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Antanzen gegen den Rotstift

Eben von der Tournee aus England zurückgekehrt, hat das Tanzensemble des Stadttheaters gestern in der Berner Innenstadt einen Tanz gegen die eigene Abschaffung aufgeführt.

«Wir sind für die Erhaltung des Tanzensembles am Stadttheater!» Einige Hundert Personen haben innert weniger Stunden die Petition zur Rettung des Bern-Balletts unterzeichnet. Um der Bedeutung des Tanzes Nachachtung zu verschaffen, verlegte die zwölfköpfige Truppe das Proben gestern Mittwoch auf eine Freilichtbühne auf dem Waisenhausplatz. Für die Unterschriftensammlung standen Statisten und Freunde im Einsatz. Die Tänzerinnen und Tänzer haben strenge Tage hinter und vor sich: Zweieinhalb Wochen tourten sie durch Grossbritannien; an vier Abenden über Pfingsten traten sie im ausverkauften Linbury Studio des Royal Opera House in London mit dem Stück «Sturmhöhe» auf. Gestern Abend standen das tanzpädagogische Projekt «Superheroes» und eine weitere Vorstellung von «Sturmhöhe» auf dem Programm. Ende Juni soll entschieden werden, ob die Sparte Ballett am Stadttheater gestrichen werden soll.

Tanz auf hohem Niveau

«So weit darf es nicht kommen», sagt Dramaturgin und Managerin Wanda Puvogel. Dies sage sie nicht in erster Linie zur Rettung ihres eigenen Arbeitsplatzes, sondern im Interesse der Stadt Bern, die ein Ensemble von hohem künstlerischem Niveau beschäftige. Die Tanzprofis würden anderswo rasch eine neue Anstellung finden. Bern-Ballett sei mehr als eine herumziehende Zirkustruppe, betont Ballettchefin Cathy Marston. Die jungen Tänzer und Tänzerinnen hätten die Bundesstadt als ihren Arbeits- und Lebensort ausgewählt. «Hier werden sie als eigenständige Künstlerinnen und Künstler wahrgenommen.»

Das Stück «Made in Bern», dem die gestrigen Probeläufe galten, zeugt von der Beweglichkeit und Kreativität des Ensembles: Jede Tänzerin, jeder Tänzer gibt seine eigenen choreografischen Fähigkeiten zum Besten. Am 11. Juni ist Premiere in den Vidmarhallen. Mit dabei ist auch der Amerikaner Bruce McCormick, der in München und Bern innert Kürze Deutsch gelernt hat. «Wir sind eine Familie. Wir schwitzen zusammen und lachen zusammen.» Die Mitglieder stammen aus verschiedenen Kontinenten; Arbeitssprache ist Englisch. McCormick selbst studierte Tanz in New York und fühlt sich wohl in Bern. Die Präsenz auf der Strasse erachtet McCormick als nötig, um Druck aufzubauen, denn: «Die Leute haben keine Ahnung, was sich hier abspielt.»

Am 8. Mai war bekannt geworden, dass die Projektgruppe, die das neue Konzept für das Stadttheater ausarbeitet, den Rotstift beim Ballett ansetzen will und damit die gesamte junge Kunstform wegspart – und zehn Prozent des Etats.

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