Unesco-Welterbe kompatibel. Die Mauern sind aus Sandstein gebaut, bestehen aus einem unteren und einem oberen, begehbaren Quai und haben auf der Seite der zu schützenden Objekte eine maximale Höhe von einem Meter. Der städtebauliche Mehrwert der Anlagen besteht aus neuen Zugängen zum Aareufer.

Ausstellung Forum Altenberg, Altenbergstr. 40. Mi–Sa geöffnet. Dauer bis 31. Januar.

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