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«Die Aussichten sind verlockend»

YB-Trainer Vladimir Petkovic spricht vor dem Heimspiel am Sonntag gegen seinen früheren Klub Bellinzona über seine Zwischenbilanz, seine Arbeit, die Fortschritte und Mängel der Spieler und über sein Ziel Meistertitel.

Sind Sie überrascht, wie gut es für Sie bei YB bereits läuft?Vladimir Petkovic: Ja und nein. Meine Bilanz ist positiv, ich bin mit den Spielern zufrieden, wir haben bereits viel bewegt und sind wieder in der Elite der Schweizer Vereine. Aber unser Weg ist noch lange nicht zu Ende.Was hat sich unter Ihnen in den letzten Monaten verändert?Das Team war Mitte August nach dem Fehlstart verständlicherweise blockiert, spielerisch, aber auch mental. Mein erstes Ziel war, den Spielern den Glauben an Erfolge zu vermitteln. Und dann wollte ich spielerische Fortschritte erzielen. Wir wollen agieren, auch auswärts, aber wir müssen auch reagieren können.War der 2:1-Sieg Ende September in Basel ein Wendepunkt?Vielleicht, ja, dort haben die Spieler gemerkt, dass sie mit dem neuen und für sie noch ungewohnten System überall gewinnen können.YB hat in der Super League immerhin seit dreieinhalb Monaten nicht mehr verloren.Genau, und der 1:0-Sieg am letzten Sonntag bei GC war für mich ein schöner Beweis, wie stark sich die Spieler gesteigert haben. Mit Saif Ghezal und Baykal fehlten zwei wichtige Verteidiger, und doch waren wir taktisch gut, die Spieler haben diszpliniert und konzentriert gespielt. Wir waren die zwingendere Mannschaft, wir dominierten, und am Ende wäre es wirklich nur Zufall gewesen, wenn GC noch das 1:1 erzielt hätte.Sie haben das für die Spieler ungewohnte 3-4-3-System erwähnt. Was muss sich noch verbessern?Viel (lacht). Es ist ein flexibles System, und manchmal denken die Spieler zu wenig mit. Wir sind in einem langen Prozess. Sehr wichtig ist, dass die Spieler mehr kommunizieren. Auch das ist eine Frage der Mentalität.Wie darf man das verstehen?Wir haben noch zu wenig Leadertypen. Oder vielleicht ist es zutreffender zu sagen: Wir haben noch zu wenig Spieler, die auf dem Feld Leader sind.Wer sollten denn die Leader bei den Young Boys sein?In erster Linie die Spieler der zentralen Achse. Die Leistungen sind gut, aber sie reden zu wenig. Torhüter Marco Wölfli macht das gut, auch Thomas Häberli und Mario Raimondi sind Führungsspieler, doch insgesamt muss von allen mehr kommen.Von wem sind Sie enttäuscht?Es ist nicht meine Art, Spieler in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Aber manchmal muss das sein, um einen Fussballer zu wecken. Von David Degen haben wir uns alle mehr erhofft, er kam ja im August nach mir, und er hat ein riesiges Potenzial. Ich wäre als Spieler froh gewesen, solches Talent zu besitzen. Aber er muss endlich realisieren, dass Fussball ein Teamsport ist. Von Degen muss mehr kommen, ab Januar ist die Schonfrist vorbei.Und welche Spieler haben die grössten Fortschritte gemacht?(überlegt lange) Wie gesagt, sportlich bin ich fast mit allen zufrieden. Alberto Regazzoni hat einen grossen Sprung gemacht, er war auch wieder im Nationalteam, er ist ein idealer Spieler für unser System. Auch Baykal hat sich stark gesteigert, und François Affolter hatte niemand auf der Rechnung. Der Junge ist 17 Jahre jung, spielt aber schon sehr abgeklärt. Es war ein Versuch mit ihm, und er hat geklappt. Meine Philosophie ist: Ein guter Fussballer kann nie zu jung sein. Es ist auch ein schönes Zeichen für den Verein und die Juniorenabteilung, wenn einer den Sprung schafft. Das ist ein Ansporn für die anderen, noch mehr zu leisten. Im Mittelfeld könnte bald Thierry Doubai der Chef sein.Das ist möglich. Ich kann sein Leistungsvermögen noch nicht abschätzen, er trainiert seit einigen Wochen wieder mit, aber ohne richtige Zweikämpfe und ohne Spiele ist es schwierig, ihn zu beurteilen. Wir haben entschieden, dass er erst in der Rückrunde wieder für uns spielt, weil es nach seiner langen Verletzung zuletzt nicht ideal gewesen wäre, bei diesen Bedingungen das Comeback zu geben.Sie wissen aber, dass er als Ausnahmetalent gilt und von Lyon, Manchester United und vielen weiteren Vereinen regelmässig beobachtet wurde?Selbstverständlich. Doubai ist 20 Jahre alt, er soll jetzt eineinhalb Saisons spielen, dann stehen ihm alle Türen offen. Wie ist Ihnen die Umstellung zu einem Spitzenklub gelungen?Vieles war für mich neu, dynamischer, anders. Ich habe früher ja jahrelang praktisch zwei 100-Prozent-Jobs gehabt, und es ist natürlich viel angenehmer, sich nur auf den Trainerjob konzentrieren zu dürfen. Die Dimensionen bei YB sind viel grösser als in Bellinzona, aber letztlich geht es im Fussball immer darum, zusammen mit Spielern eine Idee nachhaltig zu verfolgen. Als Sie bei YB angestellt wurden, erklärten Sie, dieser Job sei der Lohn für jahrelange Arbeit. Wie meinten Sie das?Mir ist nie etwas geschenkt worden, ich habe lange in unteren Ligen gearbeitet und mir meinen Traum, als Trainer leben zu können, Schritt für Schritt erfüllt. Ich bin stolz und dankbar, für einen der grössten Schweizer Vereine arbeiten zu arbeiten.Ihren Job als Sozialarbeiter bei der Caritas vermissen Sie nie?Nein. Ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen, ich fokussiere mich ganz auf YB. Aber natürlich habe ich regelmässig Kontakt zu Freunden und ehemaligen Mitarbeitern im Tessin.Sie sagten auch, Ihr Ziel sei es, Meister zu werden.Natürlich, man muss und darf sich hohe Ziele setzen. Wir haben bis jetzt alle Zwischenziele erreicht. Bei meiner Anstellung sagten wir, wir wollen die 1. Hauptrunde des Uefa-Cups erreichen. Das haben wir geschafft und dann gegen Brügge gesehen, was uns fehlt. Aber Brügge ist ein starkes Team, hat zuletzt auch in Valencia nicht verloren. Wir wollten im Cup überwintern und als Dritter in die Winter->

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