Lüthi sucht die Mischung

Benjamin Lüthi ist im

Begriff, sich beim FC Thun durchzusetzen. Heute

treffen die Oberländer auf den FC Schaffhausen.

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Offensichtlich hat im Berner Oberland der Herbst Einzug gehalten. Nebel hängt am Dienstagmorgen über dem Thunersee, und Bäume lassen zunehmend Blätter. Die Idylle ist einladend. Schriftstellerin Rosamunde Pilcher liesse sich an ihrem 85.Geburtstag davon bestimmt inspirieren, wäre sie denn hier. Präsent ist der FC Thun, und im Abschlusstraining zum Schaffhausen-Spiel geht es nicht romantisch zu. Angreifer Jocelyn Roux fügt Keeper Roman Bürki beinahe eine Verletzung zu, als er den Ball aufs Tor drescht. Benjamin Lüthi erläutert die Wichtigkeit der Partie: «Wir wollen unseren Lauf fortsetzen.»

Kampf dem Image

Nach dem Training sammelt der 20-Jährige die Bälle ein. Das korrespondiert so gar nicht mit dem Bild, das von Benjamin Lüthi zuweilen gezeichnet wird. Überheblich sei er, kriegt man zu hören. «Leute, die so über mich reden, kennen mich nicht. Die haben einfach ein Urteil gefällt.» Tatsächlich: Bei den Teamkollegen ist Lüthi beliebt. Er räumt aber auch ein, sich gewandelt zu haben. «Man reift ja.» Eine Erklärung für die Abneigung einiger ihm gegenüber hat er auch: «Ich äussere eben meine Meinung, womit nicht alle klarkommen.» Er müsse eine Mischung finden, was schwierig sei. «Ich bin kein eigentlicher Nachwuchsspieler mehr, aber noch längst kein Routinier.» Er sei von sich als Menschen überzeugt. Auf dem Platz sei das anders. Kabinettstückchen traue er sich nicht zu. «Ich schlage lieber eine Flanke, als dass ich zu gewagten Dribblings ansetze.» Trainer Yakin schätzt die «gesunde Aggressivität, die Lüthi an den Tag legt.» Anfang Saison stand Lüthi Yakin wegen einer Verletzung nicht zur Verfügung. Yakin sagt: «Ich habe ihm gegen Nyon eine Chance gegeben, und die hat er gepackt.»

Als 16-Jähriger ist Lüthi erstmals im Aufgebot des Fanionteams gestanden, gleich gegen YB. Damals hatte Lüthi den Ruf eines Riesentalentes, das sich rasch in der 1.Mannschaft etablieren würde. Es kam anders. Verletzungen hatten Schuld daran. Zurzeit geht es Lüthi prima. Der Student drückt die Schulbank «allenfalls zwei Nachmittage die Woche» und widmet sich ansonsten dem Fussball. «Der geniesst Vorrang.» Er spürt die Unterstützung seiner Familie. Dabei spricht er über das vereinsinterne Verhältnis zu seinem Vater, dem Vizepräsidenten Markus Lüthi. «Wir trennen Privates und Sportliches. Dass mein Vater im Verwaltungsrat sitzt, hat in den ersten Wochen seiner Amtszeit zu Spässchen geführt, ist aber längst kein Thema mehr.» Der Stadtberner lobt die Qualität von Mannschaft und Trainer und sagt: «Es gefällt mir hier so gut wie nie zuvor.»

Adrian Horn> (Der Bund)

Erstellt: 23.09.2009, 01:16 Uhr

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