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Pionierin des Naturschutzes

Die Gründung des Schweizerischen Nationalparks ist der wichtigste Erfolg von Pro Natura. 100 Jahre nach ihrer Gründung spürt die Organisation Aufwind – noch immer aber kämpft sie gegen ein etwas hausbackenes Image.

Erfolgsmeldungen gab es in der Geschichte von Pro Natura, dem ehemaligen Schweizerischen Bund für Naturschutz (SBN), einige. Dazu gehörte allen voran der Anlass zur Gründung der Organisation im Jahr 1909: die Errichtung eines Schweizerischen Nationalparks. Kurz zuvor war im Engadin der letzte Schweizer Bär geschossen worden, der Adler und andere einheimische Arten standen vor dem Aussterben. Fremdenverkehr und Industrialisierung bedrängten die Natur zunehmend. In dieser Zeit entwickelten Visionäre um den Basler Naturforscher Paul Sarasin und den Unterengadiner Steivan Brunies die Idee, «eine unantastbare Reservation für alle alpinen Lebewesen zu schaffen (...)». Mit Hilfe des SBN wurde die Finanzierung des Pachtzinses gesichert. 1914 wurde am Ofenpass der erste Nationalpark in der Schweiz und Mitteleuropas schliesslich eröffnet.Erfolge und KrisenDer Nationalpark blieb nicht der einzige Erfolg: Viele der heute selbstverständlichen Errungenschaften im Naturschutz wären ohne dieArbeit des ehemaligen SBN wohl nicht zustande gekommen. Der 1987 in die Verfassung geschriebene Schutz der Moore wäre kaum denkbar ohne die Inventarisierung der Moore durch Pro Natura in den 1940er- und 1980er-Jahren. Das heutige Natur- und Heimatschutzgesetz, die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission oder die landwirtschaftlichen Öko-Beiträge gehen ebenso auf Vorarbeiten und die Initiative von Pro Natura zurück. Doch ein Blick zurück zeigt auch Krisen auf: Die modernisierungskritische Ausweitung der Umweltbewegung in den 60er- und 70er-Jahren brachte für die traditionellen Naturschützer Umwälzungen. Der aus dem Basler Bildungsbürgertum stammende SBN galt als staatsnah, kooperativ und pragmatisch. Die jungen Umweltorganisationen wie WWF oder Greenpeace und die Anti-Atom-Bewegung setzen den etwas behäbig gewordenen SBN zunehmend unter Druck, wie die Historikerin Tanja Wirz in ihrem im April erscheinenden Buch zum Pro-Natura-Jubiläum aufzeigt. Auch die in den 80er-Jahren erfolgte Wende zu einer atomkritischen Haltung änderte nichts daran, dass die Organisation mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen hatte.Die Wende kam mit dem Namenswechsel Mitte der 90er-Jahre: Damals gab sich der altehrwürdige SBN ein neues, dynamischeres Gesicht: Nicht nur wurde der Auftritt der Kantonalsektionen unter dem gemeinsamen neuen Namen Pro Natura vereinheitlicht. Die Struktur des Verbandes wurde entschlackt und das Marketing professionalisiert. Das politische Lobbying wurde verstärkt, inhaltlich blieb der praktische Naturschutz aber das Kerngeschäft von Pro Natura.Seither hat Pro Natura gegen 10000 Mitglieder zugelegt. Allerdings steht der Verband mit gut 100000 Mitgliedern hinter dem WWF (220000) und Greenpeace (160000) nur an dritter Stelle der Schweizer Umweltorganisationen.Zukunftstauglicher MixTrotzdem stellt sich Zentralsekretär Otto Sieber auf den Standpunkt, dass die Neuorientierung Pro Natura auf den richtigen Weg gebracht hat: «Unser Mix aus praktischem und politischem Naturschutz ist zukunftstauglich.» Während der 90er-Jahre sei noch über eine Fusion der grossen Umweltorganisationen diskutiert worden, heute sei dies «vom Tisch». Die Aufgabenteilung zwischen den Verbänden funktioniere, und die Kernthemen von Pro Natura wie die Schaffung von Naturparks oder der Artenschutz hätten heute wieder Hochkonjunktur. So sei man zuversichtlich, dass das Engagement von Pro Natura für einen neuen Nationalpark im Tessin bereits im Jubiläumsjahr von Erfolg gekrönt werde. Die Liste von Erfolgen will Pro Natura aber auch darüber hinaus fortschreiben, etwa mit der 2008 eingereichten Initiative «Raum für Mensch und Natur» (Landschafts-Initiative), bei der die Organisation federführend ist.Einen Rückschlag erlitten hat jedoch das internationale Engagement im Rahmen der WEF-kritischen Veranstaltung Public Eye Awards (vgl. Kasten). Dazu geführt hat die Tatsache, dass Pro Natura aufgrund ihrer gewachsenen, politisch breit gefächerten Mitgliederstruktur noch immer etwas weniger militant auftritt als andere Umweltorganisationen – oder dass der Auftritt zumindest so wahrgenommen wird. Laut Sieber entspricht dieses einseitige Bild nämlich längst nicht mehr der Realität. Auch wenn es kaum je Bilder von angeketteten Pro-Natura-Aktivisten an Kühltürmen oder Fabrikschloten geben werde, vertrete Pro Natura ihre Anliegen heute «mit der gleichen Vehemenz wie andere Umweltorganisationen». >

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