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Für das Berner Stadttheater ist eine neue Sparrunde fatal

Die Schieflage, in der sich das Berner Stadttheater befindet, wird immer dramatischer. Auf den ersten Blick scheint der Besucherschwund das grösste Problem zu sein. Den künstlerischen Stil der neuen Crew um Direktor Marc Adam dafür verantwortlich zu machen, ist eine allzu einfache Erklärung. Denn der Abwärtstrend hat bereits in den 90er-Jahren eingesetzt. Als Adams Vorgänger Eike Gramss 1991 nach Bern berufen wurde, trumpfte er in der ersten Saison mit dem Rekordresultat von knapp 190000 Zuschauern auf. Doch Gramss, der sich vor allem in der ersten Hälfte seiner 16 Jahre in Bern für sein Theater engagierte, verpasste es, das Publikum an neue Formen des Musiktheaters heranzuführen, und seine halbherzige Suche nach der dringend notwendigen zweiten Spielstätte führte zu wenig überzeugenden Lösungen. Am Ende seiner Intendanz waren die Zuschauerzahlen auf ein historisches Tief von 88000 (2007) gesunken. Gramss sorgte aber dafür, dass wenigstens sein Nachfolger mit den Vidmarhallen eine zweite Spielstätte mit grossem Entwicklungspotenzial fürs Schauspiel eröffnen konnte.Seit 18 Monaten ist nun der neue Intendant im Amt, eine zu kurze Zeit, um die künstlerische Leistung abschliessend beurteilen zu können. So viel ist allerdings klar: Eine Profilierung ist im Gang. Es wird versucht, die Versäumnisse der letzten Jahre wettzumachen, ohne dabei dem Stammpublikum allzu gewagte Experimente zuzumuten. Eine Herkulesaufgabe, die dadurch erschwert wird, dass die Theaterleitung keineswegs über optimale Produktionsbedingungen verfügt. Es ist eine Summierung von Problemen, die dazu führen könnte, dass die künstlerische Arbeit blockiert wird und radikale Massnahmen erforderlich werden, um das Theater wieder auf Kurs zu bringen. In desolatem Zustand ist das grosse Haus, wo die aufwendige Bühnenmaschinerie aus Sicherheitsgründen nur beschränkt eingesetzt werden kann. Die chronische Unterfinanzierung des Theaters hat aber nicht nur dazu geführt, dass für den Unterhalt des über hundertjährigen Hauses nicht genügend Mittel vorhanden sind. Eine rigide Ausgabenkontrolle und die Angst vor finanziellen Flops dämpfen jene Risikofreudigkeit, die für künstlerische Höchstleistungen unabdingbar ist. Diesen Einschränkungen zum Trotz zeichnet sich langsam eine Trendwende ab: Die Sparte Schauspiel übertrifft in den Vidmarhallen die Budgetvorgaben, und die jüngste Operninszenierung, «Der Rosenkavalier», hat Fachleute und Publikum gleichermassen begeistert. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass der Verwaltungsrat dem Theater eine Sparrunde aufzwingt. So klein die verordnete Einsparung von 300000 Franken bei Subventionen von 23 Millionen Franken jährlich scheint – sie könnte bewirken, dass der Aufschwung in den Vidmarhallen zu Ende ist, bevor er von einem breiteren Publikum überhaupt erst wahrgenommen wird. Denn in der neuen Spielstätte wird bereits jetzt so kostengünstig produziert, dass nur mit dem Verzicht auf bereits geplante Inszenierungen gespart werden kann. Der Entscheid des Verwaltungsrats zeugt von wenig Gespür und lässt vermuten, dass auf der politischen Ebene nach wie vor nicht der Wille vorhanden ist, das Stadttheater endlich aus seiner Mittelmässigkeit zu befreien. Dass mehr oder weniger Geld bei grossen Häusern eine zentrale Rolle spielt, belegt der Vergleich mit anderen Städten. Es brauchen nicht 100 Millionen Franken zu sein, wie sie Stadt und Kanton Zürich jährlich für Schauspielhaus und Opernhaus aufwerfen und damit auch auf der ökonomischen Seite glänzen. Einiges könnte bewirkt werden, wenn dem Stadttheater Bern wenigstens gleich viel Geld pro Besucher zur Verfügung gestellt würde wie den Stadttheatern von St. Gallen und Luzern.>

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