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Müllberge in Basel

In Basel türmen sich auf den Trottoirs die Sperrguthaufen. Jetzt entsorgen die Behörden den Müll während eines Jahres kostenlos. Der Erfolg ist jedoch zwiespältig: Die Basler mischen Alteisen, Elektrogeräte und sogar Sondermüll unter das Sperrgut.

Dienstagabend im Basler Iselin-Quartier: Die Sperrgutberge auf den Trottoirs sind bald so gross, dass die Fussgänger auf die Strasse ausweichen müssen. Noch immer räumen die Anwohner ihre Dachböden leer: ein Kinderbett, eine Waage mit alten Gewichten, eine Gitarre, Bretter und Sessel. Um die Abfallberge scharen sich Trödler und Nachbarn, die auf ein Schnäppchen hoffen. Einige suchen das Quartier gleich im Kastenwagen ab. Oben an den offenen Fenstern werden Wetten abgeschlossen, welche Dinge als erste wieder wegkommen. Was für die Anwohner ein unterhaltsamer Entrümpelungsevent ist, bedeutet für die Behörden eine Kapitulation, denn das illegale Ablagern von Sperrgutabfällen hat in den Schweizer Städten in den letzten Jahren stark zugenommen (siehe Box). In Basel sind die wilden Deponien zwischen 2007 und 2008 um 30 Prozent auf 400 Tonnen Material pro Jahr angewachsen. Betroffen sind vor allem Stadtquartiere mit hohem Ausländeranteil. Aber auch unter den Schweizern habe die Abfalldisziplin nachgelassen, sagt der Sprecher des Basler Tiefbauamts. Die Behörden haben jetzt die Flucht nach vorne angetreten: In einem Versuch wird das Basler Sperrgut während eines Jahr es Quartier um Quartier in je drei Wellen wieder gratis entsorgt.Vom Erfolg überrolltGemessen an der Abfallmenge ist die Aktion ein voller Erfolg. Der umtriebige 33-jährige Leiter der Basler Stadtreinigung, Alexander Isenburg, rechnete mit gut 1000 Tonnen Sperrgut in einem Jahr. Nach knapp vier Monaten haben seine Männer schon 2000 Tonnen gesammelt. Doch die Aktion hat auch ihre Schattenseiten. Die Basler mischen unter das Sperrgut auch Alteisen, gebrauchte Elektronikgeräte und in seltenen Fällen gar Sondermüll. Mehrfach wurden die Sperrguthaufen über Nacht von Jugendlichen sogar angezündet. Die Stadtreinigung droht unterdessen damit, die Aktion wieder einzustellen, wenn die Disziplin nicht besser wird.Anlass zum AufräumenIn der Bevölkerung gehen die Meinungen auseinander: Die einen fühlen sich geprellt, weil sie während Jahren brav ihre Sperrgutmarken gekauft und aufgeklebt haben. Für sie ist unverständlich, warum das Verursacherprinzip plötzlich nicht mehr gilt. Die anderen schätzen die Sperrguttage als willkommenen Anlass zum Aufräumen. Sie halten es für ökologischer, wenn nicht jedes Sofa einzeln abgeholt werden muss, und bedienen sich gerne am Haufen beim Nachbarhaus, wenn sie etwas Brauchbares finden.Elektroschrott bleibt nicht liegenDer Leiter der Stadtreinigung sieht das Verursacherprinzip nicht verletzt: «Man muss Abfall und Sperrgut auseinanderhalten», sagt Isenburg, «die Sackgebühr bringt erwiesenermassen eine Reduktion der Abfälle, beim Sperrgut und beim Elektroschrott funktioniert das heutige System aber nicht richtig.» Obwohl man Fernseher und Kaffeemaschinen an jeder Verkaufsstelle gratis zurückgeben könne, hätten viele Menschen Hemmungen, diesen Dienst in Anspruch zu nehmen. In Basel fahren jetzt die Elektrorecycler den Sperrgutmännern gleich hinterher.Weiter wilde DeponienOb die Basler Gratisabfuhr für Sperrgut im nächsten Jahr weitergeführt wird, wagt Isenburg noch nicht zu prognostizieren. Auch wenn viele Keller- und Estrichabteile unterdessen entrümpelt sind, zeigt die Aktion vor allem einen gewichtigen Nachteil: Die Strassen in den einschlägigen Quartieren sind nicht sauberer geworden, wie Isenburg einräumt. «Die wilden Deponien sind in den einschlägigen Quartieren bisher nicht zurückgegangen.»

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