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Für und wider den Schwan

Schwarzschwäne am Wohlensee sind keine GefahrMit grosser Empörung nehme ich Kenntnis von dem Vorgehen des kantonalen Jagdinspektorats auf dem Wohlensee, das die letzten Schwäne nun nach Thun zurückgebracht hat.Der Schwarzschwan ist keine invasive oder bedrohliche Tierart, ausserdem stets sicht- und kontrollierbar. Richtigerweise sollte auch informiert werden, dass der Schwarzschwan in Europa seit vielen Jahren unter den übrigen Wasservogelarten gut integriert ist und zu keiner Gefährdung der hiesigen Flora und Fauna führt (vgl. weitere Infos www.schwarzschwaene.ch).Das Motiv der «unkontrollierten Vermehrung» ist unhaltbar und lächerlich. Schliesslich werden auch bei den Höckerschwänen die Eier angestochen, um den erwünschten Bestand zu erhalten. Wir erfreuten uns jeden Tag an diesen anmutigen und friedlichen Wasservögeln. Welch unglaubliche Überheblichkeit ist vonnöten, diesen Übergriff auf die zwei Schwarzschwäne auf dem Wohlensee zu rechtfertigen.Wir vermissen sie.Barbara MarcanoHinterkappelenGefahr durch eingeschleppte Fremdlinge gebanntZum Glück hat das Jagdinspektorat endlich gehandelt, wobei es nur seinen gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen ist: Es hat die nicht einheimischen schwarzen Schwäne vom Wohlensee entfernt und ihrem Besitzer zurückgebracht. Kürzlich sind internationale Programme (Daisie und Alarm) zur Untersuchung der Folgen und Risiken von eingeführten oder eingeschleppten Fremdlingen in der einheimischen Flora und Fauna abgeschlossen worden – sie zeigen von Säugetieren über Vögel und Wirbellose bis zu den Pflanzen zum Teil alarmierende Befunde! Eines der Fazite: Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase, in deren Verlauf sich die Fremden unauffällig verhalten, läuft oft plötzlich eine Eigendynamik an, bei der die Situation schnell ausser Kontrolle geraten kann. Vier bestens bekannte botanische Beispiele sind der Japanische Knöterich, das rosa blühende Drüsige Springkraut, die kanadische Goldrute und der Riesenbärenklau: Ursprünglich als Zierpflanzen geschätzt, sind sie heute vor allem in Naturlandschaften zu einem gravierenden Problem geworden. Bei den Säugetieren ist das Nordamerikanische Grauhörnchen zu erwähnen, welches das Europäische Eichhörnchen in England vollständig zu verdrängen droht und von Italien her in Kürze das Tessin erreichen wird. Der Europäische Nerz wird sehr stark bedrängt durch seine Schwesterart aus Nordamerika, den Mink, welcher bereits ganz Nordeuropa erobert hat. Bei den Wasservögeln sind weitere Beispiele bekannt, die als hübsche Parktiere unerwartet ausser Kontrolle geraten sind. Einmal freigelassen, zeigen sie plötzlich ein ganz anderes, aggressiveres Verhalten. Die nordamerikanische Schwarzkopfruderente breitet sich in Europa stark aus, und es bestehen Befürchtungen, dass sie die seltene einheimische Weisskopfruderente vollständig verdrängen wird. Die Rostgans ist kleineren Wasservögeln gegenüber aggressiv und breitet sich in Europa momentan derart schnell aus, dass sie in breit angelegten Kampagnen bekämpft werden muss. Da man nicht abschätzen kann, wann die australischen schwarzen Schwäne in Europa (nicht nur in der Schweiz!) plötzlich ausser Kontrolle geraten werden, muss man frühzeitig handeln, solange man die Situation noch in den Griff bekommen kann. Deshalb bestehen heute aus guten Gründen strenge gesetzliche Auflagen, die auch eingehalten werden müssen.Jürg Zettel emerit. Prof. Biologie, Schliern>

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