Zum Hauptinhalt springen

Das Glas des Anstosses

In Münchenbuchsee wurde

Schnitzelbänke sollen nicht nur lustig sein, sondern auch ein Körnchen Wahrheit enthalten. In Münchenbuchsee, wo die Fasnacht am Freitag unter dem Motto «Albtröim» beginnt, hat eine Schnitzelbank über den «Albtraum Glassammelstelle» nicht Erheiterung ausgelöst, sondern Ärger. «Ob brun, wiss oder grüen, das spielt ä ke Rolle, du chasch das Glas nöd eifach irgendwo ineknalle», wurde in der Fasnachtszeitung gedichtet. Dann kam der «Värslischmied» zum springenden Punkt: «Sind denn die Container volleglade, chunnt dä Schwendimann mit em grosse Wage, leert die Container, zum Zueluge enorm imposant, denn jetzt spielt d Farb kei Rolle meh, jetzt chunnt alls wieder durenand!!!» Die im Ort ansässige Entsorgungsfirma Schwendimann wollte dieses Scherbengericht nicht ohne Antwort über sich ergehen lassen, war sie sich doch keines Fehlers bewusst. «Mit grosser Enttäuschung hat unser Team die Fasnachtszeitung nach Hause gebracht», schreibt die Firma Schwendimann in einer Medienmitteilung. Betupft, ja fast erzürnt seien seine Mitarbeiter gewesen, sagt Matthias Schwendimann. «Bei uns geht nicht alles in den gleichen Kübel.» Es stimme nicht, dass Schwendimann die Glassorten und Altglasflaschen wieder vermische. «Mit dieser Unwahrheit wird unsere jahrelange Informations- und Aufklärungspolitik betreffend Separatsammlung von Altglas zunichtegemacht», heisst es in der Mitteilung.Schwendimann entsorgt nicht nur fachgerecht, in den Reihen der Firma finden sich auch Personen, die des Reimens ebenso mächtig sind wie nur irgendein Fasnächtler. Der Schnitzelbankverfasser wird etwas despektierlich als «Värsli-Brünzler» tituliert. «Er sieht, o Graus, es ist zu klagen, es landet alles im selben Wagen! Für d Schnitzelbank fiel da der Groschen – er hat sich schauderhaft getoschen.» Denn der Lastwagen von Schwendimann (siehe Bild) ist nicht so einfach gestrickt, er kann sehr wohl unterscheiden zwischen grünem, braunem und weissem Glas. «Der Wagen nämlich hat vier Kammern; drei um Glas getrennt zu sammeln . . .» Was aber ist mit der vierten Kammer? So viel sei schon verraten, darin wird nicht etwa das blaue Glas entsorgt (dieses soll beim Grünglas eingeworfen werden). «. . . in der vierten wir entsorgen, Büchsen heute, Fasnächtler morgen!»Der kleine Streit ist bereits beigelegt, wie Matthias Schwendimann erklärt. Die Verse, die von seinem Vater stammten und die im Fasnachtskomitee für einige Unruhe sorgten, wurden in eine neue Form gegossen, die auf den «Schlämperlig» verzichtet. «Wir werden die neue Fassung auch morgen im ,Fraubrunner Anzeiger‘ erscheinen lassen», sagt Schwendimann. Den Schnitzelbank verfasst hat Heidi Kolb, die Vizepräsidentin des Fasnachtsvereins. Sie zeigt sich reumütig. Sie hatte die Containerleerung vor anderthalb Jahren einmal beobachtet und in der Erinnerung geglaubt, dass die Flaschen im selben Container gelandet seien. Kolb lobt Schwendimann: «Ich finde es hammermässig, wie die Firma reagiert hat.» Sie sei froh, dass man deswegen nicht das Kriegsbeil ausgegraben habe. Beim vielseitigen Gefährt, das alle Flaschen getrennt entsorgt, handelt es sich um einen Mercedes-Sattelschlepper, der seit zwei Jahren im Einsatz steht. «Wir sammeln damit Glas von Radelfingen bis Thun ein», so Schwendimann. Das Glassammeln hat auch eine finanzielle Komponente: Wenn das Glas getrennt entsorgt wird, erhält die Gemeinde rund 40 Franken mehr pro Tonne als Vergütung. In Münchenbuchsee werden pro Jahr 400 Tonnen gesammelt, das macht also unter dem Strich einen Unterschied von 16000 Franken. In Buchsi steht die Fasnacht vor der Tür. Er sei kein grosser Fasnächtler, sagt Matthias Schwendimann. Erst am Schluss kommt er zum Zug – beim Putzen und Aufräumen. Simon Wältiwww.buchsi-fasnacht.ch>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch