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Plädoyers für die chinesische Medizin

Import von Kräutern ist erlaubtDen Beitrag zum Thema der Traditionellen Chinesischen Medizin, kann ich so nicht einfach im Raum stehen lassen. Als praktizierende TCM-Therapeutin nehme ich dazu wie folgt Stellung: Im Zentrum des Artikels steht Tony Kam selbst und nicht der Patient! Ich denke, Tony Kam ist in mehreren Bereichen nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge. Die Ausbildungen zum Therapeuten der chinesischen Medizin sind in der Schweiz seit mehreren Jahren sehr fundiert, professionell und das Niveau wird durch die eigenen Verbandsprüfungen des SBO-TCM (Schweizerische Berufs-Organisation – Traditionelle Chinesische Medizin) in jedem Bereich kontrolliert und garantiert. Sowohl die Lokalisation, als auch die Akupunktur-Technik sind feste Bestandteile der Ausbildung, auch käme in der Schweiz niemand auf die Idee, die preisgünstigen sterilen Einwegnadeln nach Gebrauch aufwendig zu sterilisieren und nochmals zu gebrauchen!Anmo, die chinesische Massage, ist einer der fünf Pfeiler der chinesischen Medizin und verspricht keinerlei Wunderheilung. Unbestritten ist aber, dass durch diese Methode Qi- und Blutfluss positiv beeinflusst werden können.Der Import von Chinesischen Kräutern und Substanzen ist im Heilmittelgesetz vom Jahre 2001 explizit geregelt, also keineswegs verboten. Mehrere seriöse Importeure und Apotheken führen die etwa 500 offiziell bewilligten Substanzen aus asiatischen Ländern ein und kontrollieren diese. Somit entsprechen diese Substanzen den hohen schweizerischen Qualitätsbestimmungen. Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten gestaltet sich zunehmend konstruktiv, nicht zuletzt weil sich die chinesische Medizin hier in der Schweiz etabliert und auch bewährt hat. Jedenfalls hat Tony Kam mit seinem Zeitungsartikel der gesamten Traditionellen Chinesischen Medizin einen «Bärendienst» erwiesen. Ursula BurriPraxis für TraditionelleChinesische Medizin, SpiezAusbildung ist solidTony Kam inszeniert sich im Artikel «Im Zentrum steht der Patient» prächtig. Nicht den Patienten setzt er ins Zentrum sondern sich selber. Wenn er Experte für chinesische Medizin sein soll, fragt sich, woher denn all die Missinformationen kommen? Eine Klarstellung der gröbsten Missinformationen drängt sich auf. Die chinesische Medizin ist in der Schweiz noch relativ neu und Artikel wie dieser verunsichern die Öffentlichkeit. Gemäss Tony Kam ist die Ausbildung in der Schweiz mangelhaft. Die SBO-TCM setzt sich seit über 10 Jahren für einen hohen Ausbildungsstandard in chinesischer Medizin ein. Neben fundiertem Basiswissen beinhaltet das Studium auch TCM-Praktika und schulmedizinische Grundlagen. Nur eine solide Ausbildung mit genügend Ausbildungsstunden und das Bestehen der Verbandsprüfung ermöglichten schliesslich die Verbandsmitgliedschaft. Von einer ungenügenden Ausbildung kann also nicht die Rede sein. Hinzu kommen die Vorteile der barrierefreien Verständigung bei Schweizer Therapeuten durch das massgebliche Verständnis von Sprache und Kultur.Raucherentwöhnung nur mit Ohrakupunktur sei ein unseriöses Heilungsversprechen, wettert Tony Kam. Es macht Sinn, dass er nichts oder nicht viel von Ohrakupunktur versteht. Denn diese stammt nicht aus China. Die Ohrakupunktur wurde in Frankreich entwickelt und ist hoch wissenschaftlich. Dass sie unter anderem bei Suchtverhalten wirksam ist, wurde längst durch anerkannte Studien bewiesen. Das Gesetz verbietet die Einfuhr von chinesischen Kräutern? Seit dem neuen Heilmittelgesetz aus dem Jahre 2001 sind diese darin explizit erwähnt. Eine Arbeitsgruppe hat eine sogenannte TAS-Liste erarbeitet, welche traditionelle asiatische Stoffe aufführt – deren rund 500! Es gibt in der Schweiz mehrere seriöse Importeure und Apotheken, welche ein breites Sortiment an qualitativ hochstehenden chinesischen Produkten liefern – alles mit offiziellen Bewilligungen.Chinesische und Schulmedizin werden gegeneinander ausgespielt, titelt Tony Kam. Leider ist die Zusammenarbeit zwischen der TCM und der westlichen Medizin tatsächlich noch nicht überall gleich gut. Es gibt aber zahlreiche Beispiele einer positiven Annäherung. Viele Ärzte der westlichen Medizin erkennen, dass die chinesische Medizin und insbesondere die Akupunktur eine äusserst effiziente Methode gegen viele Beschwerden ist. Therapeuten für chinesische Medizin erhalten häufig Überweisungen von solchen Schulmedizinern. Der Artikel enthält noch zahlreiche andere Fehlinformationen wie z. B. das Alter der TCM, der Gebrauch von Einweg- oder Edelmetallnadeln in China und die «Wahrsagerei» mit Puls- undZungendiagnose.Simon BeckerPräsident SBO-TCMWädenswilZungendiagnose hat geholfenDie Bemerkung von einem chinesischen Arzt, dass eine Puls- und Zungendiagnose in den Bereich der Wahrsagerei gehört, hat mich doch recht erstaunt.Vor zwei Jahren sah ich per Zufall in der Bollwerk-Apotheke, dass die TCM-Praxis Meihuamed jeden ersten Dienstag im Monat eine Puls- und Zungendiagnose gratis anbietet. Eher skeptisch, aber auch ein bisschen «gwunderig», habe ich mich dort angemeldet.Was der chinesische Arzt, nur mittels Puls- und Zungendiagnose herausgefunden hat, war erstaunlich. Wegen den Herzproblemen, die ich nicht einmal selber merkte, wurde ich sofort zur genauen Abklärung an den Hausarzt verwiesen. Und tatsächlich waren das EKG und ein Belastungs-EKG bedenklich schlecht. Geholfen wurde mir dann dank Akupunktur und chinesischem Kräutertee. Ebenfalls wurde in diesen paar Minuten erkannt, welche anderen medizinischen Probleme ich habe. Alles stimmte mit dem überein, was mir bereits bekannt war. Seitdem haben sich auch viele meiner Bekannten und Freunde von der Treffsicherheit dieser Diagnose überzeugen können.Marlies Wenger,ZollikofenHoffnungsvolle FortschritteTony Kam sagt, die Ausbildung in der Schweiz sei mangelhaft. Akupunktur und Kräutertherapie können heute in den meisten Kantonen nur mit einer kantonalen Praxisbewilligung ausgeübt werden. Auch die Qualitätsanforderungen der Krankenkassen sind hoch: Die Ausbildung beinhaltet ein umfassendes schulmedizinisches Grundstudium (600h), ein TCM-Studium von mehreren Jahren sowie ausgedehnte Praktika zu jeder Therapieform.Tony Kam hat über die Tuina/Anmo-Massage ein abschliessendes Urteil, weiss wer unlautere Heilversprechungen macht, dass in andern Praxen nicht präzis behandelt wird usw. Auf der andern Seite ist es ihm offensichtlich entgangen, dass an die 500 traditionelle asiatische Heilmittel in der Schweiz offiziell zugelassen sind, dass sie als Einzeldrogen in die Schweiz kommen und in Labors auf Inhaltsstoffe und Verschmutzungen überprüft werden.Zum Glück gibt es in der Schweiz hoffnungsvolle Fortschritte in der Zusammenarbeit zwischen West und Ost: Seit Jahren werden von Mitgliedern der Schweizerischen Berufsorganisation für Traditionelle Chinesische Medizin (SBO-TCM) an mehreren Spitälern Spezialkurse für «Akupunktur während der Schwangerschaft und Geburt» durchgeführt, die von zahlreichen Hebammen und auch von GynäkologInnen besucht werden.Christine LeutwylerBremgarten bei Bern>

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