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Respekt braucht Vorbilder

Um Respekt zu lernen, braucht es Vorbilder und Empathie. Um Respekt zu leben, braucht es Mass und Verzicht. Dies war das Fazit der Podiumsdiskussion über Respekt als gesellschaftliche und individuelle Herausforderung.

Welche Rolle spielt Respekt im Leben des Einzelnen und in der Gesellschaft? Am Thementag Respekt, der von Euro 26 und der Stiftung Schweizer Jugendkarte organisiert wurde, gingen gestern im Berner Zentrum Paul Klee Fachleute dieser Frage nach. Bereits der Einführungsvortrag des Jugendsoziologen Albert Scherr aus Freiburg im Breisgau verdeutlichte die Komplexität der Frage: Ein Kernelement von Respekt ist Anerkennung und die positive Selbstwahrnehmung. Aber eine Gesellschaft funktioniert nicht, wenn jeder nur an sich denkt. Allerdings sind Strukturen für Respekt eng mit sozialer Ungleichheit verbunden: Ein Arzt wird mehr respektiert als ein Arbeitsloser. Von Respektspersonen lernenIn der anschliessenden Diskussion fragte Podiumsleiterin Alenka Ambrosz, Kommunikationsexpertin und ehemalige «10 vor 10»-Moderatorin: «Wer hat Ihnen Respekt beigebracht?» Für die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello war der Grossvater in Italien das prägende Vorbild. «Ich bin ein Landei und habe von meinen Eltern, die Landwirte waren, Respekt gegenüber Menschen und Tieren gelernt», sagte der Berner Klimaforscher Heinz Wanner. Der Zürcher Ethiker Hans Ruh, ein Lehrerssohn, sagte, er sei «in der Ambivalenz zwischen Respekt vor dem Lehrer und dem Ausgeschlossensein» aufgewachsen. Eine wiederum völlig andere Erfahrung machte der Basler Integrationsbeauftragte Thomas Kessler. Er zog mit den Eltern – Bildungsbürgern, die christliche Werte und Achtung hochhielten – von der Stadt aufs Land. «Respekt wurde dort mit Schlägereien auf eine sehr physische Art geklärt. Ich war gross und stark und konnte das zu meinen Gunsten entscheiden», sagte Kessler. Damit ein Mensch überhaupt Respekt erlernen kann, erachtet Perrig-Chiello Empathie und Selbstwirksamkeit als zentrale Faktoren. «Wer die Fähigkeit hat, sich selber als wirksam wahrzunehmen, muss andere im Umgang nicht verletzen.» Dass Respekt auch für Systeme wie Firmen oder in Bezug auf die Umwelt zentral ist, darüber waren sich die Diskutierenden einig – liessen aber die Wirtschaftskrise absichtlich aussen vor. «Masslose Systeme implodieren. Das ist wie ein Krebsgeschwür, das den Wirt zerstört», sagte Kessler. Manchmal brauche es List im positiven Sinne, um die Ignoranz der Einzelnen aufzubrechen und die Leute auf den richtigen Weg zu führen. >

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