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Ein heisser Schweizer Abend

Siegen Federer und Wawrinka am Australian Open heute (ab 9.30 Uhr MEZ) weiter, spielt das Schweizer Team des Jahres 2008

Nach getaner Arbeit flüchtete Patty Schnyder an diesem Donnerstag zur Mittagszeit wortlos von Platz 6, aus der 35-Grad-Hitze zurück in die Kühle der Katakomben, wo sie später während Interviews in Tränen ausbrach. Zurück liess sie die strahlende Französin Virginie Razzano (WTA 56), ein paar konsternierte Fans in roten Leibchen mit Schweizer Kreuz sowie die Frage: War das 13. Australian Open ihr letztes? Vieles deutet darauf hin.Federers Spiel der WocheDamit verblieben vom Schweizer Trio noch Roger Federer und Stanislas Wawrinka, die beide heute Abend Lokalzeit im Einsatz stehen. Auch wenn die Hitze – es werden erneut über 30 Grad erwartet – dann nachgelassen haben wird, dürften ihre Partien dennoch heiss werden: Federers zwölftes Duell mit dem temperamentvollen und schlagstarken Russen und früheren Weltranglistenersten Marat Safin ist die erste wirkliche Schlagerpartie der Woche und bildet den Abschluss des fünften Turniertages in der Rod-Laver-Arena (ab etwa 11 Uhr MEZ). Federer führt 9:2 und ist klarer Favorit. Gemäss Programm um 9.30 Uhr Schweizer Zeit beginnt Wawrinkas Versuch, die Bilanz gegen den Tschechen Tomas Berdych (ATP 21) auf 3:3 auszugleichen und erstmals die letzten 16 in Melbourne zu erreichen, was ihm in Wimbledon und am US Open bereits geglückt ist. Ein Sieg von ihm wäre sein wertvollster seit vielen Monaten.Sollten die Doppel-Olympiasieger, die bei der Sportlerwahl zum Team des Jahres 2008 gekürt wurden, beide gewinnen, käme es zur fünften Begegnung zweier Schweizer an einem Grand-Slam-Turnier. Bei der letzten hatte Federer 2000 in Paris Michel Kratochvil 8:6 im fünften Satz besiegt, zuvor war Jakob Hlasek je einmal in Paris und Melbourne auf Marc Rosset getroffen (und hatte verloren), dazu einmal in Wimbledon auf Claudio Mezzadri.Schnyders Liebesgeschichte mit ihrem einst bevorzugten Grand-Slam-Turnier hat, man weiss es, schon vor einem Jahr einen abrupten Bruch erlitten. Die veränderten Spielbedingungen mit den schweren Bällen und dem neuen Belag torpedieren ihre Stärken in einer Art, die der Baselbieterin das Siegen enorm erschwert und ihr die Freude (und das Selbstvertrauen) genommen hat. Das triste, in nur 62 Minuten zu Stande gekommene 3:6, 1:6 gegen Razzano, die nur einen Breakball abzuwehren hatte, war ein neuer Tiefpunkt dieser Entwicklung.Heftige Wutausbrüche«Ich war nie im Spiel und fühlte mich nie, wie ich mich hätte fühlen sollen», sagte die 30-Jährige und beklagte noch einmal die für sie nachteiligen Spielbedingungen. «Ich kann mir keine Vorwürfe machen. Ich schlug gut auf, aber auch die besten Kick-Aufschläge blieben fast ohne Wirkung. Ich konnte sie nie in die Defensive bringen.» Sie sei eben eine «einzigartige» Spielerin und mit anderen, leichteren Bällen gross geworden. Heute würden, wie in Melbourne, immer mehr «Männerbälle» verwendet. «Vielen passt das, weil sie damit aufgewachsen und grösser und stärker sind als ich.»Sie habe sich nicht kampflos in dieses Schicksal fügen wollen, begründete sie ihre Zornesausbrüche auf dem Platz. «Die Hoffnung, dass es geht, ist immer da. Aber ich kann mein Spiel nicht grundsätzlich ändern.» Sie wisse, dass sie fit und gut in Form sei, das merke sie auch im Training, sagte Schnyder, «doch so schlimm es sich anhört: So macht das Tennis keine Freude.» Ihre nächste Turnierstation wird Zürich sein, wo sie vom 6. bis 8.Februar im Fed-Cup gegen Deutschland antritt. Bessere Zeiten erwartet sie im Frühling in der Sandsaison, wenn in Charleston und Rom zwei ihrer verbliebenen Lieblingsturniere auf dem Programm stehen. Melbourne hat sich zum Schlechten verwandelt, vom neuen Sandturnier in Madrid hat sie nichts Gutes gehört («es soll gar kein richtiger Sandbelag sein»). Und Wimbledon, das ihr überhaupt nicht liegt, wird sie wohl auslassen: Der Ausblick auf die 14.Profisaison der besten Schweizerin ist nicht gerade heiter.René Stauffer,MelbourneResultate Seite 16>

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