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Kommentar: Bürgerliche unter Zugzwang

Wer will ihm den Rücktritt verübeln? Christian Müller wird heuer 64 Jahre alt, das Ende seiner Präsidialzeit und der Eintritt ins Rentenalter passen zeitlich perfekt zusammen. Er hat die Gemeinde Wohlen acht Jahre geführt, in seiner Amtszeit wurden wichtige Erfolge erzielt: Die Zentralisierung und der Neubau der Gemeindeverwaltung, die Stabilisierung der Finanzen sowie die Realisierung zahlreicher Bau- und Sanierungsprojekte (unter anderen Dorfplatz und Jugendhaus) sind ein paar Beispiele. Dem steht das Volks-Nein zu einem neuen Hochhaus in Hinterkappelen gegenüber, bei den Geschäften «Neuer Uferweg am Wohlensee» und «Schliessung Wohlei-Beiz» machten er und sein Gemeinderat zudem nicht die glücklichste Figur. Dennoch: Müller muss niemandem mehr etwas beweisen, er hat seinen Dienst an der Gemeinde geleistet, sein Amt mit Herzblut ausgeführt.Der Kampf um das Wohlener Gemeindepräsidium ist aber nicht erst mit Müllers gestrigem Entscheid, sondern bereits mit der Nominierung Cristina Camponovos (sp plus) Ende Januar lanciert worden. Nach Müllers Rückzug ist die SP plus im Hinblick auf die Wahlen vom 29. November im Vorteil: Erstens haben die bürgerlichen Parteien FDP, SVP und BDP darauf gehofft – wenn nicht gar spekuliert –, dass Müller nochmals antritt. Nun haben die Bürgerlichen ihr unbestrittenes Zugpferd verloren, das zu ersetzen ein schwieriges Unterfangen wird. Zweitens stehen die Bürgerlichen bei der Suche nach Alternativen noch fast am Anfang. Zwar werden ein paar Namen gehandelt, doch damit jemand für ein vollamtliches Gemeindepräsidium kandidiert, müssen viele Faktoren stimmen. Die Aufgabe des bisherigen Berufs, das Risiko einer Nicht- oder Abwahl sowie je nach Alter die Unsicherheiten bezüglich der Zeit nach dem Präsidium sind ein paar Beispiele. Drittens präsentiert die SP plus mit Camponovo eine Kandidatin, die auch für Leute aus dem bürgerlichen Spektrum wählbar scheint. Nicht zuletzt wegen Camponovos Vater, der Gründungsmitglied der FDP Wohlen war.Klar ist: Die bürgerlichen Parteien haben nur dann eine Chance, wenn sie sich zusammentun, sich gemeinsam auf eine Kandidatur einigen und diese geschlossen und mit Nachdruck unterstützen. Gelingt ihnen das nicht, ist Cristina Camponovo so gut wie gewählt.

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