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Mäzen wirft sich für Progr in die Bresche

Die Progr-Künstler haben gestern ihren bekanntesten Geldgeber präsentiert. Hansjörg Wyss lobte den Kulturbetrieb im ehemaligen Progymnasium in den höchsten Tönen. «Hier werden noch lebende Künstler gefördert.»

Hansjörg Wyss, Verwaltungsratspräsident der Medizinaltechnikfirma Synthes, macht sich in der Regel sehr rar für die Medien. Letztmals war er in der Öffentlichkeit aufgetreten, als es um sein Engagement bei der Fondation Beyeler in Riehen ging. Umso grösser war die Überraschung, als der Kunstmäzen gestern zusammen mit Kunstmuseum-Direktor Matthias Frehner die Werbetrommel rührte für den Progr. Peter Aerschmann, Präsident der Künstlerinitiative Pro Progr, hatte ihn überzeugen können, sich in den Abstimmungskampf einspannen zu lassen. Bern habe das Privileg, an bester Lage ein Kulturzentrum zu besitzen, welches an 365 Tagen und Nächten im Jahr belebt sei, sagte Wyss. Eine solche Einrichtung müsse unbedingt am Leben erhalten werden. Zumal sich der Progr die Förderung lebender Künstlerinnen und Künstler auf die Fahne geschrieben habe.Wyss gab sich gestern alle Mühe, sein Engagement zu relativieren: «Ich bin eines von über 100 Stiftungsmitgliedern, welche dem Progr Geld zur Verfügung stellen.» Auf die Höhe seines Darlehens angesprochen, antwortete er: «Über Geld spreche ich hier nicht.» Den Kontakt zu den Progr-Künstlern will der gebürtige Stadtberner schon im letzten Spätherbst hergestellt haben. «Ich habe mich bei Peter Aerschmann gemeldet.» 20 Millionen für KunstmuseumBekannt ist, dass Wyss eine Affinität zum ehemaligen Progymnasium besitzt, weil er dort zur Schule gegangen ist. Da er zweimal sitzen geblieben sei, habe er insgesamt fünf Jahre im «Proger» verbracht, erzählte er schmunzelnd.Der in den USA lebende Berner unterstützte das Projekt einer Abteilung Gegenwartskunst des Kunstmuseums im denkmalgeschützten Gebäude. 17 Millionen stellte er der Stadt für den Umbau in Aussicht. Ein Schenkungsvertrag kam aber nie zustande, da sich die beiden Parteien in verschiedenen Punkten (Übernahme Betriebskosten) nicht einigen konnten. Wyss konzentrierte sich in der Folge auf die Realisierung einer Abteilung Gegenwartskunst in einem Anbau am Aarehang. 12 Millionen Franken stellt er für das Projekt «Scala» zur Verfügung, welches eine Ausstellungsfläche von 1200 Quadratmetern vorsieht. Die Abteilung Gegenwartskunst soll 2012 in Betrieb genommen werden.Lob vom Nachbarn Als Hansjörg Wyss die Bühne vorzeitig verliess, applaudierten die anwesenden Künstler. Nach dem prominenten Geldgeber hatte Matthias Frehner das Wort. Und auch er geizte nicht mit schönen Worten. Dieses «vitale und initiative Zentrum» tue dem Kunstmuseum gut. Es habe die Aktivitäten des Hauses «ohne Zweifel belebt». Das Kunstmuseum werde aber keine aktive Rolle im künftigen Progr einnehmen, falls die Variante der Künstler obenausschwingt, fuhr Frehner fort. Er kann sich aber vorstellen, die Zusammenarbeit mit dem Progr zu intensivieren, «wenn es um bestimmte Projekte auf dem ehemaligen Pausenhof geht». Weiter erinnerte er daran, dass die Stiftung Gegenwart von Hansjörg Wyss möglicherweise ein Künstleratelier betreiben wird in Zukunft. Weitere 2 Millionen Spenden Wichtig war den Progr-Künstlern gestern, Unsicherheiten im finanziellen Bereich zu entkräften. Laut Aerschmann sind weitere 2 Millionen Franken an Spenden und Darlehen eingegangen seit Anfang Jahr. Rund 6,5 Millionen Franken sind bis dato gesammelt worden. Hinzu kommt ein Bankdarlehen von 5,5 Millionen Franken. Die insgesamt 12 Millionen reichten aus, um das ganze Gebäude zu sanieren, betonte Günter Ketterer, Finanzchef der Stiftung Progr. Unbedingt gemacht werden müssten das Dach und das Unterdach sowie gewisse Bereiche in der Haustechnik. Ketterer strich das gute Zusammenspiel mit der Denkmalpflege hervor. Was die Unterhalts- und Betriebskosten betrifft, sagte Ketterer: «Wir können diese Beträge für 30 Jahre aufbringen.» Er sei auch jederzeit bereit, dem schärfsten Progr-Kritiker, SVP-Stadtrat Peter Bernasconi, Einblick in die Zahlen zu gewähren, fügte Ketterer an.

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