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22 Jahre danach: YB als Cupsieger?

Jetzt oder (vielleicht) nie: 22 Jahre nach dem letzten Titel will YB heute (20.30 Uhr/SF 2) im Final gegen Sion den Cup gewinnen.

Der Pokal in Berner Besitz: Captain Jean-Marie Conz (links) und Martin Weber führen die Young Boys nach deren vorderhand letztem Cupsieg 1987 auf der Ehrenrunde im Wankdorfstadion an. (Andreas Blatter)
Der Pokal in Berner Besitz: Captain Jean-Marie Conz (links) und Martin Weber führen die Young Boys nach deren vorderhand letztem Cupsieg 1987 auf der Ehrenrunde im Wankdorfstadion an. (Andreas Blatter)

Urs Zurbuchen war der Goalie, Martin Weber der Abräumer, Robert Prytz der Regisseur, Dario Zuffi der flinke Stürmer, Joachim Siwek die Wühlmaus und Reto Gertschen nach Siwek der zweite Joker, der ins Tor traf: Die Young Boys besiegten Servette am 8. Juni 1987 im Cupfinal vor 28000 Zuschauern im Wankdorfstadion 4:2 (2:2) nach Verlängerung und holten ihren bisher letzten Titel. Lang, lang ists her. Der Hunger nach Erfolg ist bei den Bernern gross und dürfte am Mittwoch auch unter den Lauben spürbar sein. Spektakuläre Spiele sind das eine, Titelgewinne etwas ganz anderes. Heute ist so ein Tag, an dem die Young Boys Geschichte schreiben können. Aus Marco Wölfli, dem tüchtigen Goalie, kann ein Matchwinner für die sportliche Ewigkeit werden, aus Seydou Doumbia, dem Teilzeitarbeiter, ein Stürmer, der auch im wichtigsten Moment das Tor trifft. Aus Thomas Häberli der erste YB-Captain seit Jean-Marie Conz, der aus dem Pokal trinken darf. Aus Vladimir Petkovic ein Trainer, der das lange Warten in Bern beendet. Betrachtet man den Weg der Young Boys in den letzten Jahren, wäre der Titelgewinn die logische Folge. Allerdings: Der letzte Schritt ist der schwierigste, heute wird der Unterschied zwischen guten und sehr guten Spielern deutlich. Ein Jahr nach der verlorenen «Finalissima» in Basel, als YB beim grossen Rendezvous nicht bereit war und das entscheidende Spiel um die Meisterschaft 0:2 verlor, traut man dem Petkovic-Team zu, die Lehren gezogen und an Reife zugelegt zu haben. Ab 20.30 Uhr muss die Mannschaft zeigen, dass sie nicht nur nach Papierform der Favorit des Tages ist – Kopf, Herz und Beine sind gefragt. Auf der Gegenseite stehen die Schweizer Cupspezialisten schlechthin, ein Stimmungsteam mit Individualisten, die über sich hinauswachsen könnten. Wer von Sion erwartet, dass es sich im Meisterschaftskleid präsentiert, könnte sein rotweisses Wunder erleben. Zehn Finalteilnahmen, zehn Siege – die Bilanz sagt über die Walliser Begehrlichkeiten alles aus. Dass Präsident Christian Constantin im Vorfeld alle Register zieht, beschert ihm Medienpräsenz – und sorgt für Kopfschütteln. Die Wahrheit liegt aber ohnehin auf dem Platz. Bleibt zu hoffen, dass das Fussballfest in geordneten Bahnen verläuft und damit anders als der Sonntag, der für den Schweizer Fussball einmal mehr zu einem Trauertag wurde: Die Bilder, auf denen sich Zürcher und Basler «Fans» Strassenschlachten lieferten, sorgen für dunkle Wolken über dem hiesigen Fussball. Der Cupfinal wäre ein guter Anlass, um zu zeigen, dass es bei aller Rivalität auch ein friedliches Gegeneinander gibt – so, wie es die holländischen, italienischen, französischen und rumänischen Anhänger in Bern an der Euro 2008 eindrucksvoll vorgelebt hatten.

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