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Hausärzte schützen Spezialisten

Lautstark fordern die Hausärzte Pascal Couchepins

Die Organisatoren bezeichneten den Aufmarsch als Grosserfolg: Rund 15000 Hausärzte, Praxisassistenten und Patienten sind dem Aufruf zum Aktionstag gefolgt und haben gestern für eine stärkere Hausarztmedizin sowie gegen Bundesrat Pascal Couchepin demonstriert. «Couchepin, c’est fini», skandierten die Berner Ärzte vor dem Büro des Gesundheitsministers. Und in zahlreichen Kantonshauptorten fanden ihre Forderungen Widerhall: Die Hausarztmedizin müsse dringend gestärkt werden – und Couchepin abtreten, mitsamt seinen tieferen Labortarifen.Was die Wirkung des Protests angeht, so fällt die Bilanz freilich nüchterner aus. Denn was die Ärzte bei den Labortarifen fordern, wird Couchepin ihnen nicht geben. Der neue Tarif werde wie geplant umgesetzt, erklärte sein Sprecher gestern unbeeindruckt. Was Couchepin den Hausärzten geben will, das möchten deren Verbände nicht: Mehr Lohn, indem man ihre Gehälter auf Kosten der besser verdienenden Spezialärzte anhebt.Auf Solidarität bedachtFür diese Lösung hat sich kürzlich auch Carlo Conti, der Vizepräsident der kantonalen Gesundheitsdirektoren, stark gemacht. Doch bei denen, die davon profitieren sollen, stösst die Idee auf Skepsis. «Nur mit einer Umverteilung der Löhne von den Spezialisten zu den Grundversorgern ist das Problem nicht gelöst», sagt Franziska Zogg, Vizepräsidentin der Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SGAM). Denn es gebe schlicht zu wenig Spezialisten, um für alle Grundversorger genug herauszuholen. Zudem dürfe man nicht einfach alte Ungerechtigkeiten durch neue ersetzen.Auch der Präsident der Hausärzte, François Héritier, will von einem solchen Deal nichts wissen. Er verhandle gerne über die Arzttarife, sagt Héritier. Aber mit den Spezialärzten, nicht gegen sie.Tatsächlich diskutieren Ärzte, Spitäler, Krankenkassen und Unfallversicherer schon länger über eine Teilrevision des Arzttarifs Tarmed. Der Ärzteverband FMH strebt dabei auch Verbesserungen für die Grundversorger an: Er möchte die Praxiskosten neu berechnen, gewisse Spezialtarife für Hausärzte einführen und umgekehrt die Ansätze für einige technische Spezialuntersuchungen anpassen.Widerstand der KrankenkasseBislang sind die Ärzte damit aber am Widerstand der Krankenkassen gescheitert. Diese sind zwar für die Anliegen der Grundversorger offen. Sie wollen aber nur unter der Prämisse verhandeln, dass die Kosten unter dem Strich nicht steigen. «Die Ärzte wollen zwar die Grundversorger stärken, aber ohne bei den Spezialisten wirklich etwas wegzunehmen», moniert Felix Schneuwly vom Krankenkassenverband Santésuisse. Das gehe nicht, wendet er ein – und wundert sich, wieso die Hausärzte ihren besser verdienenden Kollegen nicht offensiver Paroli bieten.Scheuen die Hausärzte also die Konfrontation mit den Kollegen vom Fach? Nein, widerspricht Franziska Zogg. Aber die Hausärzte seien wohl stark auf die Einheit des Berufsstandes bedacht. Man verstehe sich eben als Teil einer Solidargemeinschaft, sagt auch Marc Müller, Präsident des Kollegiums für Hausarztmedizin. «Darum haben wir etwas Beisshemmung.»Spezialärzte: Besser verhandeltDass die Spezialisten da weniger Scheu kennen, haben sie auch in der aktuellen Debatte wieder gezeigt. Kaum hatte Carlo Conti ihre Einkünfte infrage gestellt, meldeten die Chirurgen unverblümt und ohne Rücksicht auf Solidargemeinschaften Widerstand an: Ihre Löhne seien zuletzt gesunken, während jene der Hausärzte zugenommen hätten. Eine weitere Verschlechterung sei nicht mehr zu verantworten.Eine solch unzimperliche Interessenvertretung würden sich mittlerweile auch einige Hausärzte wünschen. «Unsere Vertreter haben bisher versagt», seufzte der Solothurner Hausarzt Josef Gerber gestern auf Radio DRS. Und der Berner Arzt Martin Brack meinte: «Die Spezialisten haben einfach besser verhandelt.»Ärztedemo in Bern Seite 21>

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