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Saturnismus

Zum Glück ist der Kalte Krieg vorbei: Nicht auszudenken, wozu es hätte führen können, wenn ein sowjetischer und ein amerikanischer Satellit zusammengestossen wären. Keine Seite hätte da geglaubt, es sei purer Zufall gewesen – jede hätte die andere beschuldigt, den «Krieg der Sterne» zu proben. Und falls die entsprechenden Pläne, die es zweifellos gab, noch in den Schubladen gewesen sein sollten, so hätten beide Seiten sie hervorgeholt, um künftig dem Zufall nachzuhelfen und Satelliten ins Visier zu nehmen.Jetzt aber hat der Zusammenprall eines russischen und eines amerikanischen Himmelskörpers in Moskau wie in Washington den Blick für die Gefahren des Weltraumschrotts geschärft. Allerdings hätte man es schon lang wissen müssen: Die Sorglosigkeit, mit der ausgediente oder havarierte Hartware sich selber überlassen wird, macht aus dem erdnahen Weltraum ein Minenfeld – Betreten auf eigene Gefahr. Nicht einmal eine gemeinsame Minenkarte gibt es; vielleicht raffen sich die Raummächte jetzt wenigstens dazu auf.Zu verhindern ist es ohnehin nicht mehr, dass die Erde für Jahrhunderte einen Schrottmantel trägt. Das ist unsere Art, dem Saturn und seinen Ringen Konkurrenz zu machen. Dabei ist die Menschheit gewarnt: Saturnismus setzte schon den alten Römern zu. So nannten sie die Bleivergiftung, die wegen der bleiernen Wasserleitungen um sich griff und Kaiser Nero zum Brandstifter gemacht haben soll. Heute werken wir mit edleren Metallen, zumal im Weltraum. Umso dauerhafter könnte der neue Saturnismus wirken.Daniel Goldstein>

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