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Dalai Lama erhält Korb

Die Landesregierung entsendet zum baldigen Besuch des Dalai Lama in Lausanne keines ihrer Mitglieder. «Keine Zeit», lautet der offizielle Grund. Der inoffizielle heisst Volksrepublik China.

Bevor der sich Bundesrat in die Sommerferien verabschiedete, hat er sich darüber ausgesprochen, ob eines seiner Mitglieder den 14. Dalai Lama demnächst treffen soll. Der «Ozean des Wissens» unterweist am 4. und 5. August in Lausanne buddhistische Gläubige und feiert eine «Langlebezeremonie». Zudem hält er einen Vortrag zum Thema «Weltfrieden durch inneren Frieden». Trotz stolzen Eintrittspreisen sind die Veranstaltungen alle ausverkauft. Im Land mit der grössten Tibetergemeinschaft Europas ist das Interesse an Seiner Heiligkeit enorm.Der Bundesrat hingegen verzichtet auf eine Zusammenkunft mit dem Dalai Lama. Er hat laut gut unterrichteten Kreisen entschieden, entsprechende Anfragen exiltibetischer Organisationen zwar nicht abschlägig zu beantworten. Er will aber keinen aus seinen Reihen entsenden. Eine untergeordnete Charge muss reichen für den Friedensnobelpreisträger von 1989.Religionsminister macht FerienPrädestiniert für einen Empfang gewesen wäre Religionsminister Pascal Couchepin, der 2004 das von China besetzte Tibet bereist hatte. Anfang August sei Couchepin aber «nicht verfügbar», sagt sein Sprecher Jean-Marc Crevoisier. Zuerst sei er im Urlaub, dann in seiner Funktion als Kulturminister am Filmfestival in Locarno. Der im Herbst abtretende Bundesrat erholt sich laut Medienberichten in seiner Walliser Heimat und in seinem Ferienhaus im französischen Süden.Im vergangenen Jahr noch hatte Couchepin den Dalai Lama treffen wollen – «als Kultusminister», nicht als Bundespräsident, wie er damals betonte. Das geplante Wiedersehen – die beiden waren 2005 erstmals zusammengekommen – fand nicht statt. Wegen Erschöpfung hatte der Dalai Lama seine Reise nach Basel, Bern und Bülach absagen müssen.Die wahren Gründe für den Korb des Bundesrats an den Religionsführer liegen kaum in der Ferienplanung des Gesamtbundesrats. In Tat und Wahrheit will die schweizerische Exekutive die sino-helvetischen Wirtschaftsverhandlungen nicht aufs Spiel setzen. China protestiert bei jedem offiziellen Empfang des Dalai Lama rund um den Globus heftig. Die Schweiz und die Volksrepublik haben eben erst eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche eine Machbarkeitsstudie über ein gemeinsames Freihandelsabkommen erstellt. Beschlossen wurde dieser Schritt Anfang Jahr bei einem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Bern, den Bundespräsident Hans-Rudolf Merz kürzlich als «erfreuliche Begegnung» wertete. Während im Bundeshaus der Dialog gedieh, nahm die Berner Polizei auf dem Bundesplatz tibetische Demonstranten fest.«Peinlicher und feiger Bückling»«Wir erwarten, dass die Schweiz als neutrales Land wie andere Rechtsstaaten weltweit auch einen Friedensnobelpreisträger auf höchster Ebene trifft und nicht nur Wen Jiabao oder den iranischen Präsidenten Ahmadinejad», sagt Karma Pangring, der Präsident der Tibetergemeinschaft in der Schweiz. «Wenn der Bundesrat den Dalai Lama nicht empfängt, ist dies ein peinlicher und feiger Bückling vor China», findet der Zürcher Nationalrat Mario Fehr, der die Parlamentarische Gruppe für Tibet präsidiert. «Wenn die Schweiz mit China einen echten Menschenrechtsdialog führen will, muss sie auch jene unterstützen, die eine friedliche Lösung der Tibet-Frage wollen.»Vor seinem Schweiz-Besuch hält sich der Dalai Lama in Polen und in Deutschland auf. Die Stadt Warschau verleiht ihm die Ehrenbürgerschaft. In Frankfurt trifft er sich offiziell mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CSU) und der deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Ende 2007 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Dalai Lama im Bundeskanzleramt empfangen, was China als diplomatischen Affront wertete. In der Schweiz muss sich das Oberhaupt der Tibeter diesmal mit einem Treffen mit einem Staatssekretär und mit dem Waadtländer Regierungspräsidenten Pascal Broulis begnügen. Mit Broulis bekommt er immerhin einen der möglichen Nachfolger von Bundesrat Pascal Couchepin zu sehen.

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