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«Im Radsport gibt es nie ein Miteinander»

Der Berner David Loosli gehört zur anonymen Masse im Tour-de-France-Feld. Das soll sich in der dritten Tour-Woche ändern.

Ein Pflaster am linken Schienbein erinnert daran, dass auch David Loosli in dieser Tour de France ein paar Zeilen Geschichte geschrieben hat. Mit einem Sturz in der zweiten Kurve des Mannschaftszeitfahrens, zusammen mit Alessandro Ballon, dem Weltmeister. Natürlich hätte sich auch der 29-jährige Berner gerne einmal in einer Fluchtgruppe gezeigt, doch bis jetzt klappte es nicht. Und so gehört der Lampre-Fahrer zur anonymen Masse, die sich im riesigen Feld durchs Land schlängelt. Loosli bestreitet seine dritte Tour de France. In der Gesamtwertung liegt er an 97.Stelle mit 48:04 Minuten Rückstand.Wie haben Sie die erste Hälfte dieser Tour überstanden?David Loosli: Eigentlich gut. Natürlich möchte auch ich einmal gerne ein Zeichen setzen. Dafür habe ich meine Freiheiten. Weil wir keinen Fahrer für die Gesamtwertung haben, muss man nicht einen ganzen Tag lang krüppeln, wie das Helfer in andern Mannschaften tun müssen. Unsere Aufgabe ist es, in Fluchtgruppen unterzukommen und auf Etappensiege zu fahren.Was Ihnen bis jetzt noch nicht gelungen ist.Weil es halt die Tour de France ist, und die ist anders als jedes andere Rennen. Bis sich eine Spitzengruppe gebildet hat, ist die Hölle los. Schade, dass man das am Fernsehen nicht sieht. Es kann Tage geben, da hat man Glück, versucht es einmal und ist vorne dabei. An andern Tagen kann man es zehn oder zwölf Mal probieren, und dann fährt die Gruppe beim dreizehnten Mal weg. Manchmal kommt eine Gruppe ganz früh weg, es kann aber auch 80 Kilometer dauern. Das sind anderthalb bis zwei Stunden, bis es so weit ist. Da muss man auch pokern können.Sie werden es wieder versuchen?Ich bin ja nicht da, um ein bisschen Velo zu fahren. Ich habe mir Ziele gesteckt. In der letzten Woche ist die Möglichkeit, dass Spitzengruppen auch durchkommen, am grössten. Da hat das Gesamtklassement eine klare Struktur, der eine oder andere Sprinter ist schon zu Hause, und viele Fahrer sind müde. Deshalb ging es in der ersten Woche auch darum, Kräfte zu sparen. Normalerweise läuft es mir in der dritten Woche am besten, das war schon im Giro so. Also kann ich mir doch noch etwas erhoffen.Geniessen Sie es, in der Tour de France dabei zu sein?Natürlich ist es das Grösste, doch nach ein paar Tagen merkt man das gar nicht mehr. Dann ist es selbstverständlich, dass es hier halt überall viele Leute hat.Gibt es auch die schlimmen Momente, in denen man den gewählten Beruf verdammt?Es gibt die Momente, in denen man einfach todmüde ist und wirklich keine Lust hat, aufs Velo zu steigen. Doch wenn man dann fährt, gehts wieder besser.Was an der Tour de France schwieriger ist als in jedem andern Rennen.Es wird tatsächlich anders gefahren, was sich schon nur an der Anzahl der Stürze ablesen lässt.Müssen Sie da den ganzen Mut zusammennehmen?Es geht nicht nur um den Mumm. Wenn man gute Beine hat, kann man auch mal etwas aussen herum fahren. Hat man sie nicht, muss man sich im Getümmel nach vorne kämpfen, und das ist heikler. Hätte ich einen Cavendish am Rad, von dem man weiss, dass er gewinnt, würde ich auch mehr riskieren, als wenn es um Rang sieben oder acht geht, wie mit Furlan.Wie wichtig sind die Kopfhörer für Sie?Es ist wichtig, wenn wir wissen, dass in der Tourmalet-Abfahrt vor uns ein Töff gestürzt ist. Es geht also um die Sicherheit. Was mich aufregt, ist, dass die Sache mit dem Verbot vom französischen Fernsehen ausging. Und wenn das Fernsehen etwas will, stellen sich die Organisatoren sofort dahinter, ohne sich mit den Teams abzusprechen. Im Radsport gibt es nie ein Miteinander, sondern es kämpft immer jemand mit einem anderen.Haben Sie während einer Etappe viel Kontakt mit Ihrem Sportlichen Leiter?Das hält sich im Rahmen. Aber wenn man einen Leader im Team hat wie etwa Gregory Rast bei Astana, dann hagelt es Befehle. «Jetzt musst du fahren», «Hole Bidons», «Achtung, Lance hält an». Mir muss keiner sagen, dass ich Wasser holen muss. Das ergibt sich bei uns von selbst.Wie erleben Sie die Reibereien zwischen Lance Armstrong und Alberto Contador?Im Feld merkt man nichts davon. Sie fahren ein ganz normales Rennen als Mannschaft. Mir scheint es, dass es die Medien sind, die den Fall hochspielen, so haben sie etwas zu schreiben.Interview:Martin Born, LimogesResultate der 11. Etappe Seite 14>

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