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Auf Rasen sofort im Element

Roger Federer ist der Start in Wimbledon geglückt.

50 Wochen sind mittlerweile vergangen seit dem grandiosen Wimbledon-Final zwischen Rafael Nadal und Roger Federer, den viele Experten als besten Tennismatch in der Geschichte bezeichnen. Und in diesen 50 Wochen ist viel passiert, sehr viel sogar: Der Spanier hat den Schweizer als Nummer 1 abgelöst, Olympiagold im Einzel sowie das Australian Open gewonnen. Federer seinerseits hat an der Seite Stanislas Wawrinkas olympisches Gold im Doppel geholt, zum fünften Mal in Folge am US Open triumphiert und – vor allem – in Paris den Karriere-Grand-Slam komplettiert. Gestern, wie es die Tradition will, exakt um 13 Uhr Ortszeit, kehrte der Baselbieter in sein Lieblingsstadion zurück. Weil der Titelverteidiger von der Ferieninsel Mallorca wegen Kniebeschwerden forfait erklärt hatte, wurde Federer zum sechsten Mal in Folge die Ehre zuteil, das berühmteste Tennisturnier der Welt zu eröffnen. Das sei sehr speziell und sorge definitiv für Herzklopfen, stellte er fest. Der 27-Jährige zelebrierte den besonderen Moment. Wie in den Jahren zuvor betrat er den unversehrten Rasen in langen weissen Hosen; dazu trug er diesmal weder einen Blazer noch einen Wollpullover, sondern eine Jacke mit vier Taschen und Stehkragen. «Wir haben uns diesmal für etwas Moderneres entschieden», erzählte er.Dass Federer nach dem epischen Duell gegen seinen Hauptrivalen auf Gras keinen Ernstkampf mehr ausgetragen hatte, war ihm gegen Yen-Hsun Lu (ATP 65) aus Taiwan kaum anzumerken. Im ersten Satz zwar hatten die Ballkinder noch gewisse Abstimmungsprobleme, die Anzeigetafel funktionierte vorübergehend nicht, da passte es ins Bild, dass der Schweizer seine Vorhand noch nicht exakt justiert hatte. Doch schon bald nahm in Wimbledon alles seinen gewohnten Lauf – das Personal verrichtete seine Dienste tadellos, das elektronische Scoreboard zeigte das korrekte Ergebnis an, und Federer agierte wie ein fünffacher Champion, magistral eben. Obwohl der Asiate eine starke Leistung zeigte, war er dem Schweizer nicht gewachsen. Federer bewegte sich leichtfüssig, befreite sich mehrfach blitzschnell aus der Defensive und schlug gut auf. Er habe auf Grund der zahlreichen guten Trainingseinheiten «völlig vergessen, dass es in diesem Jahr mein erster Match auf Rasen war. Ich bin mit meinem Auftritt in der ersten Runde sehr zufrieden», meinte er nach dem 7:5, 6:3, 6:2-Erfolg. Das durfte er auch sein, zumal er die Zuschauer mit einigen tennistechnischen Leckerbissen verwöhnte.Aus Sport wird ZirkusDas Glanzlicht setzte er im achten Game des zweiten Durchgangs, als er nach einem Rückhandsmash seines Gegenübers nach links sprintete und die Filzkugel mit der Rückhand aus vollem Lauf zwischen dem Kopf des Ballboys und dem Netzpfosten zum Punktgewinn ins Feld zirkelte. Es war eine dieser Szenen, in denen Federer aus dem sportlichen Wettkampf eine Zirkusvorstellung zu machen pflegt, ganz zur Freude des Publikums. Solch magische Momente kann die Nummer 2 nirgends öfter bieten als in Wimbledon, nirgends ist er inspirierter, nirgends behagen ihm die Bedingungen besser. «Ich spiele auch deshalb so gern auf Rasen, weil man andere Schläge zeigen kann und oft Reflexe gefragt sind.»Bis zum nächsten Match auf seiner Lieblingsunterlage muss der angehende Vater nicht 50 Wochen, sondern nur rund 50 Stunden warten. Er trifft morgen auf den Spanier Guillermo Garcia-Lopez (ATP 42), der 2009 den Titelgewinn in Kitzbühel und auf Rasen eine ansprechende 6:2-Bilanz vorweisen kann. Doch dies dürfte den fünffachen Wimbledon-Champion kaum beeindrucken.Adrian Ruch, WimbledonResultate Seite 14>

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