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Schönes Schnäppchen

Das Historische Museum ist um zwei Stücke reicher: ein Burgunder-Porträt, das um 1494 entstanden ist, sowie eine Reiseschreibmappe von Albert Einstein, die eine besondere Geschichte hat – und Geschichte erzählt.

Das Historische Museum verfügt über eine auserlesene Sammlung an burgundischer Hofkunst, vor allem an Tapisserie. Doch fehlt es fast gänzlich an Gemälden aus der Epoche, da jene Bilder in früheren Zeiten ans Kunstmuseum gingen. «Dadurch ist ein historischer Zusammenhang auseinandergerissen worden», sagte Museumsdirektor Peter Jezler gestern an einer Pressekonferenz. Das Einwirken von Motiven auf Teppiche sei teuer gewesen, daher seien Bilder als Vorlagen gefertigt worden.

Heirat mit der Wahnsinnigen

Diese Lücke ist nun kleiner geworden. Mit Freude konnte Jezler gestern den Kauf eines Porträts von Philipp dem Schönen verkünden. Der Burgunder Herrscher führte zwar ein kurzes Leben (1478–1506), bereitete aber mit seiner Heirat mit Johanna von Kastilien – die Wahnsinnige genannt – den Aufstieg eines Weltreiches vor. Ihr gemeinsamer Sohn, Karl V., regierte mit Habsburg/Spanien über ein Reich, in dem die Sonne nie unterging.

Der Besitzer des Gemäldes hat sich beim Historischen Museum selbst gemeldet. Nach der Ausstellung «Karl der Kühne» habe dieser sich nach dem Inhaber des Porträts von Maria von Burgund (Philipps Mutter) erkundigt, da er seinen Besitz habe veräussern wollen, erzählte Jezler. Das Historische Museum meldete darauf gleich selbst Interesse am Bild an. Dank Stiftungen, Privaten und dem Förderverein des Museums hätten die 90000 Franken ohne öffentliche Mittel bezahlt werden können, sagte Jezler. «Ein moderater Preis für ein solches Werk.»

Mappe für Einsteins Briefe

Nichts bezahlen muss das Museum für die Reiseschreibmappe, die dem Historischen Museum von Vincent C. Frank-Steiner und der Jüdischen Gemeinde Bern als Depositum übergeben wurde. Das abgewetzte Lederetui hat eine bewegte Geschichte hinter sich – und erzählt von einem tragischen Jahrhundert europäischer Geschichte, wie Frank gestern ausführte. Sein Vater hatte ihm die Mappe übergeben; der Regisseur hat sie wiederum von seiner Schülerin, der Schauspielerin Ulla von Henning erhalten – «der eigentlichen Heldin dieser Geschichte», wie Frank sagte. Henning hat die Mappe von Einsteins Neffe überreicht bekommen, der diese an sich nahm, als Einstein 1933 aus Nazi-Deutschland emigrierte.

Von Henning habe dem Ideal ihrer Zeit entsprochen: blond, blauäugig, hübsch. «Ihr Aussehen diente ihr als Tarnung», so Frank. Sie sei Kommunistin gewesen und verlässliche Gegnerin des Nationalsozialismus. Bei der Vitrine in der Einstein-Ausstellung, in der das Dokument ab Ende Monat zu sehen sein wird, sollen die Besucher auch etwas über das abenteuerliche Leben der unbekannten Widerstandskämpferin erfahren, wünscht sich Frank.

Übrigens: Die lange Reise der Mappe hat noch kein Ende. Die Depositäre haben eingewilligt, dass diese zu der geplanten Einstein-Ausstellung nach China mitreist.

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