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Cancellara mit fünf Richtigen

Die Schweizer Radprofis haben sich im WM-Strassenrennen in ausgezeichneter Verfassung präsentiert, aber wie die Italiener nicht reüssiert. Fabian Cancellara fuhr in Mendrisio auf den fünften Platz. Cadel Evans siegte.

Das Strassenrennen sei eine Lotterie, hatte Fabian Cancellara im Vorfeld der WM in Mendrisio immer wieder verkündet. Wer gewinnen wolle, müsse seine Attacke im richtigen Moment platzieren; wer den falschen Zeitpunkt erwische, werde viel Kraft verpuffen und sich seiner Siegeschancen berauben. Die Prognose des dreifachen Zeitfahr-Weltmeisters erwies sich als goldrichtig, das Goldlos jedoch zog gestern ein anderer: Cadel Evans, im australischen Norden geboren, in Stabio unweit von Mendrisio wohnhaft, setzte sich in der 19. und letzten Runde von Alexander Kolobnew (Russ) und Joaquin Rodriguez (Sp) ab; in der Steigung nach Novazzano vermochte der versierte Kletterer seine Begleiter zu distanzieren.Die Spanier am HinterradWährend Evans antrat, sah sich Cancellara ein paar hundert Meter weiter hinten mit einem Effort Damiano Cunegos konfrontiert. Die spanischen Aushängeschilder – Olympiasieger Samuel Sanchez sowie der Vuelta-Gewinner und mutmassliche Fuentes-Kunde Alejandro Valverde – orientierten sich am Hinterrad des Berners, was insofern nachvollziehbar ist, als sie mit Rodriguez einen Kollegen vor sich wussten. Cancellaras Zögern ist ebenfalls verständlich, hatte er doch wenige Minuten zuvor mit einer Tempoverschärfung für eine klare Selektion in der Spitzengruppe gesorgt und dabei mehr Energie verbraucht als die Iberer in seinem Rücken. Als er den Rhythmus schliesslich erhöhte, wurde Cunego eingeholt und stehen gelassen – die Italiener hatten das Rennen kontrolliert, aber auf das falsche Pferd gesetzt. Bis auf drei Sekunden kam Cancellara an Kolobnew und Rodriguez heran, auf der Zielgeraden musste er sich seinem Schatten Sanchez beugen.Ehe sich die Sicherheitsleute geschlagen geben mussten und der 28-jährige Ittiger von zahllosen Mikrofonen und Kameras eingekreist wurde, hatte dieser sich nach absolviertem Pensum auf den Boden gesetzt, die Augen geschlossen, die Enttäuschung zu verarbeiten versucht und sich dabei gefragt, was er anders hätte machen können. In der Schlussphase habe der Joker gefehlt, liess er später verlauten – ein vorne präsenter Landsmann, welcher den taktischen Spielraum vergrössert hätte. Die Aussage ist nicht als Kritik an den Kollegen zu verstehen. Diese hatten stets Präsenz markiert und wurden vom Leader gelobt. «Die Teamleistung war sehr gut. Und wie Oli(ver Zaugg) mich zu Beginn der Entscheidung unterstützte, war schlicht genial.» Derartigen Support ist er sich mit dem Schweizer Kreuz auf dem Rücken nicht gewöhnt, die olympische Bronzemedaille hatte er im Alleingang errungen.Die positive ErkenntnisSchon am Montag werde er auf einen «wunderschönen» Sonntag zurückblicken, sagte Cancellara, von der lautstarken Unterstützung des Publikums sichtlich beeindruckt. Rund 100000 Zuschauer dürften an der Strecke gestanden sein, die Organisatoren hatten freilich doppelt so viele erwartet. «Ich habe gesehen, dass ich auf einem schwierigen Kurs Strassenweltmeister werden kann. Aber sechs Richtige hat an diesem Tag ein anderer gehabt», resümierte Cancellara.Für den andern, den ehemaligen Mountainbike-Spezialisten Evans, handelt es sich um den ersten grossen Triumph, 2007 und 2008 hatte der 32-Jährige die Gesamtwertung der Tour de France jeweils auf Platz 2 beendet. Der beeindruckende Auftritt des Australiers dürfte nicht zuletzt die Organisatoren der nächsten Titelkämpfe freuen. Diese finden im Herbst 2010 in Melbourne statt. Micha JeggeMehr zur Rad-WM Seite 14/16>

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