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Bern kurvt auf dem See

Zwanzig Zentimeter Eis machen es möglich: Seit gestern Sonntag macht der Egelsee der Ka-We-De Konkurrenz. Während hier poliertes Eis, Musik und Bistro locken, werden Moossee und Gerzensee nicht zum Schlittschuhlaufen freigegeben.

Auf dem gefrorenen Egelsee trafen sich am Sonntag zahlreiche Schlittschuh-Fans. (Bild: Valérie Chételat)
Auf dem gefrorenen Egelsee trafen sich am Sonntag zahlreiche Schlittschuh-Fans. (Bild: Valérie Chételat)

Knirpse mit Sturzhelmen klammern sich an ihre Hockeystöcke, während sie in wackeligen Schleifen über den See rutschen. Dazwischen drehen Senioren elegante Kurven, hier und dort lässt eine angedeutete Pirouette die einstige Kunstfertigkeit erahnen. Teenagermädchen gleiten Hand in Hand über die Eisfläche und Familienväter schieben ihre Kinder über den See – zur Not samt Kinderwagen. «Es ist eine wunderbare Stimmung», sagt Elia Bossard am Rande der Eisbahn Egelsee. Sie und ihre Söhne Basil und Elias laufen heute zum ersten Mal auf dem Stadtsee Schlittschuh. «Sonst waren wir immer auf dem Schwarzsee.» Der gefriere zwar jedes Jahr, das Eis sei aber sehr uneben. «Der Egelsee hingegen ist so glatt wie die Kunsteisbahn Ka-We-De!»Viel Arbeit für den Quartierleist Solches Lob ist der Lohn für Patrick Sutters Arbeit. Der Eismeister kommt gerade von einem Kontrollgang zurück, in der Hand hält er einen Eisbohrer. «Das Eis ist 20 Zentimeter dick, und zwar nahezu an allen Stellen», sagt er. Damit der Egelsee zum Schlittschuhlaufen freigegeben werden kann, muss das Eis 500 Kilogramm pro Quadratmeter betragen. «Dafür ist neben der Dicke auch die Qualität entscheidend.» Sei diese top, dann reichten unter Umständen bereits elf Zentimeter aus. «Fällt aber Schnee und taut das Eis darunter an, leidet die Qualität.» Da auf den Schneefall an Silvester aber eine Serie bitterkalter Tage gefolgt ist, konnte der Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leist, der die Eisbahn betreut, den See gestern freigeben. Um den Besuchern eine spiegelblanke Bahn zu bieten, bessert Sutter das Eis über Nacht mit Wasser auf – und zwar mit dem Gartenschlauch. Ebenfalls in Handarbeit räumt er den Schnee von der Eisfläche. Vor allem aber prüft er mithilfe von Bohrer und Säge laufend Dicke und Qualität des Eises. Sutter arbeitet ehrenamtlich, wie alle Mitglieder des Quartierleists. Im Beizli am Seeufer bewirtet Romi Sutter die durchgefrorenen Gäste mit heisser Schoggi, Glühwein, Punsch und Suppe. Das Leist-Lokal ist zwar auch ausserhalb der Eisbahnsaison jeden Samstagnachmittag für Mitglieder und vereinzelte Passanten geöffnet. Jetzt aber herrscht Hochbetrieb: Auf den Tischen dampfen die Tassen, Eltern wickeln ihre Kinder aus den dicken Jacken, man wähnt sich – mitten in der Stadt – in einer Skihütte hoch in den Bergen.Eislaufen alle drei Jahre möglichDer Andrang am Eingang wird immer grösser, um halb zwei hat das Personal an der Kasse bereits 300 Leute gezählt. Aus den Lautsprechern schallt nun die Stimme von Robbie Williams, die Bernerinnen und Berner swingen zu Sinatra-Songs übers Eis. Unter ihnen zieht auch Caroline Hug ihre Schleifen. «Wir kommen immer hierher, wenn es offen ist», erzählt die Neunjährige. Auch Helmut Abfalter, der mit seinem Sohn Melvin hergekommen ist, will das Eislaufen auf dem Egelsee keinesfalls verpassen – schliesslich sei die Eisbahn nicht jedes Jahr offen. «Rund alle drei Jahre ist das Eis dick genug», sagt Sutter, dem das Eismeister-Know-how übrigens von seinen Vorgängern im Leist überliefert wurde. Nach 2002 und 2006 ist nun 2009 wieder ein gutes Jahr. «Wir hoffen, dass es nächste Woche kalt bleibt und nicht schneit.» Findet Sutters Wunsch bei Petrus Gehör, können sich die «Schlöfli»-Fans täglich von 13 bis 19 Uhr aufs Glatteis wagen. Und zwar fast gratis: Kinder kurven für einen, Erwachsene für zwei Franken über den gefrorenen See.

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