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Dritte Generation übernimmt

Im Jubiläumsjahr hat bei der

Der Generationenwechsel wurde diese Woche in feierlichem Rahmen in einem Altstadtrestaurant vollzogen. Im Beisein der über 100-köpfigen Belegschaft überreichte das Ehepaar Noyer ihren längst erwachsenen Kindern Anne Laurence, Mathieu und Alain Noyer das Zepter. Für Jean Maurice Noyer ein emotionaler Moment, obwohl die Geschäftsübergabe von langer Hand vorbereitet war. Er sei immer noch daran, sich an seine neue Rolle zu gewöhnen, sagt der langjährige Patron. Über vierzig Jahre lang war er der Chef der Apotheke Dr. Noyer, die ursprünglich am Bollwerk lokalisiert war. Der junge Apotheker setzte das Werk seines Vaters fort, der das erste Zentrum für Komplementärmedizin in Bern gegründet hatte. Er erweiterte das Angebot, verkaufte Präparate der anthroposophischen Medizin, der Phytotherapie, der Spagyrik, der Schüssler-Salze und der englischen Bachblüten. Berufskollegen belächelten ihn anfangs und rieten ihm, die Finger von der Homöopathie zu lassen. Der geschäftstüchtige Noyer liess sich jedoch nicht beirren und wurde für seinen Pioniergeist belohnt. «Die Bachblüten-Tropfen, homöopathische Kügeli und Ampullen haben uns schweizweit bekannt gemacht», erzählt er. Entsprechend gute Umsätze machte man im Laden am Bollwerk, der 1974 wegen Platzmangels aufgegeben wurde. Der neue Geschäftssitz lag mitten im Zentrum, an der Marktgasse 65. Von dort operiert die Apotheke Dr. Noyer bis zum heutigen Tag. Aus dem Kleinbetrieb ist längst ein mittelständisches KMU geworden mit vier weiteren Apotheken im Zentrum von Bern, einer Filiale in Biel und einem Labor zur Herstellung chinesischer Rezepturen. Noyer hat in all den Jahren auch stark diversifiziert. Die Angebotspalette reicht von Ernährungsberatung über Therapien wie Kinesiologie, Akupunktur- und Ayurveda-Massage, chinesische Medizin, homöopathische Tiermedizin bis zu einer Abteilung für Sportmedizin. Der erfolgreiche Tanz auf verschiedensten Hochzeiten hat Neider auf den Plan gerufen. Noyer habe seine Ideale verraten und biete heute alles an, was Geld in die Kasse schwemme, monieren Mitbewerber hinter vorgehaltener Hand. Der Bauchmensch NoyerDen 78-Jährigen schmerzen solche Bemerkungen. Ihm sei immer die Kundenberatung «das wichtigste Gut» gewesen und nicht der schnöde Mammon. Die Geschäftsübernahmen seien «immer intuitive Entscheide» gewesen. Er habe sich jeweils gesagt: «Es ist besser, du übernimmst den Laden selber , statt ihn einem Discounter oder einer Grosskette zu überlassen.» Anne Laurence Noyer sagt, ihr Vater habe immer ein unglaublich gutes Näschen gehabt; Entscheide habe er meistens rasch und aus dem Bauch heraus gefällt. «Er verwendete wenig Zeit für unternehmerische Strategien», bestätigt ihr Bruder Mathieu. «Den guten Ruf verteidigen» Anne Laurence und Mathieu repräsentieren zusammen mit ihrem Bruder Alain die dritte Generation der Apotheker-Dynastie Noyer. Sie wollen das Erbe ihrer Eltern mit Bedacht verwalten. «Unser oberstes Ziel ist es, den guten Ruf von Noyer zu verteidigen», sagt die 34-jährige Anne Laurence. Obwohl der Konkurrenzkampf immer härter werde, dürfe man nicht den Fehler machen, den Discountern nachzueifern, beim Preisdumping bedenkenlos mitzumachen und dem Umsatzgedanken alles zu unterwerfen. «Die Kundschaft muss das Gefühl haben, sie werde gut und kompetent beraten.»Expansion ins Ausland geplantEin wichtiges Standbein ist das Labor für die Zubereitung chinesischer Rezepturen im Untergeschoss des Hauptgeschäftes geworden. Dort wurden im letzten Jahr 42000 rezeptpflichtige Präparate der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hergestellt und an die Apotheken versandt, die Noyer an sich gebunden hat. Das TCM-Labor hat Alain Noyer aufgebaut, der im Gegensatz zu seinen Geschwistern kein Apothekerstudium gemacht hat. Der gelernte Kaufmann hegt Expansionspläne: Da TCM-Produkte sehr gefragt sind, will er nun in Deutschland, Frankreich, Belgien und Portugal Fuss fassen. Seine Pläne sind am Familientisch gutgeheissen worden. «Mein Bruder ist nicht weniger geschäftstüchtig als mein Vater», sagt Anne Laurence Noyer. Senior Noyer fügt schmunzelnd bei, er gebe sich alle Mühe, «den Jungen nicht mehr dreinzureden». Aus dem Apothekerleben zurückziehen werden weder er noch seine Frau sich. «Solange ich körperlich und geistig ,zwäg‘ bin, werde ich weiterhin im Laden stehen.»

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