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Triumph, Pech und Pannen

Fabian Cancellara ist derzeit nicht in der Lage, sich beschwerdefrei ein T-Shirt überzustreifen. Der Olympiasieger aus Ittigen leidet an einer Knochenmarkschwellung, die er sich bei einem Sturz auf die rechte Schulter zugezogen hat.

Er kam, sah, siegte, erkrankte und stürzte – so lässt sich Fabian Cancellaras Saisonbeginn zusammenfassen. Es war am 15. Februar, als der Berner in Sacramento am späten Nachmittag kräftig in die Pedale trat, obwohl er sich nicht sonderlich gut fühlte. Für den vier Kilometer langen Prolog der Kalifornien-Rundfahrt reichte die Energie aus, der am 18.März 28 Jahre alt werdende Zeitfahren-Olympiasieger beendete seinen ersten Wettkampf standesgemäss als Gewinner. Nach der Ankunft folgten heftige Fieberschübe, eine Nacht mit vier Arztkonsultationen, ein 70 Kilometer dauernder Versuch, das Rennen fortzusetzen, und ein ungemütlicher Rückflug.Verhängnisvoller SturzFünf Tage später, die Angina war kaum überstanden, rutschte Cancellara während einer lockeren Trainingsfahrt auf glitschiger Unterlage aus – «zwischen Ostermundigen und Gümligen, mit etwa zehn Stundenkilometern, und das erst noch in einer Kurve, die ich sicher schon tausend Mal befahren habe». Seit dem Sturz leidet der in Ittigen wohnhafte Familienvater an einer Knochenmarkschwellung in der rechten Schulter. Seine Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt; er kann sich weder beschwerdefrei ein T-Shirt überstreifen noch seine zweieinhalbjährige Tochter Giuliana durch die Wohnung tragen. Und er ist nicht in der Lage, mehr als zwei, drei Stunden am Stück auf der Strasse zu trainieren.Begebe er sich bei Anstiegen aus dem Sattel, fühle sich seine Schulter an, «als würde mir jemand einen Nagel hineinschlagen», sagt Cancellara. Eine Linderung der Schmerzen ist laut ärztlicher Prognose ungefähr in zwei Wochen zu erwarten. Die nächsten Tage dürften für den Berner zur Geduldsprobe werden, fehlen ihm doch nicht nur ein paar hundert kalifornische Rennkilometer, sondern bereits jetzt auch etliche wertvolle Trainingseinheiten.Fernziel MendrisioAn seinem ersten grossen Ziel, der Flandern-Rundfahrt, hält er fest, obwohl er am 5.April kaum kompetitiv sein dürfte. Er spricht jedoch nicht mehr vom Sieg, sondern vom Bestreben, «das Maximum herauszuholen». Abzuwarten bleibt nicht nur, wie hoch die Drehzahl seines Motors dannzumal schon sein wird, sondern auch, wie sich die zahlreichen Kopfsteinpflasterabschnitte auf die lädierte Schulter auswirken werden.Was die kurzfristige Rennplanung betrifft, wird sich Cancellara «von Tag zu Tag» entscheiden. Vorgesehen ist die Teilnahme am sechstägigen Tirreno–Adriatico (ab 11.März), den er vor Jahresfrist gewann; auch bei Mailand–Sanremo (21.März) möchte der Titelverteidiger antreten. Mittelfristig werden die grossen Landesrundfahrten im Zentrum stehen; der Co-Leader der dänischen Saxo-Bank-Mannschaft gedenkt, sowohl die Tour de Suisse als auch die drei grossen Landesrundfahrten zu bestreiten. Er brauche diese Rennen zur Vorbereitung auf sein zweites grosses Saisonziel, die Heim-WM in Mendrisio. Diese jedoch findet erst Ende September statt. Vorerst geht es für Cancellara primär darum, die Gemütslage im grünen Bereich zu halten.Micha Jegge>

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