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Gemeindepräsident Müller tritt zurück

Lange hat er überlegt, nun ist sein Entscheid gefallen: Christian Müller (parteilos) strebt keine dritte Legislaturperiode als Gemeindepräsident von Wohlen an. Weil Müller ein Bürgerlicher ist, müssen FDP, SVP und BDP nun auf Kandidatensuche. Die SP sieht ihre Strategie bestätigt.

Christian Müller neben einer Skulptur hinter dem neuen Wohlener Gemeindehaus – sein Weg führt fort von der Politik. (zvg)
Christian Müller neben einer Skulptur hinter dem neuen Wohlener Gemeindehaus – sein Weg führt fort von der Politik. (zvg)

«In meinem jugendlichen Alter kann ich noch viel mit meiner Frau unternehmen», sagt Christian Müller, der heuer 64 Jahre alt wird. Gestern hat der Gemeindepräsident von Wohlen mitgeteilt, dass er am 29. November nicht mehr zu den Wahlen antritt. Müller wird Ende Jahr auf 8 Jahre als Gemeindepräsident und total 16 Jahre Exekutivtätigkeit zurückblicken können. «Ich fühle mich zwar frisch. Aber nächstes Jahr werde ich 65 Jahre alt, und da habe ich mich gefragt: Will ich das wirklich weitere vier Jahre machen?» So habe er sich entschieden, zurückzutreten und sich vermehrt seiner Familie und seinen Hobbys zu widmen. Er sei auch verschiedentlich gefragt worden, ob er nicht wenigstens noch zwei Jahre weitermachen wolle. «Aber das war für mich kein Thema. Ich mache es ganz oder gar nicht.»Den Bürgerlichen mehr Zeit gebenMüller nahm sich viel Zeit für seinen Entscheid. Gefällt hat er ihn aber dennoch früher als erwartet, eigentlich wollte er erst vor den Sommerferien Ja oder Nein sagen. Aber: «Die bürgerlichen Parteien haben sich alle auf mich verlassen, das habe ich gut gespürt. Nun haben sie mehr Zeit, um eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu suchen.» Müller ist zwar parteilos, politisch ist er aber dem bürgerlichen Spektrum zuzuordnen. Bei seinen Kandidaturen trat er stets auf der Liste der SVP an. Da die SP plus bereits im Januar Gemeinderätin Cristina Camponovo nominiert hat, müssen sich die Bürgerlichen nun auf Kandidatensuche begeben.Kampfansage der SVPDie SVP machte gestern klar, dass sie trotz Müllers Rückzug nicht gewillt ist, das Feld der SP plus zu überlassen. «Das Gemeindepräsidium muss in bürgerlicher Hand bleiben», schreibt die SVP in einem Communiqué. Parteipräsident Christof Scheurer erklärt auf Anfrage, die SVP strebe einen Schulterschluss mit den anderen bürgerlichen Parteien FDP und BDP an. Die SVP könne zum jetzigen Zeitpunkt niemanden ins Rennen schicken. «Wir wollten zuerst Müllers Entscheid abwarten», sagt Scheurer. Die SVP schielt vor allem auf die FDP. «In Wohlen gibt es eine Tradition, dass sich FDP und SVP mit dem Gemeindepräsidium abwechseln. Müller war quasi unser Kandidat, nun ist turnusgemäss die FDP an der Reihe», sagt Scheurer. Die FDP gibt sich noch bedeckt. Man könne sich «vorstellen, mit anderen Parteien zusammenzuarbeiten», sagt Barbara Bircher, Vorstandsmitglied und Kommunikationsbeauftragte. Wie die SVP hat auch die FDP zuerst den Entscheid Müllers abgewartet. Nun werde man «Umschau» halten, sagt Bircher. Mögliche Namen könne sie aber noch nicht nennen.Die neu gegründete BDP Wohlensee Nord lässt dagegen keine Zweifel offen: «Die bürgerliche Parteien müssen sich zusammentun», sagt Parteipräsidentin Anita Herrmann. Sie sei vom Rücktritt Müllers überrascht, die Chancen der Bürgerlichen auf das Gemeindepräsidium seien aber dennoch intakt: «Es gibt gute Leute in unserer Gemeinde», sagt Herrmann. Die BDP werde einen gemeinsamen bürgerlichen Kandidaten unterstützen.SP plus: «So ist es einfacher»Die SP plus nimmt den Entscheid Müllers nicht unerfreut zur Kenntnis. SP-Präsident Fred Scholl gibt offen zu: «Es ist einfacher, für das Gemeindepräsidium zu kandidieren, wenn der Bisherige nicht mehr antritt.» Die SP plus hat Camponovo am 27. Januar ins Rennen geschickt. Die bald 50-Jährige ist in der Gemeinde Wohlen aufgewachsen und stark verwurzelt. Die Juso und wahrscheinlich auch die Grünen unterstützen Camponovo. Hat die frühe Nominierung der SP Müllers Entscheid beeinflusst? «Ich kann es nicht beurteilen», antwortet Scholl, «aber zumindest war es unsere Strategie.» Müller selber sagt, die Gegenkandidatur habe seinen Entscheid nicht beeinflusst.Obwohl die Bürgerlichen noch weit von einer Nominierung entfernt sind, hütet sich Scholl zu sagen, die SP plus habe nun die Nase vorn. «In den letzten Wahlen haben wir von der SP plus die absolute Mehrheit knapp verpasst. Das bedeutet, wir brauchen noch andere Wählerstimmen», sagt Scholl. Ziel sei deshalb, Camponovo so zu positionieren, dass sie auch für Leute aus dem bürgerlichen Spektrum wählbar sei. Scholl ist zuversichtlich: «Wir haben von bürgerlicher Seite positive Feedbacks auf die Kandidatur Camponovo erhalten.»

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