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Stark bei den Big Points

Statistisch ist Federer im Vergleich zu seiner besten Phase kaum schwächer geworden, Nadal aber deutlich besser – eine Analyse.

2006 ist bisher Roger Federers bestes Jahr gewesen; er gewann drei Grand-Slam-Turniere und insgesamt zwölf Titel; im Vorjahr, als er durch das Pfeiffer’sche Drüsenfieber zurückgeworfen wurde, agierte er weit weniger erfolgreich. Er triumphierte «nur» am US Open und an drei weiteren Events; zudem wurde er von Rafael Nadal als Nummer eins abgelöst. Über die Ursachen des leistungsmässigen Rückschlags wird viel diskutiert. Der Baselbieter serviere schlechter und habe mental nachgelassen, wird gerne behauptet. Statistisch lassen sich anhand der «Ricoh Matchfacts» der ATP diese Thesen freilich nicht belegen.

Rückschlag beim Return

Beim Aufschlag sind die Differenzen minimal; in den letzten vier Jahren hat er stets 89 bis 90 Prozent seiner Servicegames durchgebracht; die Quote erster Aufschläge im Feld (64%) und die Anzahl Asse (695) waren 2008 sogar so hoch wie noch nie. Auch unter Druck überzeugte der Baselbieter. Mit 68 Prozent abgewehrter Breakchancen war er etwas besser als 2007 und geringfügig schlechter als 2006, aber vor allem: Er war in dieser Statistik die Nummer eins im Männertennis. Federer verwertete in den letzten beiden Jahren jeweils 41 Prozent seiner Breakmöglichkeiten. Das ist ein guter Wert, allerdings war der Schweizer 2006 (43%) und 2005 (44%) noch etwas erfolgreicher. Sein Hauptproblem ist, dass er mehr Mühe bekundet, als Returner ins Spiel zu finden. 2006 hatte er nach 35 Prozent der ersten Aufschläge seiner Gegner gepunktet und war damit auf der ATP-Tour der Beste gewesen. Doch diese Quote fiel über 34 auf 32 Prozent, womit er 2008 nur noch die Nummer acht war. Mit 27 Prozent gewonnener Returngames wies er sogar nur die zehntbeste Quote auf.

In diesem Bereich lohnt sich der Vergleich mit Nadal. Der Spanier nahm 2008 seinen Gegnern jedes dritte Aufschlagspiel ab und sorgte so im Direktvergleich zu Federer für eine erhebliche Differenz (6%), während er in Federers Domäne den Rückstand (1%) erheblich verringerte, weil er 88 Prozent seiner Aufschlaggames gewann. Der Mallorquiner, an der Grundlinie der konstanteste Tennisprofi, hat seinen zweiten Aufschlag dermassen verbessert, dass er 60 Prozent der Ballwechsel für sich entschied, nachdem der erste Service misslungen war – der Spitzenwert auf der ATP-Tour.

Tendenz unverändert

Die Wachablösung ist also nicht auf ein Nachlassen Federers bei den Big Points zurückzuführen, sondern auf das generell etwas fehlerhaftere Spiel, das zu weniger Servicedurchbrüchen führt, und vor allem auf Nadals Steigerung.

Wie sieht nun die Tendenz in diesem Jahr aus? Die Aufschlagstatistik (ohne die Spiele in Paris) ist gegenüber 2008 geringfügig schlechter, die Returnbilanz minim besser. Dies ist insofern normal, als die Sandplatzsaison – auf Sand entfaltet der Service weniger Wirkung – schon fast vorüber ist. Bei den Big Points ist Roger Federer unverändert stark; er verwertet sogar mehr Breakbälle denn je (45%). Es gibt allerdings ein kleines Problem: Andy Murray (47%) und Rafael Nadal (48%) sind in diesem wichtigen Bereich noch erfolgreicher. Doch diese beiden sind in Paris nicht mehr dabei. (ar)

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