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Notfalls kommt Frau Ehrensperger

Noch nie war der Hütedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Bern-Mittelland so gefragt wie derzeit. Wenn Kinder oder Eltern krank sind, springen die Betreuerinnen des SRK ein – unter anderen Diana

Es ist 8 Uhr morgens. Betreuerin Diana Ehrensperger hat in der Neubauwohnung in einem Ittiger Wohnquartier das Zepter übernommen. Das Heim gleicht einem kleinen Lazarett: Die dreimonatigen Zwillinge Lourdes und Natalia leiden unter einer Mittelohrenentzündung, die vierjährige Angeles kuriert eine Grippe aus. Wenigstens der zweijährige Alejandro ist gesund und wie gewohnt in die Kindertagesstätte (Kita) begleitet worden. Doch ohne Ehrensperger würde der Familienalltag gänzlich aus den Fugen geraten: Der Vater musste früh zur Arbeit, die Mutter hat am Morgen einen Termin, den sie wahrnehmen muss – und die Grosseltern, die eigentlich zu den kranken Enkelinnen hätten schauen sollen, liegen nun selbst angeschlagen im Bett.Job erfordert FlexibilitätAm Abend zuvor hat die Mutter den Hütedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) Bern-Mittelland über die Notlage informiert. Nun sitzt Ehrensperger auf dem Sofa und schaut sich mit Angeles ein Bilderbuch an. Die kleinen Zwillinge dösen. Seit drei Jahren ist Ehrensperger als SRK-Betreuerin im Berner Mittelland unterwegs. Durchschnittlich an zwei Tagen die Woche, doch so genau lasse sich dies nicht beziffern, sagt sie. Der Job erfordere grosse Flexibilität: Im Sommer gebe es meist weniger zu tun, derzeit herrsche aber Hochbetrieb, erzählt Ehrensperger. «Jedes Mal neu orientieren»Doch viel Zeit für grosse Reden bleibt der Zollikofnerin nicht: Natalia meldet lautstark ein Hüngerchen an. Ehrensperger macht einen Schoppen parat und steht dann einen Moment lang ratlos vor dem Mikrowellenofen. «Man muss sich jedes Mal wieder neu orientieren.» Stammkundschaft habe sie nicht, das brächten die Kriterien für den Einsatz des SRK-Hütediensts mit sich (vgl. Kasten). Schliesslich ist die Milch warm, und Natalia nuckelt zufrieden. Wenigstens eine Minute lang, dann ists mit der Ruhe wieder vorbei. Die Betreuerin nimmt sich der Unzufriedenen an. Sie, selbst zweifache Mutter, kennt die Kniffe.Einsätze bis zwölf StundenNachdem ihre eigenen Kinder erwachsen wurden, suchte Ehrensperger eine neue Herausforderung und fand sie beim SRK. Die Arbeit gefalle ihr, sagt sie. Auch wenn die Aufgaben teilweise sehr anspruchsvoll sind und die Einsätze bis zu zwölf Stunden dauern. Es könne zu schwierigen Situationen kommen, erzählt Diana Ehrensperger. Etwa wenn die Mutter krank sei und sie zu deren Entlastung die gesunden Kinder hüte. Für Letztere sei es dann manchmal nicht nachvollziehbar, dass sie sich nun einer fremden Frau anvertrauen sollten, statt stets die anwesende Mutter zu bemühen. Auch fünf Kinder gleichzeitig hat Ehrensperger schon betreuen müssen. «Das sind dann jeweils lange Tage.» Viel wert sei, wenn man die Kinder – wenn es deren gesundheitlicher Zustand zulässt – beschäftigen könne. Die Betreuerin nimmt dafür jeweils «Bastelzeug» von sich zu Hause mit.Manchmal «geht es einem nahe»Als Betreuerin in Notfällen hat Ehrensperger Einblick in allerlei Haushaltungen. Nicht immer sei das angenehm; «es gibt Familiensituationen, die einem nahegehen.» Natürlich muss auch Ehrensperger ab und zu ihrem Arbeitsumfeld Tribut zollen. Erst kürzlich wurde auch sie Opfer der Grippewelle. Unterdessen ist auch Lourdes wach geworden. Und Angeles kommt mit einem grossen Sack voller Kleider daher und beginnt, eine kleine Modeschau zu veranstalten. Ehrenspergers Morgen ist noch lang.>

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