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«Breiter Nutzermix» statt Künstlerprojekt

Das Projekt «Doppelpunkt» garantiere eine professionelle Renovation des denkmalgeschützten Progr, sagt das Komitee «Pro Doppelpunkt». Im Unterschied zum Künstlerprojekt seien die Investoren bekannt, für die Steuerzahler bestehe kein finanzielles Risiko.

Die Architekten und Investoren des Projekts «Doppelpunkt» können es nach wie vor kaum fassen: Mit den Plänen für ein Gesundheits-, Bildungs- und Kulturzentrum haben sie einen von der Stadt Bern ausgeschriebenen Wettbewerb gewonnen. Wenige Monate vor dem Abstimmungstermin erklären aber die provisorisch einquartierten Progr-Künstler, sie möchten die Liegenschaft im Baurecht erwerben und sanieren. Der Stadtrat beschliesst daraufhin mit knapper Mehrheit, ein Angebot der Künstler-Initiative nachträglich zu prüfen. Um die Unangemessenheit dieses Vorgehens zu illustrieren, griff Lorenz Furrer, Sekretär des Komitees «Pro Doppelpunkt», zu einem Vergleich aus der Sportwelt: «Stellen Sie sich vor, Sie gewinnen mit einer Mannschaft ein Eishockey-Turnier», sagte er an der gestrigen Medienkonferenz. Monate danach werde der Sieg für ungültig erklärt. «Das Organisationskomitee gibt bekannt, dass nochmals gespielt werden müsse. Das Spiel heisse nun aber Rugby.»Drohendes Veto der JustizMit «Rugby» spielte Furrer auf den Umstand an, dass die Stadtberner Stimmenden am 17. Mai nicht nur über das Siegerprojekt des Investorenwettbewerbs abstimmen, sondern auch über das Künstler-Projekt. Bei dieser «Rugby-Partie» geht es also nicht mehr um architektonische Finessen, Ausnutzungsziffern und Finanzierungsnachweise wie bei einem Wettbewerb, sondern um den knalligsten Auftritt im Abstimmungskampf. Dabei ist noch gar nicht klar, ob die Progr-Abstimmung vom 17. Mai überhaupt gültig sein wird. Heisst das Verwaltungsgericht das SVP-Rechtsbegehren gegen den Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegen die Variantenabstimmung gut, werden die Stimmen nicht ausgezählt. Eine allfällige ungültige Abstimmung ist für das Komitee «Pro Doppelpunkt» aber kein Grund, die Hände in den Schoss zu legen: «Die öffentliche Debatte ist im Gang. Wir möchten auch wahrgenommen werden», sagte Furrer. Stadträte als «Hobby-Planer»Wie im Rugby wird nun auch im Abstimmungskampf mit harten Bandagen gekämpft. Die neue FDP-Präsidentin Dolores Dana kritisierte den «unsäglichen, folgenschweren» Stadtratsentscheid, das Angebot der Künstler nachträglich zu prüfen. Dabei habe es sich um einen «Bauchentscheid» gehandelt, der wohl aus wahltaktischen Gründen gefällt worden sei. «Wettbewerbe werden zur Farce, wenn sich der Stadtrat als Hobbyplanungsgremium aufspielen kann», sagte Dana.Projektleiter Marco Ryter vom Architekturbüro Bauart wies darauf hin, dass Wettbewerbe ein «wichtiges Kulturgut» seien, das Qualität garantiere. Er hob den «breiten Nutzermix aus Kultur, Bildung und Gesundheit» hervor. «Aula, Turnhalle und Hof sollen eine Plattform für die Kunst bleiben», sagte Ryter. Zusätzlich brauche es aber auch eine wirtschaftliche Nutzung des Gebäudes. «Es gibt andere zentrale Standorte für ein Kunstzentrum, so zum Beispiel die frei werdende Feuerwehrkaserne im Breitenrain», sagte Ryter. «Progr ist kein Renditeobjekt»Der Progr werde nie zum «Renditeobjekt», sagte Stefan Creus, Leiter der Berner Niederlassung der Investorin Allreal. Mit den 25 Millionen Franken, welche die Allreal investiere, könne das Gebäude professionell renoviert und langfristig öffentlich genutzt werden. In der Betriebsrechnung der Künstler-Initiative Progr wird gemäss Komitee-Unterlagen rund ein Drittel der Mittel aus oft anonymen Quellen für den Baurechtszins verwendet. «Der Rest reicht nie für den vollen Betrieb.» Es sei damit zu rechnen, dass am Ende die Steuerzahler aufkommen müssten. Die Allreal wiederum könnte den Progr zwar verkaufen – das sei aber nicht entscheidend, da der Nutzungsmix im Baurechtsvertrag verankert sei. Laut Creus haben achtzig Prozent der künftigen Nutzer bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. Auch die Verträge mit den Betreibern der Turnhalle und den Konzertveranstaltern seien unterschriftsreif, sagte Creus.

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