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Bangen um Daniel Albrecht

Nach seinem schweren Sturz beim Zielsprung in Kitzbühel befindet sich der Kombinationsweltmeister Daniel Albrecht im künstlichen Tiefschlaf. Genaue Untersuchungen stehen beim 25-jährigen Walliser noch aus.

Die letzten offiziellen Neuigkeiten, die gestern Abend über Daniel Albrecht verbreitet wurden, liessen zumindest der Hoffnung allen Raum, dass der Walliser bei seinem brutalen Sturz auf der Hahnenkamm-Abfahrt vergleichsweise glimpflich davongekommen ist. Genauere neurochirurgische Untersuchungen stehen allerdings noch aus, dem Wunsch nach Klarheit oder gar «Entwarnung» konnte weder von Verbands- noch von Spitalseite entsprochen werden.Albrecht war beim Zielsprung mit einem Tempo von knapp 140 km/h abgehoben, er flog etwa 50 Meter durch die Luft und knallte mit dem Rücken auf die harte Piste. Sofort kamen böse Erinnerungen auf, etwa an Scott Macartney, der vor genau einem Jahr an gleicher Stelle abhob, beim Sturz seinen Helm verlor und zuckend liegen blieb; an Aksel Svindal, der nach einem deckungsgleichen Abflug in Beaver Creek im November 2007 schwere Verletzungen im Unterleib erlitt, die erst deutlich später erkannt wurden.Im künstlichen KomaAlbrecht blieb reglos liegen, sofort waren die Helfer und schnell auch Ärzte bei ihm. Mehr als 20 Minuten lang wurde der Walliser noch auf der Piste behandelt, man legte ihm eine Infusion, stabilisierte die Körperposition, bereitete den Abtransport mit dem Helikopter vor. Bis zur Ankunft im Spital von St.Johann blieb Albrecht bewusstlos. Dort erwachte er kurz, wurde aber sofort in einen künstlichen Tiefschlaf verlegt. Anschliessend wurde er nach Innsbruck geflogen, dort waren gestern um 17 Uhr bereits seine Eltern gelandet.Die medizinische Betreuung hatte reibungslos funktioniert, der Schweizer Cheftrainer Martin Rufener bedankte sich dafür explizit. Denn man dachte auch an Matthias Lanzinger, der nach einem Sturz in Kvitfjell nach Komplikationen den linken Unterschenkel verlor; man dachte an Silvano Beltrametti, der seit seinem Unfall in Val d’Isere im Rollstuhl sitzt.Das Trainingsresultat war aus Schweizer Sicht zweitrangig, die Teamkollegen mochten lieber nicht über das Geschehen reden. Im Zwiespalt zwischen Schock über Albrechts Sturz und der zwingenden Konzentration auf das eigene Rennen, im Wissen um das Risiko, das immer mitfährt. Am tiefsten wirkte Albrechts Trainingsgruppenkollege Carlo Janka betroffen, er hatte den Sturz am TV gesehen. Keine Diskussion gab es eigentlich über die Ursache: Albrecht büsste für einen Fahrfehler. Ausser ihm und dem jungen Deutschen Andreas Strodl hatte an diesem Zielsprung kein anderer Fahrer Probleme. Bernhard Russi war schockiert von der Schwere des Sturzes, aber er analysierte klar: «Dani fühlte sich super, er fuhr den Zielschuss in extremer Hocke, als er zum Sprung kam, hatte er keine Möglichkeit, etwas abzufedern.»Disput mit StreckenpostenDidier Cuche hatte am Morgen nach der Besichtigung an diesem Zielsprung einen Disput mit dem zuständigen Streckenposten. «Ich habe bemerkt, dass der Sprung an seinem Ende leicht nach oben weist und dass dies gefährlich sei», sagte Cuche. Gehör fand er nicht, sagte er, aber er wolle auch keinesfalls eine Polemik entfachen. Zu Recht, befindet Bernhard Russi: «Falls diese Beobachtung zutrifft, muss der Fahrer sich darauf einstellen.» Und FIS-Renndirektor Günter Hujara ging auf die Anmerkung von Cuche gar nicht ein: «Das muss Didier mir schon selbst sagen.» Schliesslich sei beim Treffen von Hujara mit dem «Athletenrat» um Cuche am Tag zuvor keinerlei Kritik am umgebauten Zielsprung aufgekommen. Keine akute LebensgefahrGemäss Communiqué von Swiss-Ski wurde Daniel Albrecht in der Nacht auf heute im Spital in Innsbruck eine Hirnsonde gelegt. Damit wird permanent der Hirndruck gemessen, um sofort reagieren zu können, falls sich Komplikationen andeuten. Diagnostiziert worden waren ein Schädel-Hirn-Trauma, Hirnblutungen und eine Lungenquetschung, offenbar erlitt Albrecht aber keine Knochenbrüche. Das Problem bei den diagnostizierten Verletzungen ist die momentan noch prinzipiell geringe Aussagekraft Daniel Albrecht befindet sich mindestens bis heute Mittag in einem künstlichen Tiefschlaf. «Erst wenn der Athlet daraus erwacht, kann man weitere Untersuchen und Aussagen machen», sagt Walter Frey, Chef des sportmedizinischen Dienstes bei Swiss-Ski. Christian Andiel, Kitzbühel>

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