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Bern hat einen Che Guevara

Stadtrat Rolf Zbinden (pda) lässt nicht locker: Noch im Februar wollte er die Burgergemeinde auflösen und stiess damit beim Gemeinderat auf Granit. «Die Stadt Bern hat ein gutes Verhältnis zur Burgergemeinde. In zahlreichen Fragen sind wir glücklich über ihre Existenz», sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät (sp) im Stadtrat. Zbinden hat diese Aussage weggesteckt und fordert nun per Postulat die Benennung eines Platzes nach Samuel Henzi (1701–1749), einem der «innovativsten und unbestechlichsten Köpfe» der Stadt Bern. Henzi und zwei seiner Mitstreiter wurden vom Ancien Régime am 17. Juli 1749 enthauptet. Sie hatten in einer Denkschrift den Sturz des Patriziats gefordert. Die Forschung ist sich bis heute nicht einig, ob die «Henzi-Verschwörung» eine dilettantisch organisierte Schwärmerei oder ein gescheiterter Umsturzversuch war.Einig waren sich aber jene Rezipienten der Aktion, die Henzi zu einer Art Che Guevara der Berner Geschichte hochstilisierten. Zbinden sieht sich dabei in einer Reihe mit der vorrevolutionären Intelligenz des 18. Jahrhunderts, die vom politischen Leben ausgeschlossen war. Bei dieser Lesart geht vergessen, dass der spätere Revolutionär einst Reisläufer in den Diensten des Herzogs von Modena war und huldigende Verse auf die gekrönten Häupter Frankreichs und Preussens schrieb. Mit dem Henzi-Platz dürfte Zbinden wohl kaum an diese Teile der Biografie des «Berner Che Guevara» erinnern wollen. (bob)

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