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Kunos Signal aus «Züri West»

Weder Mix mit dem «Tages-Anzeiger» noch Fusion mit der BZ, sondern ein dritter Weg für den «Bund»: Diese Idee hat das Komitee «Rettet den 'Bund'» gestern konkretisiert und eine Plakatkampagne lanciert.

Markus Dütschler
Kuno Lauener als Ikone des Komitees: Mark Balsiger, Christoph Stalder, Andreas Lüthi und Manuela Eggenberger (v.l.). (Adrian Moser)
Kuno Lauener als Ikone des Komitees: Mark Balsiger, Christoph Stalder, Andreas Lüthi und Manuela Eggenberger (v.l.). (Adrian Moser)

13000 Personen haben die Petition «Rettet den ,Bund‘» bis jetzt unterzeichnet. Lanciert hat sie ein Komitee um den PR-Berater und früheren Journalisten Mark Balsiger. Das Komitee will den am 1. Dezember 2008 angekündigten Beschluss des Hauses Tamedia nicht tatenlos abwarten. Damals gab die «Bund»-Eigentümerin bekannt, dass sie zwei Varianten ausarbeitet: Entweder geht der «Bund» eine Kooperation mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger» ein – oder er fusioniert mit der «Berner Zeitung». Der Entscheid soll im ersten Halbjahr 2009 fallen. Auf der Homepage des Komitees (www.rettet-den-bund.ch) ist seit gestern eine Umfrage aufgeschaltet. Mit ihr soll eruiert werden, wie viel der Berner Bevölkerung an einem Fortbestand des «Bund» liegt. Würde sie höhere Abonnementpreise akzeptieren? Ist ihnen eine bernische Sicht auf Ereignisse in Wirtschaft, Aus- und Inland wichtig? Wäre ihnen die Variante «Tages-Bund» oder die Fusion mit der BZ lieber? Würden sie die NZZ abonnieren, wenn es den «Bund» nicht mehr gäbe, die BZ – oder gar keine Tageszeitung mehr?Umfrage unter ZeitdruckDas Komitee steht wegen des nahenden Entscheids von Tamedia unter Zeitdruck und will die Umfrage daher am 13. April abschliessen und die Resultate Ende April vorstellen. Man wisse, dass unter der älteren «Bund»-Leserschaft nicht alle Zugriff aufs Internet hätten, hiess es gestern an einer Medienkonferenz. Dennoch bitte man diese darum, den Bogen möglichst mithilfe der Kinder oder Enkel am Bildschirm auszufüllen, «sonst brauchen wir Wochen, um die Daten einzutöggeln», sagte Balsiger. Die Umfrage sei mithilfe von Marktforschungsfachleuten erarbeitet worden. So beziehe man «die Basisbewegung von 13000 Personen ein».Sänger als AushängeschildEinen prominenten Berner hat das Komitee als Aushängeschild gewonnen: Kuno Lauener, Sänger von Züri West. Auf einem Plakat, das ab sofort auf Berner Plakatwänden zu sehen ist, sagt der Rockstar, Komitee-Erstunterzeichner und Leser: «Der ,Bund‘ gehört zum Besten, was Züri West zu bieten hat.» An der Medienkonferenz war er nicht anwesend, da er, wie das Komitee ausführte, lieber im Stillen wirke.Bescheiden gaben sich auch die anderen Komiteemitglieder: Er sei nur ein «Schmalspurpolitiker», sagte Christoph Stalder, früherer Stadtrats- und Grossratspräsident (fdp). Mitstreiter Andreas Lüthi, Mitglied der Rega-Geschäftsleitung, sagte, er sei nicht einmal das, sondern vertrete «den einfachen Leser».Das Komitee, dem Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur angehören, will sich verbindlichere Strukturen geben. So soll nächstens ein Verein gegründet werden, dem Einzelpersonen, aber auch Gemeinden angehören könnten. Später werde unter Umständen eine Genossenschaft, eine AG oder eine Stiftung dazukommen, dies dann, wenn es gelänge, den «Bund» aus der Tamedia herauszulösen und eigenständig herauszugeben. Allerdings fiele dann der Inseratepool weg, mit dessen erhöhten Werbeerlösen das Berner Modell BZ/«Bund» bis heute finanziert wird. Die Auswertung der Umfrage soll zeigen, ob das «Bund»-Publikum womöglich mit einer Wochenzeitung zufrieden wäre. Würde es tiefer in die Tasche greifen, verringerte sich die Abhängigkeit von Inserenten, so das Komitee.«Wir sind nicht blauäugig»Ob im Hintergrund potente Investoren bereitstünden, wollte Stalder nicht konkret sagen. «Gerade bernische Geldgeber scheuen die Öffentlichkeit», gab er zu bedenken. Lüthi räumte ein, dass ein Businessplan «erst in Ansätzen» existiere. «Wir sind keine Verleger, aber wir wollen die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen.» Stalder verwahrte sich gegen den Eindruck, die Pläne seien wenig konkret. «Wir sind nicht blauäugig», betonte er mehrfach. Vertreter des Komitees hätten sich mit Tamedia zu einem guten Gespräch getroffen und seien ernst genommen worden. Er sagte, das Komitee sei an einer Kooperation mit Tamedia beim Finden einer dritten Variante durchaus interessiert, schränkte aber sogleich ein: «Natürlich werden sie uns nicht mehr Geschäftszahlen bekannt geben als ihren Aktionären.» Kein Sterben wie bei «Tagwacht»Den Vergleich mit dem langsamen Tod der linken Berner «Tagwacht», die nach einer Ehrenrunde als Wochenblatt einging, liess das Komitee nicht gelten: Der «Bund» sei viel breiter abgestützt als das ursprüngliche SP-Parteiblatt.«Wenigstens versucht»Roland Jeanneret, Vizepräsident des Journalistenverbandes Impressum Bern, brachte das Szenario einer NZZ mit Berner Lokalteil ins Spiel, von dem in der Branche gesprochen werde. «Das Huhn gackert erst, wenn es das Ei gelegt hat», erwiderte Balsiger vielsagend. Und er fügte hinzu: «Wir wollen kämpfen, und wenn es nicht gelingt, so haben wir es wenigstens versucht.»Stalder betonte, dass das Komitee nicht gegen die BZ gerichtet sei, sondern sich für Pressevielfalt einsetze. «A vibrant democracy requires newspapers», zitierte er aus einem Artikel in der «International Herald Tribune» vom Sonntag, der die desolate Lage der Zeitungen in den USA beleuchtet. Kontrolle der Demokratie durch Medien brauche es auch in Bern, sagte Stalder.

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