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Nichts Neues vom Grosi

Zucker-, Salz- und Pfefferstreuer stehen neben alten Raffeln und Verpackungen auf dem Wandgestell. Dass die Gäste die Streuer auch benutzen können, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Backformen, die an der anderen Wand hängen, sind hingegen reine Dekoration. Im Raum mit dem schwarz-weiss gekachelten Boden stehen Tische und Bänke, ganz im cremefarbenen Ton der 1950er-Jahre gehalten. Das Berner Restaurant Bim Grosi könnte tatsächlich zu Grossmutters Zeiten eingerichtet worden sein. Doch echt ist im dreigeschossigen Lokal am Käfigturm nur das Gemäuer – das geschickt komponierte Interieur kam erst letztes Jahr zum Einsatz, als Ende Mai das «Grosi» den Chinesen «Mister Chu» ablöste.Der konsequente Retro-Chic der Räumlichkeiten zieht sich auch durch die umfangreiche Karte des Restaurants: Fotzelschnitten mit Zimt und Zucker und Braten, Rösti und Schnipo stehen unter anderem darauf. In einem Kasten ist die Bernerplatte speziell hervorgehoben (Fr. 34.–). Als die Kellnerin sie später serviert, kommen Erinnerungen an die grossen Portionen der eigenen Grossmutter auf. Flankiert von Dörrbohnen, «chüschtigem» Sauerkraut und (leider nur mässig linden) Kartoffeln liegen Speck, Schinken und Würste bereit. Das Fleisch ist saftig und die Platte als Ganzes – sie wird von zwei Teelichtern gewärmt – ist ordentlich, wenn auch nicht hervorragend zubereitet.Ähnlich kommen die Älplermakronen (Fr. 21.–) auf den Tisch: schön angerichtet und schmackhaft, aber ohne bleibenden Eindruck. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt dafür nicht nur Grosis «Küche» im ersten Stock des Restaurants. Denn im Erdgeschoss des Hauses befindet sich Grossmutters «Salon» – mit roter Tapete und grünem Teppich ein heimeliger Raum, der durch ein Fenster von der Käfigturm-Passage aus einsehbar ist. Im zweiten Stock liegt das gediegene «Wohnzimmer» mit Kachelofen. Auch beim Geschirr achtet Wirtin Nicole Jansen auf die Details. Im ersten Stock wird Alltagsgeschirr in Brauntönen aufgetischt, im nobleren zweiten Stock «Sonntagsgeschirr».Dass Nicole Jansen und ihr Ehemann Ralf Jansen ein gutes Händchen in Sachen Themengastronomie haben, konnten sie bereits beim – besonders beim jungen Volk – beliebten Restaurant Gut gelaunt in der Schauplatzgasse beweisen. Auch die drei Gurtengass-Lokale Art’ Café, Eclipse und Berner Beach Club betreiben sie unter dem Dach der Jansen Gastronomie. Zudem wurde vor zwei Jahren in Solothurn ein weiteres «Gut gelaunt» eröffnet.Die unspektakuläre Küche gehört beim «Grosi» zum Konzept. Doch mit einer latenten Fantasielosigkeit wie beim Hauptgang müsste sie trotzdem nicht gepaart sein. Erschreckend karg kommt das Birchermüesli (Fr. 8.–) daher: Es lehnt sich zwar ziemlich exakt an Doktor Birchers Originalrezept an – doch weil dieser das Müesli zu Gesundheitszwecken herstellte, eignet es sich nur bedingt fürs Restaurant. Denn auch Grossmutter hätte noch etwas Joghurt, Zucker, Bananen und/oder Beeren beigemischt.Kulturpessimisten und Gastropuristen könnten das Lokal einen urbanen Ballenberg oder ein Berner Disneyland schimpfen. Dem «Bund» hats aber gefallen. Doch auch wenn der Verweis auf Grossmutters Küche Koketterie ist – etwas anspruchsvoller dürfte diese schon sein.Adrian SulcDie Rechnung, bitte!Karte:Reichhaltig schweizerisch-traditionell, dazu jeweils drei weniger traditionelle Mittagsmenüs.Preise: Eher etwas hoch – die Miete der grossen Liegenschaft am Bärenplatz schlägt zu Buche.Kundschaft:Bernisch bunt gemischt und unkompliziert, dazu einige Touristen.Öffnungszeiten:Montag bis Samstag 8 bis 00.30 Uhr, Sonntag 10 bis 00.30 Uhr.Adresse:Restaurant Bim Grosi, Bärenplatz 3, Bern, Tel. 031 305 08 88, Fax 031 305 08 89. www.jansengastronomie.ch.aufgetischt.derbund.ch>

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