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«Grossen Teil der Welt gesehen»

«1969 wurde ich angefragt, ob ich zum ,Bund‘ kommen wolle. Damals gehörte der ,Bund‘ noch der Verlegerfamilie Stuber. Während der vergangenen vierzig Jahre blieb ich von keiner technischen Erneuerung und Umstellung im Bereich Druckerei und bei der Herausgabe einer Tageszeitung verschont. Ich habe Buchbinder gelernt, aber ich übernahm nach einigen Jahren andere Aufgaben. Ich war zum Beispiel Papierlagerverwalter, später betreute ich das Archiv für die Redaktion. Da gab es eine heikle Aufgabe: Ich musste die alten Bände mit den lückenlos gesammelten ,Bund‘-Ausgaben reparieren und neu binden. Dann übernahm ich die Verantwortung für die interne Post und den Kurierdienst. Die Besitzverhältnisse wechselten mehrmals: von Ringier zur NZZ, dann Espace Media und jetzt Tamedia. Immer wieder gab es Umstrukturierungen und Personalreduktionen.»«Für das Verteilen der Post muss ich früh aufstehen. Arbeitsbeginn ist um 6.30 Uhr, Mittagspause bereits um 11 Uhr. Ich musste mich daran erst gewöhnen, ich bin nicht unbedingt ein Frühaufsteher. Darum freue ich mich auch darauf, dass ich in Zukunft länger schlafen kann. Ich habe mir für die Zeit nach der Pensionierung ein SBB-Generalabo gekauft, damit ich in der Schweiz herumreisen kann. Im Oktober werde ich Ferien im Tessin machen. Ich habe dann auch mehr Zeit fürs Lesen. Ich lese gerne zeitgenössische Literatur, Bücher, die im Gespräch sind. Ich habe mir das neue Buch von Peter Stamm ,Sieben Jahre‘ gekauft, ich gehe auch an die Lesung am 19. Oktober im Stauffacher. Ich gehe gerne an Lesungen. Ich habe schon Autoren wie Günter Grass, Elias Canetti oder Imre Kertész zugehört. Schon als Kind habe ich viel gelesen. Dass ich als Beruf Buchbinder gewählt habe, hat auch damit zu tun.»«Ich habe immer wieder längere Reisen unternommen. Beim ,Bund‘ habe ich im Winter oft zehn oder elf Wochen unbezahlte Ferien bezogen und habe andere Kontinente bereist. Ich habe einen grossen Teil der Welt gesehen, Mittel- und Südamerika, Afrika, Asien, die Südsee. Nur in Australien war ich noch nie. Ich war immer alleine unterwegs und ging in warme Länder. Wer möchte denn schon im Winter nach Grönland oder nach Alaska reisen? Ich war sogar in Papua-Neuguinea und habe dort zusammen mit einem Einheimischen die Kopfjäger besucht. Sie haben mir ihre Skelette und Schrumpfköpfe gezeigt. Auf meinen Reisen habe ich auch viel fotografiert. Bilder von einer wackligen Rattanhängebrücke in Irian Jaya wurden im ,Kleinen Bund‘ abgedruckt. Die Fotos habe ich nicht in einem Archiv abgelegt, aber ich wüsste, in welcher Schachtel ich suchen müsste.»Gespräch: Simon Wälti>

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