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Zu nervös, um ruhig zu schlafen

Der bevorstehende Cupfinal hat Carlos Varela beinahe um den Schlaf gebracht. Unter keinen Umständen will er nach 2006 erneut gegen Sion verlieren. Auf dem Weg zum Erfolg könnte ihm seine verbesserte Disziplin helfen.

Im Viertelfinal setzte sich Carlos Varela (oben) gegen GC-Verteidiger Guillermo Vallori durch. YB siegte 3:0. Im Cupfinal heute will der YB-Angreifer das Mittel gegen die Abwehr des FC Sion finden.
Im Viertelfinal setzte sich Carlos Varela (oben) gegen GC-Verteidiger Guillermo Vallori durch. YB siegte 3:0. Im Cupfinal heute will der YB-Angreifer das Mittel gegen die Abwehr des FC Sion finden.

Carlos Varela weiss, er bräuchte eigentlich nicht nervös zu sein, vor dem Cupfinal heute gegen Sion. Die Stärkeverhältnisse sind eindeutig. YB liegt in der Tabelle der Super League auf Platz 3 und besitzt theoretisch noch Chancen auf den Meistertitel. Die Walliser kämpfen als Achtplatzierte gegen den Gang in die Relegation. «Zu Saisonbeginn verloren wir in Sion zwar. In den drei weiteren Spielen hatten wir aber kaum Probleme. Deshalb würde ich mir keine Sorgen machen, käme es heute zu einem Meisterschaftsspiel gegen diesen Gegner», sagt er. Doch weil heute der Cupfinal stattfindet, ist Varelas Respekt vor dem Gegner gross. Auf «50:50» beziffert er die Siegchancen für sein Team. «Beim Blick auf die Cupgeschichte zeigt sich: Wir sind keineswegs der Favorit.» So habe er das auch verstanden, als er am Wochenende die Sportsendung im Westschweizer Fernsehen geschaut habe. «Geht es nach denen, setzt Sion die Siegesserie im Cupfinal fort. Aber, damit kann ich leben. Die Rolle des Aussenseiters stört mich keineswegs.»Teil der Geschichte werdenNoch immer frisch ist Varelas Erinnerung an die Finalniederlage 2006 gegen den gleichen Gegner. «Es war eine der grössten Enttäuschungen meiner Karriere», sagt er. Der Offensivspieler erzielte vor drei Jahren in der 16. Minute das 1:0 für sein Team, musste dann aber miterleben, wie Sion nach dem Platzverweis gegen Steve Gohouri (31.Minute) erstarkte und schliesslich im Penaltyschiessen siegte. Mit einem Sieg heute soll die unliebsame Erinnerung verblassen. Erstaunlich offen gewährt Varela Einblick in seine Gefühlswelt. Von Nervosität spricht er und gar davon, dass er daher in den letzten Nächten Mühe gehabt habe, zu schlafen. «In den vier Jahren, in denen ich unterdessen für YB spiele, ist vieles entstanden. Wir sind als Team gewachsen und haben uns verbessert. Es wäre unglaublich verdient, am Mittwoch einen Titel zu gewinnen.» Um seine Aussage zu unterstreichen, deutet Varela auf das Bild vom letzten YB-Cupsieg 1987, das übergross im Kabinengang des Stade de Suisse hängt: «Der Klub hat so viel Tradition, und er pflegt sie», sagt er. «Ich will als Teil einer Cupsiegermannschaft in die YB-Geschichte eingehen. Und ich will auch noch in Jahrzehnten ins Stadion eingeladen werden, wenn die Young Boys ihre Titelgewinner ehren.» Der Cupsieg würde bei den Bernern nach 22 Jahren die «Titelblockade» lösen, ist Varela überzeugt: «Es kann der Start sein zu vielen Erfolgserlebnissen.»Wandlung auf dem PlatzMit 31 Jahren ist Varela heute Abend voraussichtlich der älteste YB-Spieler in der Startformation. Trotz seiner Routine legte sich der Spanier bis vor kurzem oft mit Gegnern und Referees an. Zahlreich waren deshalb die gelben Karten, die ihm die Schiedsrichter pro Saison jeweils unter die Nase hielten. Nach drei Verwarnungen zu Saisonbeginn und einem Platzverweis scheint es nun aber, als sei Varela ruhiger geworden. Die letzte gelbe Karte in der Meisterschaft geht zurück auf den Februar. Insgesamt sah er in dieser Spielzeit fünf Mal gelb. Mit der Heirat im Winter könnte die Wandlung begründet werden. Der Spieler mag das zwar nicht völlig verneinen, ihm scheint aber wichtiger, hat sich das Verhältnis zu den Schiedsrichtern verändert. «Es war ein Gespräch mit Schiedsrichterchef Urs Meier, das half. Er hat seine Leute sensibilisiert. Seither sprechen die Unparteiischen viel mehr mit mir, und sie gewähren mir mehr Freiraum.» Und im Gegenzug versuche er, den Entscheiden der Schiedsrichter mehr Verständnis entgegenzubringen. Die Auswirkungen sind positiv. Der Verein ist zufrieden mit Varelas Entwicklung, und der Stürmer hat festgestellt: »Nun mache ich mir eine gute Leistung nicht mehr mit einer dummen Verwarnung kaputt.»

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