Zum Hauptinhalt springen

Schule statt Theater

Die Stadt ist in «ernsthaften Verhandlungen» mit einer Privatschule für die Nutzung der seit Sommer 2007 leer stehenden Kornhausbühne. Die SP kritisiert die «schleichende Privatisierung» des Kornhauses.

Wo einst Schauspieler ihr Können zeigten, könnten bald die Schulhausglocken erklingen: Die städtische Liegenschaftsverwaltung ist in Verhandlungen mit einer Privatschule, die sich in die Räumlichkeiten der einstigen Kornhausbühne des Stadttheaters einmieten möchte. Da der Mietvertrag noch nicht unterzeichnet ist, möchte Liegenschaftsverwalter Fernand Raval den Namen der Schule nicht nennen. Er weist jedoch darauf hin, dass es sich um eine Schule handelt, die Erwachsene für Berufe im Dienstleistungsbereich ausbildet. Das Kornhaus ist im Eigentum des städtischen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik. Der Fonds muss seine Liegenschaften gemäss Reglement nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten verwalten. Das Stadttheater hat für die rund 570 Quadratmeter Grundfläche 10000 Franken im Monat bezahlt. Seit dem Bezug der Bühnen in den Vidmarhallen im Sommer 2007 stehen die Räumlichkeiten im Dachstock des Kornhauses leer. Das Stadttheater musste die Miete trotzdem bis Oktober 2008 weiter bezahlen, da es keinen gleichwertigen Nachmieter stellen konnte.

Kultur wäre schön, aber zu teuer

Die Suche nach Nachmietern ist offenbar auch der Liegenschaftsverwaltung nicht leicht gefallen. Anfang November hat sie die Bühne unter dem Titel «repräsentative Büroflächen im Kornhaus» zur Vermietung ausgeschrieben. Rund zehn Interessenten haben sich nach Angaben Ravals aufs Inserat hin gemeldet, die Hälfte davon habe einen Augenschein genommen. «Bemängelt wurde öfters, dass die Räume eher zu wenig Tageslicht haben und dadurch nur beschränkt in Einzelbüros unterteilbar sind», sagt Raval. Die Liegenschaftsverwaltung und der Gemeinderat haben wiederholt betont, dass eine kommerzielle Nutzung nicht im Widerspruch zur Abstimmungsbotschaft zum Umbau des Kornhauses aus dem Jahr 1996 stehe. Die Stadtregierung wies jüngst in ihrer Antwort auf einen Vorstoss von Gisela Vollmer (sp) darauf hin, dass eine Quersubventionierung kultureller Angebote über Mietzinsreduktionen nicht infrage komme.

«Lieber Schule als Büros»

Stadträtin Vollmer ist über den möglichen Einzug einer Privatschule wenig erfreut. Das Volk habe sich dereinst für eine öffentliche Nutzung des Kornhauses ausgesprochen. Nun werde das Gebäude «Stück für Stück» privatisiert. «Natürlich wäre eine kulturelle Nutzung toll», sagt Bernhard Giger, Leiter des Kornhausforums. Er habe aber kein Problem mit einer Schule im Haus. «Lieber eine Schule als Büros», sagt Giger.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch