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Ammann stark und kritisch

Mit der Schanzenrekordweite von 215,5 Metern schnappte Gregor Schlierenzauer dem Schweizer Weltcup-Leader Simon Ammann den sicher geglaubten Sieg beim Skifliegen am Kulm in Bad Mitterndorf (Ö) noch weg.

Simon Ammann büsste am ersten von vier Skiflug-Wochenenden in dieser Saison mit den Rängen zwei und drei 60 Zähler auf seinen Hauptkonkurrenten im Kampf um die grosse Kristallkugel ein. Der Vorsprung in der Overall-Wertung schmolz auf 77 Punkte. Immerhin überschritt der Schweizer mit fünf Siegen und sechs weiteren Podestplätzen in den bislang 13 Springen der Saison als erster Athlet die 1000er-Marke und liess sich allein an Preisgeld 234000 Franken überweisen. «Es sind nur kleine Dinge, die für ganz nach vorne fehlen», meinte Ammann. Wegen der fehlenden Thermik am Kulm seien eher die Qualitäten des Skispringers statt des Fliegers gefragt gewesen. «Ich stehe hier in Österreich als Weltcup-Leader unter Druck und habe wichtige Punkte geholt», zog der 27-jährige Toggenburg Bilanz. «Die Saison ist noch lang.» Schlierenzauers KonterGleichwohl zählte der Schweizer zu den Verlierern, weil mehr möglich gewesen wäre. Am Samstag schien er auf bestem Weg, den Österreichern vor über 40000 Zuschauern die Flugshow, die von loopingdrehenden Helikoptern und Fallschirmspringern umrahmt wurde, zu vermasseln. Mit einem makellosen Sprung im ersten Umgang auf 207,5 Meter distanzierte er das Austria-Trio, angeführt von Schlierenzauer (199,5), um 10,2 punkte und mehr. Doch Skiflug-Weltmeister Schlierenzauer erwischte im zweiten Umgang die Kante am Tisch punktgenau und setzte, auch dank verlängertem Anlauf und leicht besseren Winden, zu einem Traumflug an, der Ammann den Schneid abkaufte. Am Limit der körperlichen Belastbarkeit vermochte der Österreicher noch zu stehen (215,5 m). Ammann, dem rund 202 Meter zum Sieg gereicht hätten, bekam dies mit und konnte die negativen Gedanken, die sich um seinen Gesundheitszustand drehten, nicht verdrängen. Am Tisch fehlte ihm das letzte Quäntchen an Aggressivität und im Hang das Windglück. Prompt setzte er bereits nach 195,5 m auf. Am Sonntag schob sich noch der Finne Harri Olli, der an den WM in Sapporo bloss 0,2 Zähler hinter Ammann Silber gewonnen hatte, zwischen den Österreicher und den Schweizer. Fragwürdiger Entscheid«Mein Resumée fällt kritisch aus», hatte ein leicht verärgerter Ammann nach dem ersten Wettkampf geklagt. «Hier geht es um sehr viel, und ich will eine wirklich faire Chance auf den Sieg.» Diese habe er nicht erhalten. Der Schweizer konnte nicht verstehen, weshalb die Jury zum wiederholten Mal in dieser Saison den Anlauf verlängerte, obwohl ein Athlet im ersten Umgang klar über die Hillsize sprang. Und sein Trainer Martin Künzle doppelte nach: «Hier wird auf Kosten der Gesundheit der Athleten Spektakel betrieben.» Die Kritik, die von allen Seiten geteilt wurde, verfehlte ihre Wirkung nicht. Am Sonntag ging die Jury unter Präsident Paul Ganzenhuber (Ö) gemässigter ans Werk und liess Flüge in den Grenzbereich nicht mehr zu. «Sprünge über 200 m sollen auf dieser Schanze etwas Besonderes bleiben», betonte auch Schlierenzauer. Er war am Samstag nach 215,5 m in den flacher werdenden Hang geknallt und enormen Kräften ausgesetzt worden. Hans Leuenberger,Bad MitterndorfResultate Seite 18 >

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