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Abgang von der grossen Bühne

Letzter Einsatz für den Emmentaler Christoph Schärer. Der 28-jährige Kunstturner hängt sich

Ein letztes Mal noch ein Kovacs-Salto, ein Winkler, ein Drehelement namens Rybalko. Tausende von Stunden hat Christoph Schärer die Turnelemente am Reck geübt. Unzählige Male hat er nach Flugeinlagen die Stange nicht mehr greifen können und ist auf der Matte unsanft gelandet. Übers Wochenende zeigt der 28-Jährige nochmals sein Können. Der Grosshöchstetter hat sich für den Weltcup-Final in Madrid qualifiziert, zugelassen sind dort pro Gerät nur die besten acht Turner der Welt. Schärer ist stolz, dass er den letzten Wettkampf seiner Karriere auf allerhöchstem Niveau bestreiten darf. «Es beweist mir, dass ich noch mit den Besten mithalten kann.» Begonnen hat die Turnkarriere des Emmentalers bereits mit 6 Jahren im TV Zäziwil. So erstaunt es nicht, dass Christoph Schärer sagt: «Turnen ist mein Leben.» Die Freude am Sport trieb in ebenso zu Höchstleistungen an wie die zahlreichen Erfolgserlebnisse. Mit 17 Jahren wurde Schärer ins Nationalkader aufgenommen, fortan trainierte er in Magglingen und bezog vom Schweizerischen Turnverband (STV) einen Lohn.Zwei EM-MedaillenDass sich Christoph Schärer zum erfolgreichsten nationalen Turner der letzten Jahre steigern würde, war damals nicht absehbar. Tatsächlich ist er aber der einzige Schweizer Eliteturner, der bis anhin in diesem Jahrtausend internationale Medaillen gewann (siehe Kasten). Von der Öffentlichkeit wurde dies nicht unbedingt wahrgenommen. «Aber wer etwas vom Turnen versteht, weiss, was ich geleistet habe», sagt der Emmentaler. «Mag sein, dass ich mich nicht optimal verkauft habe, aber ich brauche das Rampenlicht nicht. Für mich zählte stets nur die Leistung.»Dem eher zurückhaltenden Schärer ist es gelungen, aus einem Negativerlebnis das Optimum herauszuholen. Nach einer schweren Knieverletzung konnte er nicht mehr an allen Geräten turnen. «Ich konzentrierte mich deshalb aufs Reck.» Dieser Entscheid erwies sich als richtig, denn an diesem Gerät konnte er sich zweimal für Olympische Spiele qualifizieren. Mit ein wenig Wettkampfglück wären 2004 und 2008 sogar Finalqualifikationen dringelegen. Zuletzt in Peking fehlte ihm dazu lediglich ein Zehntelpunkt.Einige WermutstropfenDas Turnerleben Schärers war aber nicht immer einfach. Oftmals sah er sich mit fragwürdigen Entscheiden des STV konfrontiert. Als Einzelturner wurde er hin und wieder – trotz Weltklasse – für Titelkämpfe nicht berücksichtigt. Schärer spricht in diesem Zusammenhang von «brutalen Momenten». Auch für Olympia 2008 in Peking war er zuerst nicht vorgesehen und wurde erst nach Intervention von Swiss Olympic für die Spiele selektioniert.Mit derartigen Problemen muss sich Schärer aber schon bald nicht mehr herumschlagen. Dem Turnsport wird er auf jeden Fall verbunden bleiben. Priorität hat aber sein Sportstudium, das er in Magglingen weiterführen und abschliessen will. «Turnen wird weiterhin ein wichtiger Bestandteil meines Lebens bleiben, nur die Bühne wird kleiner.»Und wie erfolgt der Abgang in Madrid von der grossen Turnerbühne? «Mit einem Tsukahara, einem Doppelsalto gestreckt mit ganzer Drehung. Sauber gestanden – hoffentlich.» Stephan Dietrich>

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