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«Nichts übers Knie brechen»

Margreth Schär will die erste Frau an der Spitze der Seeländer Gemeinde Lyss werden. Die SP-Grossrätin tritt am 27.September 2009 gegen Andreas Hegg (fdp) an. 2001 scheiterte sie in einem ersten Anlauf am abtretenden Amtsinhaber Hermann Moser.

Margreth Schär ist oft am Bahnhof in Lyss anzutreffen: «Das ist ein wichtiger Ort für mich, ich bin viel mit dem Zug unterwegs.» In den letzten zwei Wochen pendelte die Grossrätin und SP-Fraktionschefin täglich nach Bern an die Session. Mit der Situation rund um den Lysser Bahnhof ist sie trotz einigen Verbesserungen, wie zum Beispiel beim Busbahnhof, noch nicht ganz zufrieden. Als Velofahrerin, die kein Auto besitzt, vermisst sie eine bewachte Velostation. Diebstähle und Vandalismus seien an der Tagesordnung. «Fürs erste hätte man ein provisorisches Gitter machen können», findet sie. Den Überblick bewahrenAls Fraktionspräsidentin muss Schär die Termine im Griff haben, besser gesagt die Terminverschiebungen. «In der Septembersession wurden viele Geschäfte hin- und hergeschoben.» Sie sorgt dafür, dass die Grossrätinnen und Grossräte auch präsent sind, wenn sie ihre Vorstösse am Rednerpult vertreten müssen.Weil sich die Legislatur allmählich dem Ende zuneigt – im nächsten Frühling wird im Kanton Bern gewählt –, war die Traktandenliste reich befrachtet. Es muss aufgeräumt werden. Während zwölf Jahren war Schär als Gemeinderätin in Lyss zuständig für das Sozialressort. Dabei habe sie die Entwicklung im Bereich Krippenplätze und Altersbetreuung steuern und gestalten können. Der Ausbau der Kinderbetreuung sei ein echtes Bedürfnis: «Sobald wir mehr Plätze anbieten konnten, waren diese sofort besetzt, und es gab Wartelisten.» «Ich bin manchmal ungeduldig»Die Einflussnahme als Parlamentarierin sei eher indirekt, sagt Schär. Ein Exekutivamt sei spannender und biete mehr Gestaltungsmöglichkeiten. «Ich bin manchmal ungeduldig und möchte Resultate sehen», sagt sie über sich selber. Andererseits könne man natürlich nicht über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg entscheiden. Nun will sie Gemeindepräsidentin werden. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das Präsidium anvisiert: Vor acht Jahren trat sie gegen den amtierenden Gemeindepräsidenten Hermann Moser (fdp) an. «Ich wollte eine Alibiwahl verhindern», sagt sie. In einer Demokratie brauche es eine Auswahl. Letztlich unterlag sie aber klar: Sie erzielte nur 23 Prozent der Stimmen. Nun am 27.September, im zweiten Anlauf stehen die Chancen sicher besser. Hermann Moser tritt nach 16 Jahren Ende 2009 ab. Die FDP schickt Gemeinderat Andreas Hegg (siehe Bund vom 10.9.) ins Rennen. Schär streicht ihre reiche politische Erfahrung hervor und auch ihren Leistungsausweis als Personalchefin. Als Präsidentin des Altersheims Lyss-Busswil und des Frauenhauses Region Biel brauche es Führungsgeschick und Organisationstalent. Auch wenn sie als Gemeindepräsidentin gewählt würde, möchte sie weiterhin auf kantonaler Ebene politisieren. Interesse für die OrtsplanungDass Margreth Schär 1994 das Sozialressort übernahm, war nicht von Vornherein klar. «Ich hätte gerne auch das Bauressort geführt.» Am Anfang ihrer politischen Laufbahn als Mitglied im Gemeindeparlament stand die Ortsplanung. «Das ist die Zukunft von Lyss, hier werden die Weichen gestellt», so dachte sie damals beim Blick auf die Pläne. Nun ist die nächste Ortsplanung an der Reihe, in deren Rahmen Lyss in den nächsten 15 Jahren von 11500 auf 12500 Einwohnerinnen und Einwohner wachsen soll. Bei diesen Zahlen macht Schär ein Fragezeichen: Wenn das bereits eingezonte Land überbaut werde, komme Lyss bereits auf 12000 Einwohner. Dass in weiteren 15 Jahren die Bevölkerungszahl nur um 500 steigen werde, hält sie daher für eher unrealistisch. Bei der Ortsplanung komme man aber nur vorwärts, wenn man die Leute überzeugen könne. «Man kann nichts übers Knie brechen. Ortsplanungen haben es schwer in der letzten Zeit.» Die gebürtige Oberaargauerin ist vor 22 Jahren in Lyss sesshaft geworden. Vorher zügelte die Familie rund alle drei Jahre. Bern, Biel, Lausanne, Mittelhäusern gehörten zu ihren Stationen. «Lyss hat eine ideale Grösse und hat enorm viel zu bieten: Hier wohne und lebe ich gerne», sagt sie. Politik sei schon in ihrem bürgerlichen Elternhaus ein Bestandteil des Familienlebens gewesen. «Es ist wichtig, sich einzumischen.» Warum entschied sie sich für die SP? «In der SP fand ich die Werte, die mir wichtig sind: Solidarität, Toleranz, Respekt und Ökologie», sagt die 54-jährige Mutter von drei erwachsenen Söhnen. >

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