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Auf den Spuren der Natur in der Waldarena Gantrisch

Kinder selbst hantieren lassen und sie so der Natur näher bringen, das ist die Losung der Blockkurse der Waldarena Gantrisch. Schliesslich gilt es, in der Konkurrenz mit dem Fernsehen zu bestehen.

«Nun sagt mir, Kinder, wer ist der Waldbewohner, der sich nachts aufmacht, um Hühner zu stehlen?» – «Der Biber!» «Und wer ist das Tierchen mit dem buschigen Schwanz, das die Tannzapfen abnagt?» – «Der Biber!» Sind das nun jene naturentfremdeten Stadtkinder, die nicht mehr wissen, dass die Milch von der Kuh kommt? Nein, die Kinderkehlen gehören den Schülerinnen und Schülern einer Klasse aus Rüeggisberg, die am Blockkurs «Baumeister Nagezahn an der Sense» teilnimmt. Der Protagonist des Kurses, der Biber, hat die Klasse schon nach kurzer Zeit so in den Bann gezogen, dass für sie nun offenbar alle Wald- und Wasserbewohner Ähnlichkeiten mit dem Nager aufweisen.

Wie die Natur funktioniert

Karin Remund, seit Anfang Jahr Präsidentin der 2005 gegründeten «Waldarena Gantrisch», sieht zwar Handlungsbedarf, jedoch keinen Anlass zur Panik: Nicht alle Kinder hätten einen engeren Bezug zum Fernseher als zur Natur. «Obwohl es teilweise bedenklich ist, wie wenig ,Gspüri‘ manche Kinder mitbringen», wie sie sagt. Das äussere sich oft in der Angst vor dem Dreck, mit dem man in der Natur automatisch in Berührung komme – «nur im Fernseher ist alles sauber», sagt Remund. In den Blockkursen, welche die Waldarena anbietet, sieht sie eine gute Möglichkeit zu zeigen, wie die Natur funktioniert. «Wir hoffen, dass sich naturverbundene Kinder zu umweltbewussten Erwachsenen entwickeln», so Remund mit Blick auf die Erst- und Zweitklässler.

Larven und umtriebige Nager

Ein wenig enttäuscht sei sie schon, dass sie noch keinen Biber gesehen habe, sagt ein Mädchen mit Gummistiefeln im Leoparden-Look. Die nachtaktiven Biber verkriechen sich tagsüber in ihren Erdhöhlen. Die Kinder müssen sich also am Senseufer mit der Biberspurensuche begnügen. Ein bis zwei Biberpaare wohnten im oberen Sensebereich, erklärt Kursleiterin Marlis Labudde. Bald stossen die Kinder auf eine Reihe gestutzter Weiden. Späne und einige säuberlich abgetrennte Äste zeugen von den starken Kiefern der Nager. Einige Meter flussaufwärts fischt Remund mit den Rüeggisberger Kindern Insektenlarven aus der Sense. Sie dienten den Fischen als Festschmaus, weist sie die Kinder auf die Nahrungskette im Lebensraum Sense hin. Sie erzählt ihnen zum Beispiel von den Larven der Eintagsfliege, die sich bis zu vier Jahre unter den Steinen verstecken, um nach nur ein bis zwei Tagen Fliegendasein wieder das Zeitliche zu segnen. Das erzeugt Mitgefühl: «Henne fies», kommentiert ein Mädchen die kleine Tragödie.

Die anfänglichen Ekelgebärden, als Kursleiterin Labudde ein Biberfell aus dem Rucksack holt, weichen schon bald einer andächtigen Stille. So können sich die Kinder zum Schluss doch noch ein Bild machen von jenem Hauptdarsteller, der sich nur über seine Spuren verrät.

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