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Der Stammgast

Markus Steiger behagt das familiäre Ambiente im Entsorgungshof am Egelsee. Mindestens einmal die Woche bringt er mit dem Roller den Hausabfall vorbei und hält mit den Hofwarten einen Schwatz – oder mit deren Ehefrauen.

Der kleine Entsorgungshof am Egelsee zieht alle Gesellschaftsschichten an. Die Hausfrau von nebenan mit der weissen Küchenschürze, die einen Bund Zeitungen vorbeibringt. Den Geschäftsmann aus Muri, der in den Ferien den Keller entrümpelt. Die Botschaftsangestellte aus dem Kirchenfeld, welche mehrere Harassen mit leer getrunkenen Weinflaschen entsorgen muss. Den Maurer, der sich von seiner ersten Stereoanlage und über 20-jährigen Videos trennt. Die Psychiaterin, die die geschnittenen Zweige aus ihrem Garten loswerden will.Der Treffpunkt am See«Es ist wie in der Migros um die Ecke», sagt Markus Steiger, 44, wohnhaft im Berner Burgfeldquartier. Steiger ist Stammgast im Entsorgungshof. Mindestens einmal in der Woche fährt er mit dem Roller vor und lädt Wegwerfartikel ab, die in jedem Durchschnittshaushalt anfallen: Milchbeutel, Konservenbüchsen, Flaschen, Batterien und Zeitungen. Wieso stellt er den Abfall nicht auf die Strasse hinunter, wie dies der Normalbürger tut? «Mir sind der Ort und die Leute, die hier arbeiten, sehr sympathisch», sagt Steiger. Die Hofwarte seien alles «aufgestellte und hilfsbereite Burschen ohne Berührungsängste». Steiger hat den Hof am Egelsee entdeckt, als er vor zwei Jahren von Ostermundigen ins Burgfeld zog. Immer öfter habe es ihn hierher gezogen, erzählt der gross gewachsene Mann. «Es ist für mich ein Treffpunkt geworden.» Das Fotoalbum der HochzeitKaum hat Steiger diese Worte ausgesprochen und sich auf der Holzbank vor dem Mehrzweckgebäude mit Zahlstelle, Essraum, Garderobe und Toiletten niedergelassen, eilt eine Frau auf ihn zu. «Hallo Markus, wie geht es dir?», ruft sie freudestrahlend. Flink zieht sie einen Fotoband aus der Plastiktasche heraus. «Schau, die Bilder unserer Hochzeit.» Hofwart Martin Schönenberger klärt auf: «Das ist meine Frau Vanda, sie kommt mich manchmal abholen am Abend.» Martin und Vanda Schönenberger, geborene Detomaso, haben am 26. Juni im Schloss Bümpliz geheiratet. «Wunderschön» sei das Fest gewesen, schwärmt Vanda. Kennengelernt hat sie Martin vor fünf Jahren im «Tscharni», wo sie aufgewachsen ist. «Meine und seine Eltern wohnen nebeneinander.» Liebe auf den ersten Blick? Nein, das sei es nicht gewesen, antwortet die Seconda. Sie habe den ersten Schritt gemacht und ihn zu einem Drink in einem Restaurant in Bern West eingeladen. Seit zwei Jahren leben Martin und Vanda Schönenberger in Niederscherli. Jetzt hätten sie den nächsten Schritt vollzogen, sagt Vanda. Martin, der neben ihr steht, blickt auf die Uhr. In fünf Minuten hat er Feierabend.

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