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Für (erfolgs)hungrige YB-Fans

Wenn die Berner Young Boys einen Ernstkampf bestreiten, laufen die Geschäfte besser im Restaurant Tramway.

Diese These bestätigt der Pächter und Koch Martin Spycher: «Hat YB ein Sonntagnachmittagsspiel, ist die Bude abends voll.» Zur Stammkundschaft der Beiz am Breitenrainplatz gehört neben Quartierbewohnern und knorrigen Mannsbildern auch manch ein YB-Anhänger. Folglich war es keine Überraschung, dass nach dem Europa-League-Spiel vom Donnerstag der eine oder andere Stadionbesucher den Weg ins Tramway fand. Dies obwohl die Young Boys ihrem (sympathischen?) Verliererimage abermals gerecht wurden. Da stellt sich die Frage: Leidet das Geschäft unter schlechten fussballerischen Leistungen des Berner Stadtklubs? Nein, sagt der Wirt. «Im Gegenteil!» Verliere YB, könne er deutlich mehr Alkohol absetzen.

Nach der Enttäuschung im Wankdorf bestellen auch wir zwei grosse Weisse und je ein Schnitzel: einmal nach Wiener Art, also mit Kalbfleisch, und einmal Schweinsschnitzel. In diesen steckt je ein kleines Schweizer Fähnchen, wie man sie vom 1. August her kennt. Urchige Schweizer Kost ist es, die der Wirt den Gästen seit beinahe zwanzig Jahren auftischt, fernab jeglichen kulinarischen Schnickschnacks und kalorienarmen Lifestylefoods – und dies mit Erfolg: «Es läuft seit eh und je gleich gut», sagt Spycher, der wohl einzige Wirt mit einheimischer Küche im Breitenrain.

Auf den Tellern bleibt neben den panierten Fleischstücken lediglich noch Platz für zwei, drei Salatblätter und eine halbe Tomate. Den guten Esser freuts. Für die Pommes Frites muss ein eigener Teller gereicht werden.

«Und? Welches der beiden Schnitzel ist feiner?», will die Serviererin wissen. Die «Aufgetischt»-Redaktion – flankiert von einem ehemaligen «Bund»-Fotografen – entscheidet sich gegen die billigere (Fr. 20.80) und folglich für die teurere Variante: das Kalbsschnitzel (Fr. 27.80). Die Bedienung pflichtet bei: «Schwein ist Schwein – Kalb ist Kalb!» Ohnehin zeigen sich die Frauen im Service für jede Situation und Frage gewappnet. Das kann bei der zum Teil äusserst trinkfesten Kundschaft nicht schaden. Ein Intellektuellen-Café ist das Tramway nicht. Dass hier einst das Physiker-Genie Albert Einstein verkehrte, mag so gar nicht zu den jetzigen Gästen passen. Doch Einstein suchte auch nicht die Beiz auf, sondern einen Freund, der im selben Haus wohnte. Auch wenn er in der Beiz theoretisch hätte einkehren können, existiert sie doch schon seit vorletztem Jahrhundert: 1891 wurde das Restaurant gegründet, bereits damals unter dem Namen Tramway.

Die robusten Frauen im Service sind nicht auf den Mund gefallen. Als die drei am Nebentisch «zwei Bier und einen Rosé!» bestellen, fragt die eine lakonisch zurück: «Darf ich alles in einem Glas bringen?» Oder die Standardfrage beim Abräumen: «Hats geschmeckt?» Sie ist der Bedienung im Tramway zu unoriginell. Da wird gefragt: «Und? Können wir den Koch behalten?»

«Können Sie!» Die Pommes Frites kommen knusprig aus der Fritteuse, die Schnitzel sind alles andere als trocken, der Preis stimmt und last but not least: Hungrig geht im Tramway niemand vom Tisch. Das imposante Cordon Bleu zu verschlingen grenzt gar an eine esserische Grossleistung – selbst für einen (erfolgs)hungrigen YB-Anhänger.

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