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«Kalte Leichen» als Spender

In Zukunft will Swisstrans-plant auch Organspenden nach einem Herzstillstand ermöglichen. Eine Gruppe von Politikern geht weiter: Sie will, dass die Familie nicht mehr zustimmen muss.

Die Hoffnungen waren gross, das Resultat ist nun umso ernüchternder: Auch das neue Transplantationsgesetz hat den notorischen Mangel an Organspendern in der Schweiz nicht entschärft. «Die Situation verschlechtert sich zunehmend», klagt Franz Immer, Direktor der Stiftung Swisstransplant. Zwar ist die Zahl der Spender im letzten Jahr leicht gewachsen, doch bei Weitem nicht so stark wie die Liste der Patienten, die auf ein fremdes Organ angewiesen sind. Die Folge: 62 Menschen starben, weil sich für sie kein Spender finden liess. «Diese Situation ist inakzeptabel», sagte gestern Swisstransplant-Präsidentin Trix Heberlein. Sie will nun mit neuen Massnahmen die Warteliste verkürzen.Zum einen plant sie eine Kinderherz-Website, mit der die schwierige Suche nach Spenderherzen für Kinder europaweit vereinfacht werden soll. Zum andern will Swisstransplant den Kreis der potenziellen Spender ausweiten. Heute kommen als Leichenspender ausschliesslich Hirntote infrage, deren Kreislauf nur noch durch Medikamente und Maschinen erhalten wird. In Zukunft sollen auch Opfer eines Herzstillstandes dazu gehören. Diesen sogenannten Non-Heart-Beating Donors können primär Nieren entnommen werden. Swisstransplant rechnet dabei mit einem Potenzial von 50 zusätzlichen Transplantationen pro Jahr.Diese Ausweitung wirft freilich einige heikle Fragen auf, welche die Akademie der Medizinischen Wissenschaften erst noch klären will. Eine davon betrifft die Zeit: Während bei einem Hirntod die Möglichkeit besteht, die Frage der Organspende mit den Angehörigen zu erörtern, bevor die Herz-Lungen-Maschine abgestellt wird, muss es bei den «kalten» Leichen nach einem Herzversagen schnell gehen. Bleibt der Kreislauf nach 20 Minuten Reanimation aus, wird nach weiteren 10 Minuten der Tod festgestellt. Dann müssen die Organe rasch entnommen werden.Die Familie eines Verstorbenen gerät also unter Umständen in die schwierige Lage, dass sie unvorbereitet innert kurzer Frist entscheiden muss, ob sie einer Organspende zustimmt oder nicht. Wie delikat dieses Thema ist, zeigt sich auch an der stark steigenden Ablehnungsrate. In Bern verweigern mittlerweile 75 Prozent der Angehörigen die Organspende ihrer Verstorbenen, in Zürich sogar 90 Prozent. Im Zweifel für die TransplantationDiese Skepsis ist mit ein Grund, weshalb 20 Politiker aus CVP, FDP, SP und Grünen nun die Vorzeichen umkehren wollen: Heute gilt die Regel, dass die Familie einer Transplantation zustimmen muss, sofern der Wille des Verstorbenen unbekannt ist. Künftig wäre eine Organentnahme erlaubt, wenn der Verstorbene dies zu Lebzeiten nicht explizit ausgeschlossen hat. «So bekämen wir sicher mehr Organe», sagt CVP-Nationalrätin Viola Amherd, die den Systemwechsel per Postulat angeregt hat. Bedenken, über die Köpfe der Angehörigen hinweg zu entscheiden, hat sie nicht. «Ich glaube, das wäre vertretbar. Vor allem, wenn man bedenkt, wie vielen Menschen damit geholfen werden könnte.»Der Bundesrat lehnt den Systemwechsel aber ab. Und selbst Heberlein steht ihm skeptisch gegenüber. «Politisch ist das wohl schwer umzusetzen», sagt sie. Eine Debatte darüber wäre ihr aber trotzdem willkommen, weil dann immerhin über das Thema diskutiert würde. Vorläufig muss Swisstransplant noch mit anderen Mitteln um mehr Aufmerksamkeit buhlen – unter anderem mit der ehemaligen Miss-Schweiz-Finalistin Monika Erb. Das junge Fotomodel warb letzte Woche im «Blick» im Bikini für Organspenden, offenbar mit nicht zu knappem Erfolg. Über 1000 Interessenten hätten darauf angerufen, konnte Heberlein gestern vermelden.>

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