Zum Hauptinhalt springen

« ...weil wir die bessere Mannschaft sind»

Der 45-jährige Vladimir Petkovic spricht über den Cupfinal und den Druck, über den FC Sion und über seine Zukunft in Bern.

YB-Trainer Vladimir Petkovic. (Andreas Blatter)
YB-Trainer Vladimir Petkovic. (Andreas Blatter)

Warum gewinnt YB den Cupfinal?

Vladimir Petkovic: Weil wir zuletzt gut gearbeitet haben. Wir sind bereit und glauben an uns. Und wir wollen eine gute Saison mit dem Cupsieg krönen.

Ist der Cupfinal das bisher grösste und wichtigste Spiel für Sie?

(überlegt lange): Ja. Ja und nein. Es ist von der Wichtigkeit her mit Sicherheit das bedeutendste Spiel, das ist keine Frage. Aber ich bestritt auch bei Agno und Bellinzona und bereits bei YB Partien, in denen es um viel ging.

Mit Bellinzona verloren Sie vor einem Jahr den Cupfinal in Basel gegen den FC Basel 1:4.

Damals war alles viel kleiner für uns, viel lockerer auch und gemütlicher. Der Medienrummel ist diesmal mit YB viel grösser, der Druck, die Erwartungen, alles ist in Bern viel, viel höher. Und damals hatten wir ja noch zwei Strassen offen, wir kämpften auch um den Aufstieg

YB kann ja auch noch Meister werden...

(lacht)ja, ja, okay, stimmt, rein theoretisch ist das noch möglich. Doch damit befassen wir uns ab Donnerstag wieder. Was ich sagen wollte: In Bellinzona war der Cupfinal eine schöne Zugabe, mehr nicht. Wichtig war für uns der Aufstieg, den wir dann auch realisierten. Diesmal ist der Cupfinal mit YB vermutlich der Höhepunkt der Saison.

Ist der Druck auf YB ein Problem für Ihre Arbeit?

Auch diese Frage möchte ich differenziert beantworten. Mit Bellinzona waren wir gegen Basel der krasse Aussenseiter, jetzt sind wir mit YB Favorit. Ist das besser oder schlechter? Ich bin eigentlich lieber Favorit, denn so sind die Chancen sicher höher, zu gewinnen. Der Druck kann jedoch zu einem Problem werden. Vor allem wenn man immer wieder hört, wie wichtig ein Titel für YB und die Stadt Bern ist.

Glauben Sie, auch die ausländischen Spieler bei den Young Boys lassen sich davon beeinflussen?

Selbstverständlich bekommen alle bei uns mit, dass YB seit 22 Jahren keinen Titel gewonnen hat. Es gibt ja in dieser Stadt derzeit fast nur dieses Thema. Der Cupfinal ist überall. Das war bis am Wochenende ein Problem, vor allem für mich, weil wir in der Liga viele Partien austrugen und die Spannung hochhalten mussten. Deshalb bin ich froh, siegten wir am Samstag in Aarau 1:0. Seit Montag gilt die Konzentration nur dem Cupfinal.

Und was sind Ihre Erkenntnisse über den FC Sion?

Der FC Sion ist eine gute Truppe mit vielen talentierten Spielern. Das Team ist vielleicht nicht optimal zusammengestellt, aber das spielt in einem Cupfinal keine Rolle. Es sind am Mittwoch nur 90, vielleicht 120 Minuten plus eventuell ein Penaltyschiessen. Da kann man Defizite viel besser kaschieren. Und Sion hat herausragende Einzelspieler wie Monterrubio und Obradovic, die den Unterschied ausmachen können. Insbesondere in einer einzelnen Partie.

YB hat in der Super League in 34 Spielen 34 Punkte mehr geholt als Sion.

Und was bringt uns das am Mittwoch? Wir sind sicher das stärkere Team, doch wir müssen aufpassen und dürfen Sion nicht in?Fahrt kommen lassen. Das ist eine Stimmungsmannschaft und ein echtes Cupteam. Uns ist aufgefallen, dass der FC Sion im Cup ganz anders auftritt, viel konzentrierter und aggressiver. Wir müssen vorbereitet sein auf eine harte Gangart des Gegners. Sion spielte auch am letzten Mittwoch bei der 1:2-Niederlage in Bern gegen uns enorm physisch. Da muss jeder von uns dagegenhalten. Und zwar von der ersten Minute an.

Sion ist seit Montag im Trainingslager in Oberhofen, YB ging erst gestern ins Hotel Bern in die Innenstadt. Warum haben Sie wenig an den Abläufen in der Vorbereitung geändert?

Es ist für die Spieler so oder so bereits eine extreme Situation. Der Cup ist wie bereits besprochen überall das Thema Nummer eins. Es war mir ein Anliegen, den Rummel so stark wie möglich von den Akteuren fernzuhalten. Sie sollen sich wohl und gut und sicher fühlen, wenig soll für sie anders sein als sonst. Wir bereiten uns jetzt wie auf ein Auswärtsspiel vor, mit einer Nacht im Hotel. Der einzige Unterschied ist, dass wir halt im Hotel Bern und nicht in einer fremden Stadt übernachten.

Wie fit ist das Team nach zehn Spielen in knapp sechs Wochen?

Wir sind bereit. Aber dieses Programm ging natürlich an die Substanz. Ich finde es schade und ziemlich daneben, wie der Terminplan in der Schweiz erstellt worden ist. Es kann doch nicht sein, dass in den entscheidenden Wochen alle drei, vier Tage eine Begegnung absolviert werden muss. Das ist verrückt! Man arbeitet zehn Monate seriös und wird dann während acht Wochen derart unter Druck gesetzt und gestresst. Das ist in meinen Augen unprofessionell. Aber es ist ja für den FC?Sion nicht anders. Auch er hatte zuletzt einige Mühe in der Meisterschaft. Das ist sicher kein Zufall.

Der Cupfinal findet unter der Woche an einem Abend statt...

...das ist nicht schlimm, auch wenn es in der Schweiz Tradition hat, den Cupfinal am Pfingstmontag oder am Ostermontag auszutragen. YB - Sion gibt mit den vielen Fans und der besonderen Affiche so oder so ein besonderes Fussballfest.

Halten Sie im Final am spektakulären, teilweise aber auch fehleranfälligen 3-4-3-System fest?

Wir werden sehen (schmunzelt). Man muss als Trainer immer Überraschungen bereithalten. Die Mannschaft beherrscht das System aber mittlerweile gut, wir sind flexibel, schwierig auszurechnen. Das ist gut so. Sion wird vermutlich sein Glück auch in der Offensive suchen, es könnte sich ein attraktiver Match entwickeln. Wir sind aber daran, ein zweites System bald ähnlich gut einsetzen zu können. Das kann in Zukunft nur von Vorteil sein.

Seydou Doumbia ist Torschützenleader in der Super League und der vermutlich auffälligste YB-Einzelspieler. Aber er dürfte gegen Sion nur auf der Bank sitzen. Können Sie sich diesen Luxus überhaupt leisten?

Man kann auch diese Sache von zwei Seiten betrachten. Doumbia ist ein exzellenter Spieler, der seinen Weg macht und weiter machen wird. Aber wir haben viele gute Stürmer. Und Doumbia ist einer, den man bedenkenlos jederzeit einwechseln kann. Er benötigt kaum Zeit, um Entscheidendes zu leisten und ein Tor zu schiessen. Das kann für uns ein Vorteil sein. Es ist doch schön, haben wir so viele personelle Möglichkeiten.

YB hat in der Vergangenheit oft wichtige Partien verloren...

...das hört und liest man immer wieder. Aber wenn man Vizemeister wird, wie YB letzte Saison, oder einen Cupfinal erreicht, dann hat man auch entscheidende Spiele gewonnen. Manchmal fehlt die absolute Siegermentalität, das hat man in diesem Frühling gesehen. Ein Fussballteam zu führen ist ja immer auch ein Prozess, und im Sommer werden neue Spieler kommen, die uns hoffentlich weiterhelfen. Wir müssen dabei geschickt vorgehen. Denn unser Team besitzt eine gute Zukunft, es ist relativ jung, die Altersstruktur stimmt. Wir werden weiter Fortschritte erzielen.

In Ihrem ersten Interview mit dieser Zeitung sagten Sie im August 2008, Ihr Ziel sei es, mit YB Meister zu werden.

Daran hat sich nichts geändert. Immerhin besitzen wir in dieser Saison auch zwei Runden vor Schluss noch kleine Titelchancen (lacht). Das ist nach dem Fehlstart gar nicht so schlecht. Und: Wir haben 20 Punkte mehr als GC auf Rang vier. Das spricht für eine gewisse Klasse.

Denken Sie oft an verlorene Zähler, zum Beispiel gegen Vaduz? YB hat sieben Punkte gegen den Absteiger verspielt.

Ja, das schmerzt. Ich war beim ersten 0:0 gegen Vaduz noch nicht YB-Trainer. Aber wenn man möchte, könnte man schon sagen, dass wir gegen Vaduz viel verspielt haben. Es wäre mehr möglich gewesen in der Meisterschaft, keine Frage. Doch Dritter und Cupsieger ist besser, als Zweiter zu werden.

Und Ihre Zukunft sehen Sie langfristig in Bern?

Ich bin ein Trainer, der immer das Optimum will. Das war in Agno so, das war in Bellinzona so, das war und ist in Bern so, das wird später irgendwo anders auch so sein. Derzeit zählt für mich nur YB, ich habe einen Vertrag ohne Ausstiegsklausel bis 2010 mit einer Option auf eine weitere Saison. Die Aussichten sind spannend. Ich nehme stets Tag für Tag und versuche, das Team in jedem Training zu fördern und zu unterstützen. Wir sind auf einem guten Weg. Und: Der Cupfinal ist sehr entscheidend. Die Fans stehen hinter uns, ein Sieg würde die Euphorie noch steigern. Verlieren wir aber, beginnt das grosse Zweifeln an YB wieder von vorne. Das werden wir verhindern, weil wir die bessere Mannschaft sind.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch