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Des Guten zu viel

Die Erfolgsgeschichte von Lara Gut ist im Riesenslalom unterbrochen worden. Die physisch geschwächte Tessinerin blies trotz diffusem Licht zum Angriff und schied im ersten Lauf aus. Weltmeisterin wurde die Deutsche Kathrin Hölzl.

Über welch grosses Potenzial Lara Gut im Riesenslalom verfügt, war auf der selektiven «Face de Bellevarde» klar ersichtlich. In welcher Hinsicht die 17-Jährige noch Mängel aufweist, trat während ihres kurzen Auftritts ebenfalls zu Tage. Vier Hundertstel hatte sie der bei Halbzeit souverän führenden Kathrin Zettel im obersten Streckenteil abgenommen, ehe sie als Folge einer Unachtsamkeit ein Tor verpasste. «Sensationell» sei Gut gefahren, resümierte ihr Privattrainer Mauro Pini. In der Tat. Angesichts der Rahmenbedingungen jedoch mit einer etwas weniger sensationellen Taktik.Wie einst Maria EppleWas die Tessinerin im WM-Riesenslalom zeigte, war an diesem Tag des Guten zu viel. Sie blies von Beginn weg zur Attacke, obwohl sie sich im Zuge ihrer Magen-Darm-Grippe «noch nicht hundertprozentig fit» fühlte, wie sie später festhalten sollte. Sie wählte die schnellstmögliche Linie, obwohl «wir oben überhaupt nichts gesehen haben», wie die nachmalige Bronze-Gewinnerin Tanja Poutiainen unmittelbar nach ihrem Lauf festgehalten hatte. Welche Taktik Erfolg versprechender gewesen wäre, demonstrierte die nachmalige Weltmeisterin Kathrin Hölzl: Die im Weltcup noch sieglose Bayerin kurvte rasant, aber gleichwohl kontrolliert den Berg hinunter, der Rückstand von 68 Hundertstel auf Zettel hielt sich in Grenzen und bescherte ihr Platz 4. Derweil die Österreicherin in der Reprise mit der stark gezeichneten Piste trotz besserer Sichtverhältnisse nicht zurechtkam, sicherte Hölzl Deutschland mit einer ähnlichen Fahrweise wie am Morgen die erste Riesenslalom-Goldmedaille seit 1978. Damals hatte Maria Epple zu Hause in Garmisch-Partenkirchen reüssiert.An gleicher Stätte wird Hölzl in zwei Jahren zur Titelverteidigung antreten. Der überraschende Triumph der 24-Jährigen ist für die WM-Organisatoren in Oberbayern von hohem Wert. Nicht zuletzt, weil die aus Garmisch-Partenkirchen stammende Teamleaderin Maria Riesch seit ihrem schmerzhaften Sturz im Abfahrtstraining nicht mehr die gewohnte Sicherheit ausstrahlt. Hölzls Erfolg dürfte sich auch diesbezüglich positiv auswirken und Riesch im Hinblick auf den morgigen Slalom einen kräftigen Motivationsschub verleihen. Die 1,81 m grosse Allrounderin war erste Gratulantin und freute sich mit der um mehr als einen Kopf kleineren Zimmerkollegin, als wäre sie ebenfalls Weltmeisterin geworden.Premiere für StöckliLichtjahre von der Goldmedaille entfernt waren die restlichen Swiss-Ski-Vertreterinnen. Andrea Dettling fand als Einzige den Weg ins Klassement, Rang 22 entspricht ungefähr ihren derzeitigen Möglichkeiten. Aline Bonjour und Rabea Grand waren bereits im ersten Lauf gescheitert. Ob die nach Fabienne Suters Verzicht möglich gewordene Teilnahme Grands sinnvoll war, sei dahingestellt. Die 24-Jährige aus Leuk, die im Weltcup bloss Slaloms und Super-Kombinationen bestreitet, war weniger als 24 Stunden zuvor in Val d’Isère eingetroffen.Lara Gut wird Savoyen trotz des Ausfalls mit gutem Gefühl verlassen. Sie habe «Unglaubliches» erlebt, benötige nun aber eine Pause, resümierte die zweifache WM-Zweite. «Eine solche Grippe wird man offenbar nicht so schnell los. Aber in einer Woche werde ich bestimmt wieder fit sein.» Am meisten Freude über das gestrige Ergebnis dürfte hier zu Lande im luzernischen Wolhusen aufgekommen sein. Silber-Gewinnerin Tina Maze aus Slowenien bescherte dem helvetischen Skifabrikanten Stöckli die erste Frauenmedaille.Micha Jegge, Val d’Isère>

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