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Der Mann, der alle Hürden nimmt

Martin Lauer ist Olympiasieger, Weltrekordler, Schallplatten-Millionär, Geschäftsmann und Publizist. Der 72-jährige Deutsche stand aber nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens, seine Sportlerkarriere endete abrupt.

Er war ein Senkrechtstarter: Martin Lauer, am 2.Januar 1937 in Köln geboren, begann seine sportliche Karriere an den Deutschen Meisterschaften 1954 mit Siegen im Fünfkampf und über 110 Meter Hürden; ein Jahr später liess er sich sogar fünf Goldmedaillen umhängen. 1956 wurde er an den Olympischen Spielen in Melbourne 4. über 110 Meter Hürden und 5. im Zehnkampf, 1958 Europameister über die Hürden. 1959 lief er im Zürcher Letzigrund innert einer Dreiviertelstunde drei Weltrekorde (siehe Interview).Wegen einer Knochenhautentzündung, die ihn bei den Sprüngen behinderte, musste sich Lauer 1960 an den Olympischen Spielen in Rom über 110 Meter Hürden mit dem 4.Rang zufriedengeben, aber als Schlussläufer der 4100-Meter-Staffel («flach») holte er sensationell die Goldmedaille, nachdem die hoch favorisierten US-Amerikaner – von den Deutschen mit Weltrekorden im Vor- und Zwischenlauf gezielt unter Druck gesetzt – an ihrer Schwäche, der Stabübergabe, gescheitert waren. Mit 23 Jahren konnte Lauer als Jugend- und Elitesportler ein einmaliges Palmarès vorweisen: Olympiasieger, Europameister, 24-facher Deutscher Meister, fünf Weltrekorde, fünf Europarekorde, 13 deutsche Rekorde, Weltsportler des Jahres. Die Experten waren sicher, eine grosse Karriere habe eben erst begonnen. Aber sie war bereits zu Ende.Kampf um GerechtigkeitNach Rom liess Martin Lauer seine Knochenhautentzündung behandeln. Dabei bekam er wegen einer verunreinigten Injektionsnadel eine Blutvergiftung, und nach weiteren Pannen wurde sogar die Amputation des Beins erwogen. So weit kam es zwar nicht, aber der Kölner muss seither mit einem zerstörten Bein, wie er es nennt, leben. Der Leidenszeit folgte der Kampf gegen die Versicherung, der mit einem für Lauer höchst unfairen Vergleich endete.Der Exathlet wagte eine Karriere als Sänger, wobei er eine Mischung aus Country und Schlager bevorzugte. Auf Anhieb stellte sich der Erfolg ein, immer wieder kamen Lieder in die Hitparaden, und sie sind bis heute auf rund sechs Millionen Tonträgern verewigt worden. Lauer wurde ein zweites Mal zum Star. Dem Sport blieb er als unabhängiger, kritischer Beobachter verbunden, dem jede Klüngelei zwischen Athleten, Journalisten und Funktionären zuwider ist. Noch heute hegt er den Verdacht, ins Nationale Olympische Komitee sei er nur berufen worden, weil man ihn habe mundtot machen oder zumindest ein Stück weit habe neutralisieren wollen.Multitalent und PrivatmannBeruflich schloss Martin Lauer als Diplom-Ingenieur in Maschinenbau ab, war in der Kernenergie (Forschung und Entwicklung) tätig und stand als Chef der Triumph-Adler AG an der Wiege des ersten Computers (Alphatronic). Daneben betätigte er sich an Olympischen Spielen als Verantwortlicher für die Zeitmessung und als Fachreporter. 1963 veröffentlichte er das Buch «Aus meiner Sicht» und danach viele weitere Publikationen. Während Jahrzehnten erschienen von ihm Kolumnen in renommierten Zeitungen, zuletzt in «Die Welt». Martin Lauer lebt mit seiner Ehefrau Christa in Lauf bei Nürnberg (sein Autokennzeichen: LAU-ER 20). Erich Kobel>

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