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Blocher glaubt Tinner

Der unter Atomschmuggel-Verdacht stehende Urs Tinner hat nach den Worten von Alt-Bundesrat Blocher eine

In einem gestern ausgestrahlten Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens (SF) äusserte sich Tinner erstmals seit seiner Haftentlassung auch selber zur Affäre. Urs Tinner war am vergangenen 19. Dezember aus mehr als vierjähriger Untersuchungshaft entlassen worden. Alt-Bundesrat Blocher bestätigt im Dokfilm erstmals, dass er den Fall Tinner bereits im Juli 2007 beim Besuch bei US-Justizminister Alberto Gonzales in Washington besprochen hatte. Die USA hätten Unterlagen aus der Untersuchung der Bundesanwaltschaft gewünscht. «Ich musste sie überzeugen, dass wir ihnen das nicht geben können», sagte Blocher im Dokfilm. Er selber sei 2006 von der Bundesanwaltschaft darauf aufmerksam gemacht worden, dass es im Fall Tinner sehr heikle Unterlagen gebe. Der Bundesrat verfügte dann im November 2007 in einem zunächst geheim gehaltenen Beschluss, einen grossen Teil der Unterlagen zu vernichten. Schweiz entschied selbstDer stellvertretende IAEA-Generaldirektor Olli Heinonen bestätigte in dem Film von Hansjürg Zumstein, dass die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) der Schweiz bei der Identifizierung der sensiblen Dokumente behilflich gewesen sei. Die Schweiz selber habe dann entschieden, was geschreddert werde. Die IAEA sei dabei gewesen. Die Aktion habe mehrere Wochen gedauert, wobei die vernichteten Dokumente und Datenträger genau katalogisiert worden seien. Die IAEA machte gemäss Heinonen die Schweiz auch darauf aufmerksam, dass es unter den Dokumenten auch Baupläne für Atomwaffen haben könnte. Blocher verteidigte die Aktenvernichtung erneut und sagte, die Unterlagen seien ein ganz grosses Sicherheitsrisiko für die Schweiz gewesen. Terroristengruppen und Staaten, die gerne eigene Atombomben bauen würden, hätten die Schweiz erpressen können. Das hätte bis zu Entführungen gehen können. Mit dem Hinweis auf den «internationalen Sicherheitskontext» begründete Blocher die Weigerung des Bundesrats, der Bundesanwaltschaft Ermittlungen über die Zusammenarbeit der Gebrüder Urs und Marco Tinner mit dem US-Geheimdienst CIA zu erlauben. Tinner wollte sich nicht direkt zur Kontaktaufnahme mit der CIA äussern. Er sagte aber, er habe durch ein abgeändertes Zentrifugenrohr an Ausstellungen versucht, die Geheimdienste auf sich aufmerksam zu machen. Atomtechnologie-Pläne, die Tinner als Angestellter des «Vaters» der pakistanischen Atombombe, Abdul Kader Khan, in Dubai und Malaysia in die Hände gelangten, sollen über seinen Bruder in der Schweiz an die CIA weitergegeben worden sein. Tinner will es auch gewesen sein, der die Informationen lieferte, die im Herbst 2003 im süditalienischen Taranto den Zugriff auf die für Libyen bestimmten Zentrifugen auf dem deutschen Frachter «BBC China» ermöglichten. Tinners wichtige RolleBlocher schenkt dieser Darstellung offenbar Glauben. Tinner habe eine wichtige Rolle für die Nichtverbreitung von Kernwaffen gespielt, sagte der ehemalige Bundesrat. CIA-Sprecher George Little wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP nicht zum Fall Tinner äussern. Der US-Geheimdienst hatte die Zerschlagung des Khan-Netzwerks aber früher als «echten Geheimdiensterfolg» bezeichnet, in dem die CIA eine Schlüsselrolle gespielt habe. >

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