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Die «Qual» oder die andere Wahl

Moustafa oder Kaiser – am Wochenende wählen die IHF-Delegierten in Kairo den Präsidenten des Welthandball-Verbandes.

Der Heimvorteil ist im Sport wichtig. So hat Hassan Moustafa, Präsident des Welthandball-Verbandes (IHF) dafür gesorgt, dass seine Wiederwahl in seinem Heimatland Ägypten durchgeführt wird. Der 64-jährige Amtsinhaber, auch Pharao genannt, ist höchst umstritten und gilt für die Ausmarchung in Kairo am Wochenende dennoch als Favorit.Immerhin stellt sich mit dem 61-jährigen Luxemburger Jeannot Kaiser ein Herausforderer, der den IHF-Delegierten eine echte Wahlmöglichkeit zugesteht. Die rund 120 Repräsentanten entscheiden über die «Qual» – eine weitere Amtsperiode des Alleinherrschers Moustafa – oder die andere Wahl Kaiser, der einen Neuanfang mit «deutlich mehr Transparenz» verspricht. Moustafas Geschäftstätigkeiten nämlich sind undurchsichtig. Der Ägypter liess sich unter anderem 600000 Franken Reisespesen ohne Belege auszahlen. Weiterhin hängig ist eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Basel. Es geht um eine Zahlung von 1,6 Millionen Franken auf ein Bankkonto in Strassburg, im Zusammenhang mit der Männer-WM 1999.Gekaufte Stimmen?Hassan Moustafa ist es weiterhin nicht gelungen, seine Unschuld zu beweisen. Derzeit ist er aber mit dem Wahlkampf beschäftigt – und bringt sich erneut ins Zwielicht. Kaiser wirft seinem Kontrahenten Korruption vor. «Der Präsident hat sich vom IHF-Rat die Erlaubnis eingeholt, 30 Verbänden die Reisekosten nach Kairo aus der IHF-Kasse zu zahlen. Dabei ist von einer Summe von drei Millionen Schweizer Franken die Rede. Das ist Stimmenkauf», kritisiert der Luxemburger gegenüber der deutschen Agentur DPA.Auch von Demokratie hält Moustafa offenbar nicht viel. Während er sich auf der IHF-Internetseite in «einem Bericht an den Kongress» von seiner besten Seite – zusammen mit Hillary Clinton und Jacques Rogge – präsentiert, will er seinem Rivalen Kaiser in Kairo am Kongress keine Redezeit einräumen, um seine Absichten vorzustellen. Moustafa hatte in einem Brief an alle Verbände angekündigt, dass sich Kaiser «aus Zeitgründen» nicht vor den erwarteten 120 Delegierten präsentieren könne.Mühlematter tritt anEiner der grössten Moustafa-Kritiker ist der IHF-Generalsekretär Peter Mühlematter. Der Berner hatte dem IHF-Rat Unterlagen mit zahlreichen Anschuldigungen vorgelegt. Die Wirkung blieb aus, und Mühlematter wurde zum Rücktritt aufgefordert. Der 64-Jährige will aber nicht aufgeben und sich für eine weitere Amtszeit wählen lassen. Eine Wahlprognose betreffend Präsidenten wagt er nicht: «Vieles ist davon abhängig, ob Rechtliches im Vordergrund steht oder pure Machtpolitik.» Hinter den Kulissen wird bis zur Wahl taktiert. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit einer Sportart. Stephan Dietrich/dpa>

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