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Reto von Arx – Pionier, Reizfigur und Ikone

Reto von Arx, erster Schweizer NHL-Torschütze, trifft heute mit Davos auf seinen früheren Verein Chicago Blackhawks.

Am 7.Oktober 2000 gelang dem damals 24-jährigen Reto von Arx gleich zweimal, was zuvor noch kein Landsmann geschafft hatte: Er erzielte ein Tor in der National Hockey League, der besten Eishockey-Liga der Welt. Bis zu jenem Samstagabend war die NHL für Schweizer so gut wie unerreichbar gewesen; die wenigen, die es versucht hatten, waren schon in den tieferen Ligen stecken geblieben. Dann kam von Arx. Nach fünf Saisons in Davos zog er nach Chicago, überstand dort als weitgehend Unbekannter alle Kaderschnitte und erzielte in seinem zweiten Spiel gleich seine ersten zwei Tore. Der Neue war ein gefragter Mann und wurde als Versprechen für die Zukunft gehandelt. Alles sah aus nach dem amerikanischen Traum, doch bald folgte eine schweizerische Wende.Endstation NorfolkWenn die Chicago Blackhawks heute im Zürcher Hallenstadion gegen den amtierenden Schweizer Meister antreten, ist von Arx zwar mit von der Partie – aber beim Gegner, dem HC Davos. Der Grund dafür liegt in Norfolk, Virginia. Die Stadt am Atlantik ist bekannt als Marinestützpunkt und berüchtigt als Destination für Teams der zweitklassigen American Hockey League. Die Lebensqualität gilt als tief, die Busreisen an Auswärtsspiele sind länger als für jeden anderen AHL-Klub. Hierhin wurde der Schweizer von den kriselnden Blackhawks kaum einen Monat nach seinem Debüt geschickt, eine reelle Chance auf eine Rückkehr kam nicht mehr. Im September 2001 kehrte von Arx nach kaum einem Jahr in die Heimat und zum HC Davos zurück.Davos war anders. Hier war sein Freund und Mentor Arno Del Curto Trainer, hier spielten Bruder Jan und seine Freunde Sandro Rizzi und Michel Riesen. Die höchstgelegene Stadt Europas bot eine familiäre Atmosphäre und sportliche Perspektiven, wie von Arx sie in Norfolk nicht mehr sah. In den acht Jahren nach seiner Rückkehr profilierte sich der NHL-Pionier als Schlüsselfigur bei vier Meistertiteln und drei Spengler-Cup-Siegen. Reto von Arx wurde zum Synonym für Davoser Erfolg.Dass er gleichzeitig zu einem der meistdiskutierten Spieler des Landes wurde, hat allerdings auch mit seinem Wesen zu tun. Der Polizistensohn zog als 18-Jähriger mit seinem Bruder aus Langnau nach Davos, wurde unter Del Curto der beste Spieler des Landes und dabei nicht nur für seine Brillanz auf dem Eis bekannt, sondern auch für seine Einsilbigkeit daneben. Sich selbst zu erklären, war seine Sache nie, konsequent war er immer. Als 2002 ein nächtlicher Ausflug während der Olympischen Spiele in Salt Lake City dazu führte, dass er als Sündenbock frühzeitig heimgeschickt wurde, gab er seinen Abschied aus der Nationalmannschaft – bis heute. Immer wieder wurde in der Zwischenzeit seine Rückkehr gefordert oder als Beleg für schwache Selektionäre zitiert, doch von Arx änderte seine Meinung nicht mehr. Er schweigt so spektakulär, wie er spielt.Verhängnisvolle HaltungSpricht er aber einmal deutlich, ist die Wirkung umso stärker. «Was andere über mich denken, ist mir egal», meinte er etwa nach dem Gewinn seines ersten Meistertitels. Es ist eine Haltung, die in der Schweiz eine Stärke sein mag, die dem Stürmer in Nordamerika aber am Ende zum Verhängnis geworden sein dürfte. «Jeder ist genau so gut, wie sein Trainer ihn findet», heisst dort die Maxime. Heute bekommt Reto von Arx gegen Chicago Gelegenheit, sich den Blackhawks auf die von ihm bevorzugte Art in Erinnerung zu rufen. Philipp Muschg>

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